Mehr Platz für den Spatz

Was Sie für den Spatz in Ihrer Nachbarschaft tun können

Dem Haussperling zu helfen und ihm das Leben zu erleichtern, ist gar nicht so schwer. Da er als Kulturfolger in direkter Nähe des Menschen lebt, konzentrieren sich unsere Vorschläge für Sie auf die Gestaltung von Gärten und Gebäuden in Städten und Dörfern.

Haussperling auf Ast | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Der Haussperling kommt häufig in Siedlungen vor.

Richten Sie in Ihrem Garten einen Bereich ein, wo Sie nur einheimische Sträucher, Stauden und Gräser pflanzen. Diese kleine Oase lockt viele Insekten an, die die Spatzen zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen. Im Herbst und im Winter ernähren dann die Samen von Wildstauden wie Akelei, Wiesenmargerite oder Großblütiger Königskerze die Vögel.

Bei Gebäudesanierungen oder Neubauten können Nischen und Mauerspalten eingerichtet werden. Hier kann der Spatz seine Nester bauen. Auch eine begrünte Fassade bietet gute Nistmöglichkeiten. Bäume und Hecken sind Rückzugsmöglichkeit, Nistplatz und ein Ort zum Überwintern. Mit allen Maßnahmen helfen Sie nicht nur dem Spatz, sondern auch einer Vielzahl anderer Tiere.

Mit Spatzen unter einem Dach

Haussperling sitzt auf einem Stein | @ Christoph Moning @ Christoph Moning

Der Haussperling, oder auch Spatz genannt, hat sich dem Menschen angeschlossen und nutzt die menschlichen Siedlungen. Egal ob Nistplätze, Nahrung oder Feindvermeidung, alles wird ihm in menschlichen Gebäuden geboten. Hinzu kommt, dass er ein Allerweltsvogel ist. Auf allen Kontinenten dieser Erde ist er heimisch geworden, meist mit Hilfe des Menschen, der ihn bewusst und unbewusst in die neuen Länder eingeführt hat. Allerdings wurde er auch lange als Schädling, Korndieb und frecher Spatz verfolgt und bekämpft.

Der Spatz begleitet den Menschen als so genannter Kulturfolger seit über 10.000 Jahren. Dennoch wird er heutzutage kaum beachtet. Es ist fast unbemerkt geblieben, dass der Haussperling in den letzten Jahren vielerorts verschwunden ist.

Auch wenn der Haussperling viel seltener als andere Singvögel Objekt wissenschaftlicher Untersuchung gewesen ist, lässt sich folgendes festhalten: Nach einem Massenauftreten zu Beginn des letzten Jahrhunderts und starker Verfolgung bis in die 50er Jahre beobachten Fachleute seit einigen Jahren einen deutlichen Rückgang der Vorkommen.

Intelligent und "frech"

Haussperling sitzt auf einem Seitenspiegel eines Autos | @ Zdenek Tunka @ Zdenek Tunka
Frecher Spatz.

Der Sperling ist nicht zu unterschätzen. Er findet jede Lücke in einem Gebäude und nutzt die kleinsten Nischen. Darum tut man sich schwer, die Tiere auf Dauer zu vertreiben, außer man riegelt ein Gebäude hermetisch ab. Dies ist aber in der Landwirtschaft nicht durchführbar, da man den Nutztieren Licht und Luft zur Verfügung stellen möchte.

Auch in den meisten Futterlagern ist auf eine gute Lüftung zu achten. Somit ist eine Verhinderung des Sperlingseinfluges oft nur schwer realisierbar. Im Volksmund heißt es deshalb "frecher" Spatz.

Der Spatz als Nützling

Haussperling sitzt im Gras | @ Zdenek Tunka @ Zdenek Tunka
Der Spatz ein biologischer Schädlingsbekämpfer.

Im Frühling, wenn Familie Sperling Junge zu versorgen hat, kann man die Eltern sehr gut bei der Nahrungssuche beobachten. Da werden die Blätter der Büsche und Sträucher abgesucht, im Stall die liegenden Rinder und die Aufstallung, oder das gemähte Gras akribisch abgelaufen. „Was sucht er nur?“, wird sich schon so mancher Landwirt gefragt haben.

Junge Sperlinge benötigen zum Wachsen Proteine und diese bekommen sie am besten durch Insekten. So suchen die Eltern Fliegen, Käfer und Grashüpfer und tragen somit erheblich zur biologischen Schädlingsbekämpfung bei. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Samen und Körnern, wobei das Getreidelager für sie natürlich ein Schlaraffenland darstellt. Das Futter ist fertig serviert und in großen Mengen vorhanden.

