Spechte an der Hauswand - Fassadenhacker

Trommler des Waldes verursachen Schäden an Fassaden

Die Stadt ist ein attraktiver Lebensraum. Nicht nur für Menschen, sondern auch für Wildvögel. Allein im Münchner Stadtgebiet brüten 105 Wildvogelarten regelmäßig. Eine Vogelart scheint sich in der Stadt besonders wohl zu fühlen: der Buntspecht. Dabei zeigen sie sich auch den Segnungen der modernen Zivilisation gegenüber aufgeschlossen – sehr zum Ärger der menschlichen Mitbewohner. Denn Spechte machen auch vor Antennen, Dachblechen und Wärmedämmfassaden nicht halt, wenn es darum geht, trommelnd einen Partner zu finden oder eine Höhle zu zimmern. Doch was tun?

Buntspecht an einer Hauswand | © Werner Borok © Werner Borok
Hausfassaden erwecken bei den Spechten den Eindruck eines Baumes

Warum tun die Spechte das?

Männlicher Buntspecht auf dickem Ast | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Vermutlich erwecken Hausfassaden den Eindruck eines Baumes bei den Spechten

Es lässt es sich nur schwer ergründen, warum Spechte in Fassaden schlagen. Da die meisten Meldungen im Herbst erfolgen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Jungspechte handelt, die ein eigenes Territorium suchen. Geeignete freie Reviere sind allerdings selten. Mit Bäumen begrünte Siedlungsgebiete in Städten und Dörfern bieten deshalb eine Ausweichmöglichkeit ein Revier zu errichten. Dabei untersuchen und erkunden die Tiere das Territorium und die vorhandenen Bäume und Bauten.

Offenbar erwecken die Fassaden bei den Tieren den Eindruck eines Baumes: Die raue Struktur des Verputzes gleicht der Baumrinde. Das Dämmmaterial hat in etwa die gleiche Konsistens wie weiches, vermodertes Holz. Und beim Trommel auf Styropor hört es sich ähnlich an wie beim Trommeln auf hohlem Holz. Findet der Specht dort auch noch Insekten, fühlt er sich gleich heimisch und untersucht auch die tieferen Schichten unter der „Rinde“.

Wird eine frisch verputzte Wand durch einen Specht aufgehackt, ist dies natürlich sehr ärgerlich. Wir haben für Sie einige Maßnahmen zusammengetragen, mit denen Sie diese Spechtschäden verhindern können.

Spechtlöcher schließen - Achtung bei Eigeninitiativen

Spechtschäden an einer Hauswand | © Werner Borok © Werner Borok
Spechtloch an einer Hausfassade.

Nicht nur die Vögel selbst, sondern auch ihre Nist- und Zufluchtsstätten an Gebäuden stehen unter dem Schutz des Bundnaturschutzgesetzes. Demnach ist Töten, Verletzen, Fangen sowie die Zerstörung der Quartiere oder Veränderungen daran zu jeder Jahreszeit nicht erlaubt.

Sollten derlei Maßnahmen unvermeidbar sein, wenden Sie sich wegen einem Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung an die Höhere Naturschutzbehörde.

Grundsätzlich sollte man die Spechtlöcher möglichst schnell wieder verschließen, damit die isolierende Funktion der Wärmeschutzdämmung erhalten bleibt! Vorsicht: auf mögliche Bruten in den Höhlen achten! Vor allem in der Brutzeit von April bis August dürfen Fassadenhöhlen nur dann saniert werden, wenn sicher gestellt ist, dass darin nicht gebrütet wird.

Zu jeder Jahreszeit müssen die Schadstellen vor dem Verschluss auf Anwesenheit von Tieren geprüft und Fremdmaterialien (z. B. Nester) entfernt werden – diese könnten sonst in der Dämmschicht faulen.

Langfristig sollte man Baumaterialien verwenden, die verhindern, dass der Specht die Hausfassaden überhaupt bearbeiten kann. Dafür eignen sich glatte Fassadenverkleidungen, an denen sich die Spechte nicht festhalten können. Auch besonders dicken Verputz können sie nicht durchdringen.  

Schutz des ursprünglichen Lebensraumes hat erste Priorität

Prinzipiell muss man die Spechte in ihrem natürlichen Lebensraum fördern. Dafür müssen vor allem in Wäldern alte und tote Bäume stehen bleiben. Monotone Fichtenforste müssen in Mischwälder umgewandelt werden. Auch der Erhalt und der Schutz von alten Streuobstbeständen, extensiv bewirtschafteten Wiesen, Weiden und Heidegebieten ist sehr wichtig.

