Wo bleiben unsere bayerischen Mauersegler?

Bedrohte Flugkünstler auf Rückweg aus Überwinterungsgebieten

Auch wenn die Temperaturen gerade nicht besonders sommerlich sind, kehren die fliegenden Sommerboten aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten nach Bayern zurück. In ihren Brutgebieten angekommen, werden die Flugkünstler jedoch gleich mit zwei Problemen konfrontiert.

Sieben Mauersegler fliegen im Schwarm am Himmel | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Mauerseglerschwarm

Den reinen Insektenfressern macht nicht nur der zunehmende Insektenmangel schwer zu schaffen, als Gebäudebrüter mangelt es ihnen zunehmend auch an geeigneten Nistplätzen. Seit 2016 sind die Mauersegler deshalb in der Roten Liste bayerischer Brutvögel sogar in der Kategorie „gefährdet“ eingestuft.

Bayerische Städte müssen wieder naturnaher werden

Mauersegler im Flug | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Insekten. Bereits die Küken werden ungefähr einmal pro Stunde mit einer haselnussgroßen Futterkugel aus Insekten gefüttert. Durch aufgeräumte Gärten, exotische Zierpflanzen und Spritzmittel gibt es im Umfeld der Gebäudebrutplätze immer weniger Insekten in der Luft, dem sogenannten Luftplankton, für die rasanten Flugjäger.

Die Mauersegler müssen dadurch weite Strecken fliegen, um die hungrigen Schnäbel ihrer Küken zu füllen. Das kostet Zeit, und die ist während der Brutsaison äußerst knapp. So gelingt es ihnen immer seltener, alle Küken großzuziehen.

Um den Vögeln wieder eine gute Nahrungsgrundlage zu bieten, müssen die bayerischen Städte naturnaher werden. Eine gute Möglichkeit, um die Biodiversität auf städtischen Grünflächen zu erhöhen, ist die Vielschnittrasen in Blumenwiesen mit heimischem Saatgut umzuwandeln – und sieht noch dazu schön aus!

Auch in Privatgärten und auf Balkonen lässt sich viel für die Insekten- und damit auch die Vogelwelt tun. Ideal sind heimische Stauden, deren Fruchtstände über den Winter stehen bleiben. Viele Sämereien fressende Vögel haben so lange Zeit etwas zu fressen und die Insekten einen möglichen Überwinterungsplatz. Kleine Totholzecken und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel fördern ebenfalls die Vielfalt.

Suche nach neuen Brutplätzen kostet zu viel wertvolle Zeit

Mauerseglerturm in der Natur | © Marcel Fröhlich © Marcel Fröhlich
Ein Mauerseglerturm kann eine Alternative zu Nischen in Gebäuden bieten

Neben der erschwerten Futtersuche kämpfen Mauersegler auch mit der Suche nach einem geeigneten Brutplatz. Die wendigen Flieger brüten in kleinen Nischen hoch oben an Gebäuden. Werden diese Hohlräume verschlossen, verlieren die ortstreuen Vögel ihren Brutplatz oder sogar die Brut.

Der Mauersegler verbringt nur etwa drei Monate im Jahr in Bayern. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre alten, angestammten Brutplätze jährlich wiederbenutzen können. Da die Suche nach Alternativen wertvolle Zeit kostet, stehen Mauerseglerbrutplätze nicht zuletzt auch deshalb ganzjährig unter Schutz.

Ein weiteres Problem: die energetische Außenhülle vieler Neubauten bietet den Mauerseglern kaum Unterschlupf. Wir empfehlen daher, dass bereits bei der Planung von Gebäuden Quartiere für Gebäudebrüter berücksichtigt werden. Es ist wichtig, dass auch andere Städte dem Münchner Vorbild folgen und Gebäudebrüternistplätze an Neubauten verbindlich vorschreiben.

Unterstützung bekommen die Gebäudebrüter durch das vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte LBV-Projekt „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“, das sich intensiv für die Belange gebäudebrütender Vogelarten einsetzt.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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