Vogel-Sensation: Albino-Mauersegler

Komplett weißer Vogel in einer Kolonie am Schloss Ratibor in Roth entdeckt

Die Mauersegler-Kolonie am Schloss Ratibor in Roth (Mittelfranken) hat eine echte Sensation zu vermelden. Dort wurde jetzt bei den regelmäßigen Nestkontrollen durch den LBV ein Albino-Mauersegler entdeckt. Seit der Ansiedlung der Zugvögel dort vor 34 Jahren ist der komplett weiße Jungvogel der erste seiner Art.

Junger Albino-Mauersegler auf dem Boden | © S. Dölfel © S. Dölfel
Der noch nicht flügge Albino-Mauersegler im Schloss Ratibor in Roth

Ein Albino-Mauersegler mit roten Augen ist eine absolute Seltenheit und wir haben unfassbares Glück, dass er auch noch in einer Kolonie geschlüpft ist, die regelmäßig von uns kontrolliert und betreut wird. Die absolute Natur-Rarität hätte auch völlig unentdeckt bleiben können. Mauersegler berühren nach ihrem Abflug ins afrikanische Winterquartier im August bis zur Rückkehr im Mai nächsten Jahres nicht einmal den Boden. Seit dem Entstehen der Kolonie 1984 ist der ehrenamtliche LBV-Mauerseglerbetreuer Klaus Bäuerlein, der noch neun weitere Mauerseglerkolonien mit je etwa 50 Vogelpaaren betreut, noch nie ein Albino untergekommen.

Überlebenschancen ungewiss

Junger Albino-Mauersegler in der Hand | © S. Dölfel © S. Dölfel
Klaus Bäuerlein hat den Albino beringt und kontrolliert regelmäßig sein Gewicht

Die Überlebenschancen für den weißen Vogel sind ungewiss. Mauersegler verbringen den Großteil ihres Lebens im Flug. Von unten hilft ein weißes Gefieder unsichtbar zu werden. Gegen Feinde von oben hat die helle Färbung jedoch eher den gegenteiligen Effekt.

Außerdem sticht der Albino-Mauersegler in einem ansonsten nur aus dunklen Artgenossen bestehenden Schwarm wie eine kleine Zielscheibe besonders heraus. Ihm fehlt damit der Schutz der Menge. Auch sind die roten Augen des Albinos durch die fehlenden Farbpigmente empfindlicher gegenüber Sonnenlicht, worunter die Sehkraft des Vogels bei der Insektenjagd leiden kann.

Wir wünschen diesem besonderen Vogel nur das Beste und hoffen, dass er nächstes Jahr wiederkommt. Und vielleicht beginnt er im übernächsten Jahr, wenn er geschlechtsreif ist und einen Partner findet, sogar selbst eine Brut am Schloss Ratibor. In kürze wird der kleine Albino-Mauersegler bestens gestärkt das Nest für seine erste Reise in den Süden verlassen.

Er ist aber nicht der einzige junge Mauersegler, der in Roth noch im Nest sitzt. So können aktuell über die LBV-Webcam noch zwei andere junge Mauersegler bis zu ihrem Abflug beobachtet werden: www.lbv.de/mauerseglercam.

Albinismus und Leuzismus

Junger Albino-Mauersegler im Nest | © S. Dölfel © S. Dölfel
Der noch nicht flügge Albino-Mauersegler im Nest

Albinismus wird genetisch vererbt. Beim Albinismus besitzt die Haut zwar Melanozyten, also farbstoffbildende Zellen, diese sind jedoch nicht in der Lage den Farbstoff Melanin zu bilden, daher bleibt das Tier weiß. Bei Vögeln mit Albinismus sind auch der Schnabel und die Augen ohne Färbung, das heißt sie erscheinen rosa oder rot.  Im Gegensatz dazu enthält die Haut bei Leuzismus keine farbstoffbildenden Zellen.

Leuzismus ist in abgestufter Form bei vielen verschiedenen Vogelarten nachgewiesen worden. Am besten ist er für den Laien an weißen Flecken im dunklen Federkleid bei Amseln oder Staren zu erkennen. Die harmlose Defekt-Mutation führt dazu, dass die Federn weiß und die darunterliegende Haut rosa sind. Augen und Schnabel sind bei leuzistischen Vögeln normal gefärbt.

Der junge Albino-Mauersegler im Schloss Ratibor

von Sonja Dölfel | lbv.de,

Zurück

Alle Nachrichten zum Naturschutz in Bayern

Newsletter

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) ist mit Freistellungsbescheid des Zentral-Finanzamtes Nürnberg, Steuer-Nr. 241/109/70060, als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt und gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Mehr