Pflanzliche Neubürger

Ambrosia an einem Haus | © Sascha Helbig © Sascha Helbig
Typische Ambrosia-Pflanze

In Zeiten von Klimawandel, Globalisierung und weltweitem Tourismus steigt der Strom an Pflanzen und Tierarten, die bei uns Fuß fassen können. Das ist nicht immer eine Bereicherung der biologischen Vielfalt, sondern birgt auch Gefahren für die menschliche Gesundheit oder die heimische Pflanzenwelt. Die bekanntesten Beispiele dafür sind Riesenbärenklau, Indisches Springkraut, Goldrute, Sachalin-Knöterich und Ambrosie. Ambrosia-Pollen gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern überhaupt. Neben Heuschnupfen und Asthma kann die Pflanze bei Berührung auch allergische Hautreaktionen hervorrufen. Darum sollten Ambrosia-Pflanzen bekämpft und größere Bestände gemeldet werden. Das Problem: Ambrosia wird auch über Vogelfutter verbreitet. Sie können helfen, die weitere Ausbreitung einzudämmen, indem Sie Ambrosia-Pflanzen im Sommer entfernen. Und indem Sie darauf achten, nur ambrosiafreies Vogelfutter zu verfüttern. Gerade billige Futtermittel enthalten die gefährlichen kleinen Samen, doch auch Futter mit dem Label "Ambrosia controlled" hält nicht, was es verspricht. Das zeigte eine Untersuchung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Mit der Blütezeit der Ambrosie stehen Allergikern schlimme Zeiten bevor. Nun beginnt auch wieder die Diskussion um die Gefahren durch pflanzliche Neubürger (Neophyten). Damit bei möglichen Problemarten frühzeitig gehandelt werden kann, hat der LBV zwei Pflanzenlisten erarbeitet, die aktuelle und zukünftige pflanzliche Gefahren zeigen.

Vorwarnliste

Eine Vorwarnliste beinhaltet Arten, die in Bayern aktuell noch nicht oder nur ganz selten vorkommen, in den Nachbarländern oder –staaten aber schon problematisch sind. Die Vorwarnliste zeigt vor allem den dringend notwendigen Bedarf des Aufbaus eines Frühwarnsystems. So sollen z.B. Botaniker bei ihren Streifzügen besonders auf die Arten der Vorwarnliste achten, so dass sie eventuell schnell bekämpft werden können. Bei der Einrichtung eines solchen Frühwarnsystems wird sich der LBV mit seinen Pflanzenexperten beteiligen. Die Liste ist offen, da sich immer wieder neue Arten bei uns einfinden.

Schwarze Liste

Eine „Schwarze Liste“ zeigt die Arten, die in Bayern aktuell schon als Problemart identifiziert sind. Die Listen enthalten eine Einschätzung des Invasions- und Verdrängungspotenzials. So besteht eine sehr einfache, pragmatische Einschätzung, welche Arten für Mensch und Natur gefährlich werden könnten.

Versachlichung der Diskussion

Mit der konkreten Benennung der problematischen Arten erhofft sich der LBV auch eine Versachlichung der Diskussion um die pflanzlichen Neubürger. „Hier geht es nicht um eine Verteufelung alles Fremden oder ob die Neubürger nun gut oder böse sind,“ sagt Bernd Raab, Botaniker beim LBV. Mit den Listen liege vielmehr ein Instrument vor, hauptsächlich die aus Naturschutzsicht problematischen, invasiven Arten zu finden. „Denn eines ist klar,“ so Raab weiter, „viele Arten, die heute für den Naturschutz bedeutsam sind, etwa Klatschmohn oder Kornblume, waren einst Neubürger.“ Die Listen sollen allen zur Verfügung gestellt werden, die mit invasiven Arten zu tun haben können: Naturschutzbehörden, Gartenbau- und Straßenbauämter, Garten- und Landschaftsbaubetriebe, Gartenbesitzer u.s.w.

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