Gesetz erlaubt Vogelfütterung am Balkon

Bis auf Stadttauben sind alle zur Futterstelle eingeladen

Die meisten Menschen freuen sich über regen Vogel-Flugbetrieb am Balkon. Doch zwischen Mieter, Vermieter und Nachbarn kann die Fütterung am Balkon auch zu Problemen führen. Hier finden Sie alle Informationen, was Sie für ein gutes Miteinander mit den Menschen im Haus und für die Vögel an Ihrem Balkon tun können.

Kohlmeise und Schwanzmeise an einem Energiekuchen | © Fritz Junghans © Fritz Junghans
Kein "vertragswidriger Zustand": Vögelfütterung am Balkon

Es ist erlaubt, Vögel am Balkon zu füttern, z.B. durch Aufhängen von Futtergeräten, mit einem Futterhäuschen oder durch Ausstreuen von Futter für Singvögel auf Fensterbänken. Gefüttert werden dürfen alle Singvögel außer Tauben. Das hat das Landgericht Berlin entschieden. Denn Vogelkot auf Balkon und Terrasse sei ohnehin nicht zu vermeiden. Vögel zu füttern ist damit kein sogenannter "vertragswidriger Zustand" und kann vom Vermieter nicht beanstandet werden. Es darf auch kein Grund für eine Mietminderung sein. Die Berliner Richter begründen dies damit, dass das Füttern von Vögeln weit verbreitet ist. Es überschreitet nicht die Grenzen des vertragsgemäßen Gebrauchs der gemieteten Wohnung und ist daher erlaubt. Das gilt aber nur solange es nicht zu übermäßig starker und gesundheitlich bedenklicher Verschmutzung kommt. Daher bleibt das Füttern von Tauben weiterhin verboten.

Kein Zutritt für Tauben

Straßentaube sitzt am Rand eines Brunnens und badet | © Anne Schneider © Anne Schneider
Stadttaube beim Bad

Tauben gehören zu unserem Stadtbild und sind nicht daraus wegzudenken. Die Fütterung von Stadttauben ist jedoch aus Tierschutz- und Hygienegründen nicht sinnvoll. Denn der Kot der Tauben beinhaltet Krankheitserreger wie Bakterien, Hefen und Pilze, die durch das Ausscheiden in der Luft frei gesetzt werden und vom Menschen durch die Atemwege oder oral aufgenommen werden können. Zudem können Tauben von Parasiten (z.B Milben) oder Zecken befallen sein. Darüber hinaus ist der Kot ätzend, was die Fassaden von Gebäuden schädigen kann.

Vor allem in Großstädten gibt es ein hohes Futterangebot, das den von der wildlebenden Felsentaube (Columbia livia) abstammenden städtischen Tauben erlaubt ganzjährig zu brüten und sich stark zu vermehren. Dadurch kommt es zu einer Knappheit an Nistplätzen und teils auch an Futter. Außerdem treten vermehrt Krankheiten bei den Tieren auf. Schränkt man das Futterangebot ein, so sinkt der Taubenbestand auf eine sozusagen natürliche Populationsgröße. Diese ist wichtig für einen gesunden Bestand der Art. Denn aus einer zu hohen Dichte an Stadttauben und ihrer menschen-nahen Lebensweise entstehen Hygieneprobleme. So ist der Kot von Tauben nicht grundsätzlich reicher an Krankheitserregern als von anderen Vögeln. Auch andere Vögel können von Parasiten (Läusen, Flöhe,...) befallen sein, die auf den Menschen übergehen können. Die Problematik mit den Tauben resultiert durch die großen Gruppen und den lokal hohen Mengen an Vogelkot oder Parasiten.

Das gleiche gilt für Schäden an Hausfassaden: Alle Vögel scheiden Harnsäure aus. Durch Scharen von Tauben kann nun aber lokal so viel Vogelkot an Fassaden kleben bleiben, dass es je nach Fassadentyp zu Schäden durch die Harnsäure kommen kann.

Um Gefahren zu verhindern oder vorzubeugen kann jede Gemeinde ein Taubenfütterungsverbot erlassen. Die Taubenfütterungsverbote der Städte Nürnberg und München sind hier als PDF einzusehen: Nürnberg, München. In München wird außerdem das sogenannte "Augsburger Konzept" (= stadtverträglicher Taubenbestand durch Taubenschläge) umgesetzt. Der Flyer ist hier als PDF-Download verfügbar: Umweltinformation Stadttauben

Fernhaltetaktik für Tauben

Berg- und Grünfinken sitzen an einer Futtersäule, die durch ein Drahtgestell geschützt ist | © Vivara © Vivara
Mit speziellen Gestellen kann man Tauben von Futtersäulen fernhalten

Um Tauben von der Futterstelle fernzuhalten, können Sie spezielle Futterhäuschen mit engen Zugängen, Futtersilos, auf deren Sitzstangen Tauben zu wenig Platz finden, oder hängende Meisenknödel verwenden (LBV-Shop).

Klassische Futterhäuschen können mit einem Maschendraht (Maschenweite 40x40 oder 50x50) umgeben werden. So können nur kleinere Vögel an das Futter gelangen.

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