In der freien Natur ernähren sie sich von Gras- und Kräutersamen, aber auch Brotkrumen werden gerne genommen.

Riesenspaß im Dreck

Haussperling liegt auf dem Boden | @ Monika Graf @ Monika Graf
Spatzen lieben Sandbäder.

Viele Vögel baden gerne im Wasser, aber Spatzen lieben auch Sandbäder. Wer diese Leidenschaft unterstützen möchte, stellt ein künstliches Sandbad neben seine Vogeltränke. Der Riesenspaß im Dreck hat nämlich eine hervorragende säubernde Funktion. Die feinen Sandkörner dringen zwischen das Gefieder und entfernen so unliebsame Parasiten. Zum Errichten einer Sandbadestelle hebt man eine Mulde aus, die mit Sand verfüllt wird.

Achten Sie bitte darauf, dass sich kein Humus unter dem Sand befindet, da sonst die Vegetation den kleinen Badeplatz schnell zurückerobern wird. Als Alternative eignet sich auch ein großer, mit Sand gefüllter Blumenuntersetzer.

Tipps: So können Sie den Spatzen helfen

Nistmöglichkeiten

"Mehr Platz für den Spatz" kann der Mensch selbst in modernen Siedlungen schaffen. Bei Gebäudesanierungen sollten an geeigneter Stelle Nischen und Mauerspalten erhalten werden. Diese benötigt der Haussperling nämlich für den Nestbau. Möglicherweise kann man bei der Planung der Sanierungsmaßnahme bereits Nisthilfen berücksichtigen. Weitere Nistmöglichkeiten für Spatzen und andere Vögel können auch durch begrünte Fassaden geschaffen werden. Ein gutes Beispiel übrigens dafür, dass bessere Bedingungen für "Nachbar Spatz" auch das Wohnklima für den Menschen verbessern können.

Naturnahe Gärten

Heimische Stauden und Sträucher sind die Grundlage eines Gartens, der auch für Spatzen attraktiv ist. Die Pflanzen locken Insekten und Kleintiere an, die Spatzen und andere Vögel zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen. Orientieren Sie sich bei der Planung eines naturnahen Gartens ruhig an traditionellen Vorbildern. Wildstauden und Gräser bilden mit ihren Samen eine Nahrungsgrundlage für viele körnerfressende Vögel.

Konfliktösungen

  • Anbringen von Kotbrettern: Brüten Sperlinge in Gebäuden, in denen Futtermittel gelagert werden, besteht die Gefahr der Verunreinigung dieser Futtermittel. Sind die Nester von unten gut zugänglich, bietet es sich an, Kotbretter wie bei Rauchschwalben anzubringen. Diese verhindern ein Herunterfallen des Kots und von Nistmaterial. Am besten eignen sich dazu Edelstahlplatten, die regelmäßig (1 x pro Jahr) gereinigt werden sollten.
  • Anbringen alternativer Nisthilfen: Sind die Nester von unten nur schwer zu erreichen, besteht die Möglichkeit, alternative Nistplätze anzubieten. Diese sollten außerhalb des Gebäudes angebracht sein. Die beste Seite ist die Ostseite des Gebäudes. Die Sperlinge werden bei richtiger Anbringung diese Nester beziehen und die Nester innerhalb der Gebäude verlassen. Die alternativen Nester können selber gebaut oder im Handel gekauft werden. Dort erhält man auch Kotbretter, die man unter den Nestern anbringen kann, um eine Verschmutzung der Wand zu vermeiden.
  • Zugänge mit Windbrechnetzen versperren: In Lager-Gebäuden, in denen Futtermittel wie Getreide oder Mais gelagert werden, sind oft Schwärme von Sperlingen zu beobachten, die sich an den Futtermitteln gütlich tun. In solchen Gebäuden lässt sich der Einflug dadurch verhindern, dass man an allen Lüftungsöffnungen Windbrechnetze anbringt. Dadurch kann Luft ins Lager eindringen, aber keine Sperlinge. Bei älteren Gebäuden kann dies sehr aufwändig sein, aber dafür ist dieser Schutz lange haltbar und man vermeidet bei Tier und Mensch Stress. Zusätzlich sollte sichergestellt werden, dass große Türen möglichst sofort wieder geschlossen werden.

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