Jahresbericht der Vogelstation Regenstauf 2017

Mit 816 Vögel so viele wie noch nie aufgenommen

Eine Taube auf dem Titelbild! Unspektakulär, aber ein Sinnbild für unsere Arbeit, deren Ziel stets die Wiederauswilderung ist. Und wir kümmern uns auch um (Stadt-)Tauben und lassen diese, wenn möglich, wieder aus. Jedoch stehen Tauben auch für eine andere Seite unserer Arbeit, denn gerade im Frühjahr und in den letzten Wochen haben wir auch sehr, sehr viele Tauben bekommen. Autor: Ferdinand Baer

Straßentaube fliegt von einer Hand weg, im Hintergrun sieht man das Banner mit dem Wort "Vogelstation" | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer
Auch Tauben werden in der Station abgegeben und in der Station versorgt

Leider werden wir gerade bei diesen oftmals recht unfreundlich darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns jetzt sofort um die Tiere kümmern müssten, was aber im Rahmen un-serer ehrenamtlichen Tätigkeit nicht immer möglich ist. Manche Finder empfinden es als unzumutbar, wenn wir sie bitten, das Tier nach einem Scheibenanflug in einen Karton zu setzen und selbst mit Wasser sowie Futter zu versorgen, bis wir das Tier aufnehmen können.

Dies offenbart einen gewissen Trend: immer mehr Leute wollen die Verantwortung für die Tiere umgehend abgeben.  Dazu sind wir grundsätzlich bereit und sind selbst Abends noch erreichbar. Und so haben wir im Jahr 2017 erneut einen Rekord aufgestellt: mit 816 Vögeln haben wir so viele Tiere wie noch nie aufgenommen!

Rekordaufnahme trotz Vogelgrippe

Kuchendiagramm der Vögel, die 2017 in der Vogelstation Regenstauf abgegeben wurden: 53% Sinvögel, 16 % Greifvögel, 11 % Schreitvögel, 9 % Wasservögel, 5 % Spechte, 4 % Rabenvögel, 4 % Eulen, 9 % Sonstige und 3 Limikolen | @ LBV @ LBV
Vögel, die 2017 in Regenstauf abgegeben wurden

Umso bemerkenswerter ist diese Zahl als wir fast zwei Monate wegen der Vogelgrippe keine Tiere aufnehmen durften. Der letzte Rekord lag erst zwei Jahre zurück. Nun sind es doppelt so viele Patienten wie nach unserem Umzug an den Masurenweg vor zehn Jahren. Man sieht also sehr schön:

Unser Wille ist da, unsere Möglichkeiten sind allerdings zunehmend begrenzt. Und das scheint in der Bevölkerung nicht immer klar zu sein. Und das belastet uns von Jahr zu Jahr mehr.

Die Auswilderung ist etwas Schönes und wir konnten fast jeden zweiten Patienten wieder in die Freiheit entlassen. Unsere Auswilderungsquote von 47% im vergangenen Jahr kann sich sehen lassen. Die Taube stellt natürlich nicht unser einziges Highlight des Jahres dar. Da müssen wir unseren Blick auf andere Tiere richten.

Todesursachen der Vögel in Regenstauf 2017: 44 % Ästling/Nestling, 8 % Katzen, 10 % Auto/Verkehr, 15 % Schreibe/Haus, 1% Draht/Netz, 2 % Schwäche, 1 % Strom | © LBV © LBV

Hinsichtlich der Fundursachen wurde im Halbjahresbericht ja schon ausführlich über die Jungvogelzeit berichtet. Sie war sehr anstrengend! 

Was man kaum für möglich halten sollte: auch 2017 kamen noch eindeutige Stromopfer zu uns. Leider konnten die ungesicherten Masten meist nicht mehr ausfindig gemacht werden, da die Vögel trotz schwerster Verletzungen noch weit wandern können. In diesem Bereich gehen die Fälle glücklicherweise nach unten. 

