Bachapfel und Olivenbirne

Alte Obstbaumsorten im Garten

Alte und regionale Obstsorten sind ein Teil unserer Artenvielfalt. Doch vielerorts sind sie schon verschwunden. Im Garten kann jeder den fast vergessenen Raritäten neuen Platz gewähren und so Biologische Vielfalt und jahrhundertealtes Kulturgut bewahren.

Eine Streuobstwiese, auf der ein Schuppen umgeben von blühenden Obstbäumen steht. | © Thomas Staab © Thomas Staab
Alte Obstbaumsorten sind weniger krankheitsanfällig

Die Sortenvielfalt nimmt ab

Apfelbaum auf einer Streuobstwiese | © Thomas Staab © Thomas Staab
Die heutige Sortenvielfalt erscheint bescheiden im Vergleich zu der Vielzahl an Apfelsorten, die noch vor 150 Jahren zu sehen war.

Die Buchleite, ein Naturschutzgebiet im mittelfränkischen Markt Berolzheim: Hier und in umliegenden Gemeindegebieten findet man noch alte, regionale Obstsorten wie den Gestreiften Bachapfel, der bereits um 1650 bekannt war, oder die Olivenbirne. Sie sind zwei von über 90 Apfel- und über 40 Birnensorten, die auf den Magerrasen der Streuobstwiesen wachsen.

Diese Sortenvielfalt erscheint aber bescheiden im Vergleich zu den 1.395 Apfelsorten, die im Jahr 1860 anlässlich einer Obstausstellung im nahe gelegenen Ansbach zu sehen waren.

Ganz zu schweigen vom Sortiment, das uns Supermärkte heute bieten: ein halbes Dutzend Apfelsorten, die auf kommerziell- industrielle Parameter wie die Eignung zum Anbau in Plantagen, perfekte Optik und eine lange Lagerfähigkeit optimiert sind. Diese Sorten werden weltweit angebaut und verkauft. Die Robustheit der Bäume und der Geschmack der Früchte spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Regionale und alte Sorten bieten viele Vorteile

Reife Äpfel hängen zahlreich an einem Baum. | © Thomas Staab © Thomas Staab
Alte oder wilde Obstsorten können häufig sogar von Allergikern problemlos verzehrt werden

Dabei schlummert in Nutzpflanzen ein riesiges genetisches Potenzial, das es für die Zukunft zu retten gilt. Regionale und alte Sorten haben sich im Lauf der Jahrhunderte sehr gut an ihren jeweiligen Lebensraum, die Temperatur, Niederschlagsmengen und Bodenbeschaffenheit angepasst.

Durch die früher praktizierte standortorientierte Auslese sind die Pflanzen weniger krankheitsanfällig und für den naturnahen Garten viel besser geeignet als standardisierte Neuzüchtungen. Diese hingegen benötigen oft mehr Pflege, um im Garten überhaupt Fuß fassen zu können. Allergiker stellen zudem häufig fest, dass sie bestimmte alte oder wilde Obstsorten ohne Probleme verzehren können.

Im Garten können Sie diese positiven Eigenschaften bei Ihrer Auswahl nutzen. Zugleich leisten Sie einen Beitrag zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt, der Biodiversität und eines wertvollen Kulturgutes. Es gibt Sorten, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückdatieren lassen. Oft waren es Zufallssämlinge, die dann aufgrund ihrer positiven Eigenschaften und ihres guten Geschmacks weiterkultiviert wurden.

Obstbäume verschwinden aus den Gärten

Ein Großer Fuchs (Schmetterling) sitzt auf einem Blatt. Er ist orange gefärbt mit schwarzen Flecken. | © Petra Altrichter © Petra Altrichter
Der Große Fuchs ist ein typischer Bewohner offener Waldlandschaften und kommt auch auf Streuobstwiesen und in Obstgärten vor.

Waren Obstbäume noch bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein vertrautes Bild in den ländlichen Siedlungen Bayerns und unterstützten die Selbstversorgung, werden sie heute im „modernen“ Hausgarten selten gepflanzt. Noch vorhandene Bäume sind oft überaltert und werden gefällt. Allzu oft stirbt mit solch einem Altbaum eine ganze Sorte, der Lebensraum vieler Insekten, Vögel und anderer Gartenbewohner war.

Initiativen zur Wahrung alter Baumsorten

Initiativen wie das Streuobstwiesenprojekt Zuchering der LBV-Kreisgruppe Ingolstadt tragen daher maßgeblich zum Erhalt dieser ökologisch besonders wertvollen Kulturlandschaften bei. Ferner gibt es mittlerweile viele Projekte zum Erhalt alter Obstbaumsorten sowie spezialisierte Baumschulen, wo Sie alte Baumsorten gezielt bestellen können.

Grundsätzlich sollten Sie beim Kauf regionale Sorten bevorzugen, auch wenn diese oft schwerer zu bekommen sind. Da Naturfreunde gerne Hochstämme pflanzen, muss zudem ausreichend Platz im Garten eingeplant werden. Die Kreisfachberatungen oder LBV-Kreisgruppen sind bei der Suche gerne behilflich.

Pflanzentipps

  • Die beste Pflanzzeit ist der Herbst, dann ist auch die Auswahl der Baumschulen am größten.
  • Wählen Sie den Pflanzort mit ausreichendem Abstand zu anderen Gehölzen und Gebäuden. Die Bäume können recht groß werden.
  • Die Pflanzen vor dem Einsetzen immer erst einige Stunden in einen Kübel mit Wasser stellen.
  • Immer mit dem stabilen Baumpfahl setzen, so wird verhindert, dass in der Anwachsphase die feinen Wurzeln bei Wind abreißen.
  • Bei Wühlmausgefahr an einen geeigneten Wurzelschutz (Pflanzkorb aus Draht) denken.
  • Nach der Pflanzung die Triebe einkürzen (Pflanzschnitt).

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