Totholz - Ein Ort voller Leben!

Ob als Versteck für Igel und Erdkröten oder Brutstätte für Käfer - mit abgestorbenem Holz, Wurzeln und Astschnitt schaffen Sie wertvolle Lebensräume im Garten. Doch dabei gilt es einiges, zu beachten

Totholz liegt aufgeschichtet auf einer grünen Wiese | © Birgit Helbig © Birgit Helbig
Der nicht alltägliche, öffentliche Totholzgarten der Stadt Schwabach in Mittelfranken ist ein wertvoller Lebensraum.

Überall wird abgestorbenes Holz umgehend entfernt und „aufgeräumt". Doch für den Igel, tausende von Insekten und andere wirbellose Tiere, für Pilze, Flechten, Moose und Algen ist Totholz Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich.

Aufgrund der forstlichen Intensivnutzung ist Totholz in unseren Wäldern vielerorts leider selten geworden. Viele Lebewesen, die auf Totholz als Lebensraum angewiesen sind, sind vom Aussterben bedroht. So leben in Deutschland etwa 6000 Käferarten. Rund 1350 leben in Holz, viele davon benötigen für ihre Entwicklung bereits abgestorbene Bäume und Material, das von Bakterien und Pilzen bereits in seine Bestandteile zersetzt wird.

Zumindest einige davon können wir in unseren Gärten heimisch machen.

Schutz, Nistmöglichkeit und Nahrungsquelle in einem

Gartenrotschwanz sitzt in einer Baumhöhle und hat Insekten im Schnabel | © Markus Gläßel © Markus Gläßel
Viele Vögel wie z.B. Gartenrotschwänze nutzen gern alte Baumhöhlen als Nistmöglichkeit

Neben Insekten und Pilzen finden auch viele Vögel, Kröten, Eidechsen oder auch Blindschleichen im undurchdringlichen Dickicht eines Totholzgartens Schutz, aber auch reichlich Nahrung in der beim natürlichen Abbau des Holzes entstehenden Mulmschicht.

Auch der Igel, dem im LBV-Projekt „Igel in Bayern" unser besonderes Augenmerk gilt, nutzt gerne dichte Asthaufen oder hohle Baumstämme als Schlaf- und Winterquartier und geht hier auf Nahrungssuche. Die Insekten nutzen Holz zwar vorwiegend im Larvenstadium als Nahrungsquelle.

Totholz spielt für sie aber auch als Wohnraum eine wichtige Rolle. Dies ist außer bei Käfern zum Beispiel bei verschiedenen Ameisenarten oder Wildbienen der Fall, die ihre Gänge im Holz anlegen. In ihren verschiedenen Entwicklungsstadien sind sie ein Leckerbissen für Igel, Amphibien und Reptilien, aber auch für Vögel wie die Amsel, die man im Garten gut beim Herumstochern im Mulm beobachten kann.

Abgestorbene, stehengebliebene (Obst-) Baumstämme werden gerne von Kleibern und Spechten auf Nahrungssuche besucht und können wertvolle Nistmöglichkeiten in Astlöchern bieten

Viele verschiedene Arten und Formen von Totholz

Goldglänzender Rosenkäfer | © Herbert Henderkes © Herbert Henderkes
Die Larven des prächtig schillernden Rosenkäfers entwickeln sich in Holzmulm

Totholz umfasst nicht nur Asthaufen oder -wälle, sondern auch liegende oder stehende Baumstämme, Holzstapel, alte unbehandelte Balken aus Abbrüchen, Baumstümpfe, Wurzeln usw.

Je nach Lage - ob sie im Schatten, unter der Hecke, in der Sonne, in Wiesen oder an und in Gewässern liegen - stellen sich andere Besucher ein.

Besonders Astschnitt lässt sich im Garten auf vielfältige, auch dekorative Weise gut einbauen. Zum Beispiel als natürlicher Sichtschutz. Und Gartenbesitzer sparen sich den mühsamen Gang zum Grüngutcontainer.

Große Totholzwälle werden auch gerne als Nistmöglichkeit, z.B. vom Zaunkönig angenommen. Zudem kann immer wieder neues Material aufgeschichtet werden, denn die Haufen setzen sich im Zuge des Abbauprozesses.

Vorsicht: Gefahr durch Feuer

Nicht nur in Brennholzstapeln, sondern besonders bei lange Zeit im Voraus aufgeschichteten Oster- oder Sonnwendfeuern kommen jedes Jahr unzählige Tiere, wie z.B. schlafende Igel oder Erdkröten, zu Tode, die sich im Holz angesiedelt haben.

Daher immer direkt vor dem Entfachen des Feuers am besten noch einmal den gesamten Stapel umschichten oder ganz frisch aufsetzen und den Tieren so eine Fluchtmöglichkeit geben.

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Einfach mal liegen lassen

Besonders wichtig ist es, das Totholz über viele Jahre hinweg liegen zu lassen, damit die natürlichen Zersetzungsprozesse in allen Stadien, bis hin zur Mulm- und Humusbildung ablaufen können.

Denn gerade die Stadien des Zerfalls sind für die Bewohner von allergrößtem Wert. Ein Brennholzstapel ist deshalb noch kein Totholzhaufen, da er nach einer gewissen Zeit abgetragen und verbrannt wird - und leider auch mit ihm alle darin wohnenden Larven.

Ein Reisighaufen, der nur über den Winter liegen bleibt, ist zwar gut als Winterquartier für den Igel geeignet, lässt aber nicht ansatzweise die Vielfalt eines „echten" Totholzlebensraumes zu.

Wie so oft im Garten gilt daher auch hier: Weniger „Ordnung" bedeutet mehr Leben

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