Wie jedes Jahr nahm die Zahl der gebrachten Vögel insgesamt ab September wieder rapide ab, was uns wieder einmal erlaubte größere Ruhepausen einzulegen.

Meinen herzlichen Dank sprechen wir Lucas und Kathrin aus, die als Bundesfreiwillige der Vogel- und Umweltstation im Frühjahr/Sommer 2017 weit über ihre Grenzen gegangen sind und uns wirklich eine große Hilfe waren!

Nun hoffen wir alle, dass in der kommenden „Saison“ weniger Vögel gebracht werden. Wir freuen uns aber auch über ehrenamtliche Helfer, die uns in den Monaten Mai-August z.B. bei der Jungvogelpflege tatkräftig unterstützen.

Besondere Gäste in der Vogelstation

Nordischer Wanderfalke mit einem grünen Verband am Hals | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer
Nordischer Wanderfalke in der Station

Habichtskauz: Dieser extrem seltene Gast stammt aus einem Auswilderungsprojekt. Leider wurde ihm wohl das gleiche Schicksal zuteil wie vielen anderen Wildvögeln auch: ein Auto hat seinen Flug jäh unterbrochen. Aufgrund der Seltenheit dieser Art und dem damit verbundenen Wert für die Umweltbildung oder die eventuelle Rückführung in ein Zuchtprojekt für die Auswilderung wurde versucht, den komplizierten Bruch in der Schulter so gut wie möglich zu behandeln. Eine Auswilderung scheint nach derzeitigem Stand der Dinge nicht mehr möglich. Leider! Aber für uns eben ein absolut besonderer Gast.

Fischadler: Gleich zwei Exemplare beherbergen wir derzeit. Das hatten wir auch noch nie. Und bei beiden scheint aktuell eine Auswilderung im Sommer 2018 wahrscheinlich, was uns umso mehr freut. Dieser elegante und relativ kleine Adler hat sich ja in Bayern, und hier besonders in der Oberpfalz, bereits sehr gut als Brutvogel etabliert. Aber zumindest einer unserer Adler-Patienten kann aufgrund seiner Beringung seine sächsische Herkunft nicht leugnen.

Gast aus dem Norden: Im Oktober wurde mir ein abends ein Mäusebussard angekündigt. Als der Kofferraum geöffnet wurde schaute mich jedoch ein Wanderfalke aus einer Kiste an. Das Besondere an diesem Vogel offenbarte sich aber erst, als ich ihn aus dieser Kiste nahm. Der Vogel war für einen Wanderfalken sehr kräftig und auch heller als unsere hiesigen Exemplare. Betrachtet man alle Merkmale sowie das zeitliche Auftreten wurde klar: Es handelt sich im einen nordischen Wanderfalken der Unterart Calidus. Vor vielen Jahren hatten wir so einen Vogel schon einmal. Sie tauchen in Deutschland immer wieder als Wintergäste auf. Für uns ein echtes Highlight des Jahres.

Ob dieser Falke wieder ausgewildert werden kann, ist allerdings noch fraglich. Seine verletzte Schulter ist derzeit auf dem Weg der Besserung und sein Bewegungsradius enorm erweitert, seit wir begonnen haben, diesen Vogel falknerisch zu trainieren. Das Training wird in den nächsten Monaten intensiviert um das Leistungsvermögen zu testen und möglichst zu erweitern.

Uhu in der Vogelstation Regenstauf | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer

„Tatütata-Uhu“: Das Highlight des Jahres für meinen zweijährigen Sohn. Die Feuer-wehr Luhe-Wildenau kündigte an, mir am Abend noch einen Uhu vorbeizubringen. Wir befanden uns gerade nicht zuhause, verabredeten uns aber mit der Feuerwehr um 20.30 Uhr. Als wir vor unserem Haus vorfuhren stand dort bereits ein Feuerwehrauto (für mei-nen Sohn: Tatütata) und hatte bereits einen Käfig mit einen wunderschönen Uhu-Männchen (für meinen Sohn: Uhu) vor dem Haus abgestellt.