Mit geeigneten Nistkästen und Fassadenquartieren ist auch der Verpflichtung zum Quartierschutz Genüge getan. Dem Hacker selbst kann man allerdings kaum Ersatz anbieten: Er ist programmiert auf Eigenbau und nutzt Nistkästen nur in seltenen Fällen.

Vergrämungsmaßnahmen - Was wirklich hilft

Damit der Specht mit seinem Wohnungsbauprogramm nicht an der frisch sanierten Fassade weitermacht, muss man ihm das Hacken am Haus verleiden. Doch eine hundertprozentige Lösung gibt es nicht! Jeder Specht reagiert anders, Fantasie und Ausprobieren sind gefragt.

Wichtig bei allen Maßnahmen: Gewöhnungseffekte vermeiden, denn Spechte sind nicht dumm. Und die Vergrämung großflächig anlegen, sonst wirkt sie nur an dieser Stelle – oder gar nicht. 

Vogelscheuchen und andere Gegenstände anbringen

Seit Jahrhunderten werden Vogelscheuchen benutzt, um Vögel zu vertreiben. Am Haus angebracht helfen sie auch gegen Spechte. Bewegung, bewegliche Lichtreflexe und Geräusche stören den Specht bei seinem Tun. Auch wenn Vergrämungsmaßnahmen eine Fassade nicht gerade verschönern, sollten sie dauerhaft angebracht werden. Denn der Specht kann nach Entfernung der Vogelscheuche zurückkommen. 

Vogelscheuchen an Fassaden entfalten ihre Wirkung nur dort, wo sie angebracht sind. Um Ausweichmanöver zu vermeiden, ist es nötig, die Vergrämung großflächig anzulegen und noch nicht behackte, aber gefährdete Stellen vorbeugend zu schützen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Specht seine Hackattacken ein paar Meter weiter oder an der anderen Ecke fortsetzt.

Relativ einfach herzustellen und gut wirksam sind Flattervorhänge aus Plastikbändern, doch sie sind meist nicht sehr dauerhaft. Haltbarer sind Ketten aus CDs, Spiegelfalzen oder Wimpelleinen. An Windspielen, über die gesamte Fassade gespannt, drehen sich spiegelnde Blechstreifen im leisesten Windhauch und vertreiben so den Specht.

Stören Sie Ihn so oft wie möglich

Damit sich der Specht gar nicht erst an die Fassade gewöhnt, ist es wichtig, ihn von Anfang an bei seinem Tun zu stören: Leuchten Sie mit einer Lampe in die Höhle, lautes Klatschen, Trommeln, Pfiffe oder das Wedeln mit Tüchern – Hauptsache, er erkennt, dass diese Fassade kein Platz zum ungestörten Hacken ist!  

Feindbilder an der Fassade anbringen

Bestimmte Feindbilder sind Spechten angeboren: Uhu, Sperber und Habicht lehren sie das Fürchten. Lebensechte Attrappen dieser Feinde können Spechte in die Flucht schlagen.

Damit die Attrappe wirkt, muss sie sich aber arttypisch verhalten: Ein Plastikuhu, der tagelang am selben Fleck sitzt, verliert schnell seinen Schrecken – der Specht erkennt, dass ihm keine Gefahr droht, und kommt an seine Hackstelle zurück.

Konkurrenz simulieren

Mit Spechtattrappen wurden hölzerne Strommasten vor hackenden Spechten geschützt – mit teilweise gutem Erfolg. Aber Vorsicht vor Gewöhnungseffekten! Erkennt der Hacker, dass vom Konkurrenten an der Wand keine echte Bedrohung ausgeht, macht er einfach weiter – oder er geht ums Eck, wo keine Konkurrenz ist.

Fassaden schützen mit dem richtigen Material

Je rauer die Fassade, desto besser kann sich der Specht festhalten. Und je dünner die Putzschicht, desto schneller ist die Höhle gebaut. Aus diesen Grundsätzen heraus lassen sich Lösungsansätze zur Spechtabwehr entwickeln.

