Die Amsel stürzt ab

Zwischenbilanz der Stunde der Gartenvögel: Trockenheit 2018 Schuld am schlechten Bruterfolg der Amsel

Nach dem Eingang von bereits mehr als einem Viertel der bayerischen Meldungen steuert die „Stunde der Gartenvögel“ in diesem Jahr auf eine neue Rekordteilnahme zu. Ein erstes Zwischenfazit der bayerischen Vogel-Charts zeigt: Die Anzahl der beobachteten Vögel hat sich im Vergleich zum letzten Jahr immerhin nicht noch weiter verringert und bleibt somit auf dem weiterhin zu niedrigen Niveau der Vorjahre.

Amsel ist in einem Baum mit Blüten | © Maria Bauer © Maria Bauer
Die Amsel war bisher immer auf dem zweiten Platz, heuer rutscht sie auf den vierten

Zu den großen Verlierern zählt in diesem Jahr vor allem die Amsel, die zum ersten Mal nicht der am zweithäufigsten beobachtete Gartenvogel in Bayern ist. Auf der anderen Seite fliegt das Rotkehlchen auf ein historisch gutes Ergebnis zu.

Teilnehmende können uns ihre Beobachtungen vom Wochenende noch bis zum 20. Mai per Post, Fax oder online mitteilen unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de

Dürre 2018 und Usutu-Virus für Rückgang von Amseln verantwortlich

Amsel füttert Jungvogel | © Verena Leise © Verena Leise
Die Dürre 2018 und das Usutu-Virus könnten für die Dezimierung der Amseln verantwortlich sein

Parallel zum steigenden Bewusstsein der Bevölkerung für den Artenschutz in Bayern, beteiligen sich in diesem Jahr noch mehr Naturfreunde an der beliebten LBV-Mitmachaktion als bisher.

Viele Menschen, die durch das erfolgreiche Volksbegehren für mehr Artenvielfalt auf die bedrohliche Situation der Natur im Freistaat aufmerksam geworden sind, scheinen sich jetzt auch zu den zahlreichen begeisterten Vogelfreunden der vergangenen Jahre zu gesellen.

In den vergangenen Jahren der Mitmachaktion hatte die Amsel den zweiten Platz abonniert. Auch wenn sie noch in nahezu jedem Garten beobachtet wird, so ist die Anzahl der Amseln in diesem Jahr zurückgegangen.

Derzeit ist sie sogar auf die vierte Position abgerutscht. Hauptverantwortlich für den Rückgang dürfte die Dürre 2018 und der damit verbundene schlechte Bruterfolg sein, da die Vögel im trockenen Boden nicht mehr genügend Regenwürmer für die Aufzucht ihrer Jungen finden konnten.

In manchen Regionen kam der für Amseln tödliche so genannte Usutu-Virus noch hinzu, der im Vorjahr im Freistaat in einigen Gebieten nachgewiesen wurde.

Feldsperling häufiger in Bayerns Gärten, Rotkehlchen zum ersten Mal in der Top Ten

Zwei Feldsperlinge sitzen sich auf einem Ast gegenüber | © Kurt Metz © Kurt Metz
Feldsperlinge werden nun schon in jedem zweiten Garten beobachtet

Der häufigste Gartenvogel in Bayern ist zwar immer noch der Haussperling (1.), was jedoch nicht bedeutet, dass es dem Spatzen im Freistaat bessergeht. Er kommt schon seit einigen Jahren nur noch in zwei Drittel der bayerischen Gärten vor.

Aufgrund des Rückgangs der Amsel ist der Feldsperling (2.) nun sogar auf den zweiten Platz vorgerutscht. Der Verwandte des Spatzen findet auf den ausgeräumten Feldern nicht mehr genügend Nahrung und kommt deshalb vermehrt in den Siedlungsraum.

Vor sechs Jahren lediglich in jedem fünften Garten zu sehen, wird der Feldsperling jetzt schon in jedem zweiten Garten beobachtet. Derzeit liegt der Star (3.) als Dritter sogar noch knapp vor der Amsel (4.). Auf Rang fünf folgt wie schon im Vorjahr die Kohlmeise (5.).

Im Höhenflug befindet sich in diesem Jahr das Rotkehlchen. Zum ersten Mal hat es der fleißige Sänger in die Top Ten der am häufigsten beobachteten Gartenvögel in Bayern geschafft. In der Hälfte aller Gärten wurde das Rotkehlchen deutliche häufiger gezählt als im Vorjahr.

Da gerade die Männchen der Rotkehlchen sehr territorial sind und keine Konkurrenten im Revier zulassen, zeigt uns die erfasste Schwarmgröße von durchschnittlich 1,6 Vögeln pro Garten, dass unsere Teilnehmer sehr genau zählen. Eine Erklärung für den positiven Trend kann sein, dass der vor allem am Boden jagende Insektenfresser im milden Winter offensichtlich reichlich Nahrung fand und dementsprechend geringe Verluste hatte.

Wiedehopf-Paar in Mittelfranken gesichtet

Wiedehopf in einer grünen Wiese mit Nahrung im Schnabel | © Markus Gläßel © Markus Gläßel
Wiedehopfe sind in Bayern selten geworden

Zu den Besonderheiten in diesem Jahr gehört bisher ein beobachtetes Wiedehopf-Paar bei Absberg in Mittelfranken. Der in Bayern vom Aussterben bedrohte Vogel hat in den letzten Jahren nur ganz vereinzelt und unregelmäßig im Freistaat gebrütet.

Das erste Zwischenergebnis ist noch mit etwas Vorsicht zu interpretieren. Die Stunde der Gartenvögel ist kein Wettrennen zwischen Vogelarten, sondern soll ein möglichst genaues Bild der Vogelwelt im Augenblick aufzeigen. Interessant sind die Entwicklungen der einzelnen Vogelarten über einen längeren Zeitraum und ihre Gesamtentwicklung.

Im vergangenen Jahr hatten über 9.000 bayerische Vogelfreunde bei der Stunde der Gartenvögel Plus in Bayern mitgemacht und aus über 6.500 Gärten insgesamt fast 210.000 Vögel gemeldet. Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der „Stunde der Wintervögel“ handelt es sich damit um Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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