Obwohl der Vogel schon lange wieder in den Wäldern unterwegs ist, erzählt mein Sohn auch heute noch vom Tatütata-Uhu. Obwohl das bei weitem nicht der einzige Vogel war, der von einem Fahrzeug mit Blaulicht vor unserer Haustüre abgeliefert wurde.

Dies sind nun ein paar spektakuläre Fälle gewesen, mit denen wir 2017 konfrontiert waren oder die uns teilweise auch noch bis ins Jahr 2018 mitbegleiten.

Auch Mauersegler aus aufgeheizten Nestern brauchten Hilfe

Mauersegler in Pflege | P. Altrichter P. Altrichter
Junger Mauersegler-Pflegling

Natürlich hatten wir nicht nur Greifvögel und Eulen. Wie man dem Diagramm entnehmen kann, war es mit insgesamt 157 Exemplaren aber schon eine ganze Menge. Und natürlich gibt es auch in der zweiten Jahreshälfte wiederkehrende Phänomene, so wie die Jungvögel im Frühjahr.

In den heißen Tagen im Juli und August purzelten nämlich wie-der die jungen Schwalben und insbesondere die Mauersegler aus ihren aufgeheizten Nestern. Dazu kamen verletzte Vogel, z.B. nach Anflügen gegen Scheiben. Unser ehrenamtlichen Helferinnen Nadine und Julia nahmen sich der durchaus schwer aufzuziehenden Vögelchen an.

Vielen Dank an dieser Stelle!

Was bei der Aufzucht der Mauersegler nicht zu vernachlässigen ist, sind die Kosten für das Insektenfutter. Die Heimchen, die oft das Hauptfutter bilden, sind sehr teuer und so ein Mauersegler hat schon einen gesunden Appetit, bevor wir ihn in die Natur entlassen können.

Baumaßnahmen

Blaumeise an der Spendenbox in Regenstauf | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer

Inzwischen liegt die Baugenehmigung für die Erweiterung unserer Versorgungshütte vor. Über die Weihnachtszeit haben wir schon mit dem Ausräumen der bestehenden Hütte begonnen.

Wir möchten im zeitigen Frühjahr mit den Bauarbeiten starten. Wir versuchen möglichst viel in Eigenleistung zu stemmen. Ohne Handwerker geht es natürlich nicht und diese sind seit geraumer Zeit mehr als gut ausgelastet. Der allgemeine Bauboom macht es daher für uns spannend…

Wenn dieses Bauvorhaben abgeschlossen ist, dann hat unsere Station tatsächlich einen großen qualitativen Sprung gemacht. Die Futterzubereitung wird uns deutlich erleichtert, die Erstaufnahme neuer Patienten kann stressfreier über die Bühne gehen und insbesondere der neue Quarantäneraum erweitert unsere räumlichen Möglichkeiten enorm. Dieser wurde ja in Absprache mit dem Veterinäramt geplant, nachdem wir im Zeitraum von Januar bis März 2017 ein wenig vor der Vogelgrippewelle zittern mussten.

Unsere im Jahr 2016 neu gebauten Blechgehege für die Erstversorgung neuer Patienten haben sich bereits sehr gut bewährt. Verschiedene Vögel stehen hier zunächst bevor sie bereit sind, in die größeren Gehege umzuziehen. Auch die oben bereits erwähnten Habichtskauz und Wanderfalke mussten hier erstmal ihre Verletzungen auskurieren. Mittlerweile kommen beide in den größeren Gehegen schon auf die oberen Sitzstangen. Aber sowas braucht seine Zeit und die richtigen Räumlichkeiten zur richtigen Zeit.