Feinmaschige, straff gespannte Drahtnetze an den Fassaden befestigt, dünne Metallbleche an den Hausecken oder Fassadenbegrünungen verhindern, dass der Specht neue Löcher in den Putz hackt. Die Maßnahmen sollten großflächig angebracht werden, da die Spechte sonst anderweitig ausweichen. Auch kann es sein, dass sie sich z. T. an die Methoden gewöhnen. Man sollte also die Anordnung öfter wechseln und viel Geduld aufbringen!

Der Putz soll's richten?

Oft wird der Einbau von glatten Putzen empfohlen. Aber Spechte können sich noch an Putzkörnungen von zwei bis drei Millimetern festhalten – wenn auch nicht so gut wie an Rauputz. Auch ein dickerer Putz hilft nicht immer, dem Specht das Fassadenhacken zu verleiden.

Zwar ist für ihn das Hacken an Dickputz-Wärmedämmsystemen mit bis zu zwei Zentimeter dickem mineralischen Putz aufwändiger, aber eine Garantie gegen Spechtschäden sind sie nicht.

Außerdem kann nur der Fassadenfachmann klären, ob auf ein bestehendes Wärmedämmverbundsystem ein dickerer Putz aufgetragen werden kann. Im Zweifelsfalle sollten Putzdicke und –glätte kombiniert werden, um die Hackattacken zu mindern. Doch letztlich ist hartnäckigen Spechten (noch) kein Putz gewachsen.

Wie der Specht die Haftung verliert

Verkleidungen aus Metall, Acryl, Kunststoff oder glatt beschichteten Faserzementplatten können sie sich nicht festhalten – sie rutschen ab. Manchmal verlieren sie danach die Lust auf das Gebäude. Manchmal weichen sie aber auch in nicht verkleidete Flächen aus.

Der kluge Mensch baut vor

Wer sein Haus noch nicht gedämmt hat, sollte Spechtattacken vorbauen: Wärmedämmverbundsysteme mit vollflächiger, glatter Faserzementplatten- oder Metallverkleidung lassen dem Specht keine Chance, bei schlagfesten Klinker- oder Natursteinverkleidungen beißt er auf Granit.

Vorgebaute, mit Dämmstoffen verfüllte Ziegel oder Hohlblocksteine wirken wie eine massive Wand. Und wer sein Haus erst bauen will, sollte über eine Massivbauweise gründlich nachdenken.

Doch egal, welche bauliche Maßnahme man als Spechtabwehr wählt: Eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung ist genau so wichtig wie die Beratung durch Fassadenfachleute.

Fassadenbegrünung - Kein Platz für den Specht

Spechte halten sich an Bäumen meist in Stammnähe oder an dickeren Ästen auf. Dichtes Strauchwerk meiden sie. Warum also die Fassade nicht mit Grün schützen? Bei der Dämmung von Gebäudewänden werden viele Fassadenbegrünungen entfernt. Wird die Hauswand danach wieder begrünt, findet ein Ausgleich statt – und dem Specht wird das Hacken verleidet.

Wand begrüne dich!

Kletterpflanze an einer Hauswand im Herbst | © Peter Bria © Peter Bria
Kletterpflanzen an der Hauswand helfen auch gegen Spechte

Fassadenbegrünungen sehen schön aus und bieten vielen Singvögeln einen Brutplatz. Schon die unbegrünten Rankhilfen können Spechte am Anflug der Fassade hindern – sie müssen dazu möglichst engmaschig sein. Geeignet sind Ranksysteme aus Draht, Edelstahlseilen und Spaliergittern.

Straffe Ranknetze aus Edelstahl sind eine ideale Spechtabwehr und werden von allen Kletterpflanzen schnell begrünt. Die Ranksysteme werden beim Aufbringen der Wärmedämmung tief in der Fassade verankert; die daran wachsenden Pflanzen belasten das Wärmedämmverbundsystem nicht.

Vorsicht jedoch bei allen Pflanzen, die mit Haftwurzeln oder ähnlichem direkt an der Wand klettern: Sie erreichen ein hohes Eigengewicht, das die Putzschicht vom Dämmmaterial herunterziehen kann. Efeu, Wilder Wein und Kletterhortensie scheiden als Begrünung gedämmter Wände deshalb aus. Empfehlenswert sind je nach Standort schnell und dicht wachsende Rankgehölze wie Schlingknöterich, Blauregen, Scharlachwein oder die Gemeine Waldrebe. 

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