Allerdings nagt der Zahn der Zeit inzwischen an unserer Einrichtung. So mancher Balken in der Abtrennung zwischen den Gehegen morscht fröhlich vor sich hin. Hier sind wir gerade dabei eine kostengünstige Lösung zu finden, ohne den laufenden Betrieb zu stark zu stören. Es bleibt also immer spannend!

Über Spenden und weitergehende Unterstützung sind wir immer dankbar!

Ausblick und sonstiges:

Ich habe oben bereits verschiedene Wünsche für 2018 geäußert. Zum einen das Gelingen unseres Bauvorhabens und zum anderen eine geringere Patientenzahl oder eine Entlastung für mich und unser Team in Form weiterer Helfer bei unserer Arbeit.

Ohne das gesamte Team in Regenstauf wäre es auch dieses Jahr tatsächlich nicht möglich gewesen alles zu stemmen: Melissa und die Familie Rank haben die Enten und Gänsesäger aufgezogen, Nadine die Mauersegler und Sabine und Stefan sind immer da, wenn ich am Wochenende mal keine Zeit habe zu füttern. Auch unser Tierarzt Dr. Cronenberg nimmt sich immer Zeit für uns.

Jeder ist mir eine große Stütze in dieser Arbeit. Mit welchen Herausforderungen wir in 2018 konfrontiert werden, das wissen wir nicht. Aber wir arbeiten nun schon so viele Jahre zusammen, dass uns eigentlich fast nichts mehr erschüttern kann.

 

Von Fischottern und Störchen

Junger Fischotter wird von jemandem gehalten | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer

Wir freuen uns über die eine oder andere besondere Auswilderung und wir stellen uns den Herausforderungen, die sich uns stellen. Und bei „Herausforderung“ und „Besonderheit“ bleibt noch, einen ganz besonderen Gast zu erwähnen: es war im August, um 21.30 Uhr läutet das Stations-Handy.

An der Naab wurde ein junger Fischotter gefunden. Da ich auf Anhieb auch keine bessere Anlaufstelle wusste und die Finder einigermaßen überfordert waren kam das Tier also um 22.45 Uhr zu mir. Am nächsten Tag wurde der gereichte Fisch auch gleich verzehrt und eine sachkundige Stelle ausfindig gemacht. Leider überlebte der kleine Kerl nicht. Es hatte also wohl einen schwerwiegenden Grund, weshalb der Otter alleine auf einer Straße herumlief. So ist es leider eben oft, wenn man in Not geratenen Wildtieren hilft.

Aber hier noch ein aktuelles Positivbeispiel zum Ende des Jahres: Neulich erhielt ich Meldung, dass ein Storch, den wir im Jahre 2013 ausgewildert haben am 31.12.2017 nahe Madrid lebend und auf Futtersuche mit anderen Störchen beobachtet wurde. Für genau solche Meldungen betreiben wir den ganzen Aufwand!

Und was unter der Rubrik „Ausblick“ nicht fehlen darf ist für mich persönlich die Geburt unseres zweiten Kindes im Februar. Natürlich wird hier die Vogelstation zunächst etwas zurückstecken müssen. Aber prinzipiell bin ich zuversichtlich, denn der Erste hat schnell verstanden, dass bei uns immer wieder mal hilfsbedürftige Vögel in Garten und Haus auftauchen, die z.B. dringend mit frischem Wasserversorgt werden müssen. Oder er fährt einfach regelmäßig mit mir in die Vogelstation.

Spenden und Patenschaften willkommen

Der Umbau und Renovierungsarbeiten sind natürlich immer mit hohen Kosten verbunden. Daher freuen wir uns auch weiterhin über Spenden und regelmäßige Unterstützungen. Und auch der laufende Betrieb ist mit Futter, Fahrtkosten und tierärztlicher Versorgung mit hohem Aufwand verbunden.

Sie können natürlich auch online spenden oder die Station mit einer Patenschaft unterstützen. Herzlichen Dank!

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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