Verpasste Chance für Bayerns Natur

Staatsregierung will Biologische Vielfalt schützen, doch der Mut für wirkungsvolle Maßnahmen fehlt

Der bayerische Ministerrat hat heute auf der Zugspitze zur Ausgestaltung der von Ministerpräsident Markus Söder in seiner Regierungserklärung angekündigten „Naturoffensive“ getagt. Die angekündigten Millioneninvestitionen im dreistelligen Bereich soll jedoch vorrangig in Infrastrukturprojekte fließen, eine wirkliche Verbesserung für Bayerns bedrohte Artenvielfalt und einzigartige Lebensräume ist deshalb kaum zu erwarten.

Mittelspecht | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Nur durch Informationszentrum allein wird es keinen einzigen Mittelspecht mehr geben

Das Ziel, den Schutz der Natur in Bayern zu stärken liegt damit nach wie vor in weiter Ferne. „Wir begrüßen es, wenn Umweltbildung und Vertragsnaturschutz durch zusätzliche Investitionen gestärkt werden“, sagt Schäffer. „Durch die angekündigten Umwelt- und Informationszentren alleine gibt es aber in Bayern keinen einzigen Mittelspecht und keinen einzigen Schmetterling mehr. Hierfür brauchen wir neue nutzungsfreie Großschutzgebiete und endlich verbindliche Maßnahmen in der Fläche“, erklärt der LBV-Vorsitzende weiter.

Natur darf nicht durch Informationszentren ersetzt werden

Westseite des Riedberger Horns im Winter | © Henning Werth © Henning Werth
Der Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn ist leider immer noch nicht vom Tisch

Mit 25 neuen Artenhilfsprogrammen und einem besseren Monitoring kann das geplante Artenschutzzentrum in Augsburg helfen, den Rückgang der Biologischen Vielfalt zu verstehen. „Artenhilfsprogramme können im Einzelfall eine effektive und wichtige Notfallmaßnahme sein“, kommentiert Norbert Schäffer.

„Um das Artensterben aber wirklich aufzuhalten, fehlt dem Kabinett der Mut, endlich verbindliche Maßnahmen in der Fläche zu ergreifen“, kritisiert Norbert Schäffer. „Dabei müssen auch die Grenzen von auf Freiwilligkeit basierenden Bündnissen erkannt werden. Diese zeigen seit Jahren keine Wirkung.“

Die beschlossene Naturoffensive fördert nicht, wie vom Ministerrat angekündigt, „in ganz Bayern Lebensräume und Artenreichtum“. Neben hohen Investitionen in zahlreiche Informations- und Umweltzentren in der Rhön, an der Donau, im Spessart, am Riedberger Horn und in den Naturparken bleibt die Stärkung des Vertragsnaturschutzprogramms die einzig erfolgversprechende Maßnahme, um den Schutz der Biologischen Vielfalt zu stärken.

„Wir dürfen niemals zulassen, dass unsere wunderbare Natur durch Informationszentren ersetzt wird, in denen wir dann auf Großleinwänden, hochaufgelöst, in 3D und digital das bestaunen und bewundern können, was wir draußen Tag für Tag verlieren“, warnt der LBV-Vorsitzende.

Wirklicher Gewinn für Natur wäre es, weitere Flächen aus der Nutzung zu nehmen

Weltenburger Enge. Von einem Hügel aus sieht man durch die Bäume auf einen Fluss hinab | © Peter Bria © Peter Bria
Bestehende Schutzgebiete an der Weltenburger Enge werden nur mit neuem Namen versehen. Etikettenschwindel?

Mit der neuen Schutzgebietskategorie „Nationales Naturmonument“ an der Weltenburger Enge wird bei Wählern der Eindruck erweckt, es käme zur Ausweisung neuer Schutzgebiete. „Stattdessen werden in großen Teilen nur bestehende Schutzflächen mit einem neuen Namen versehen, das ist klassischer Etikettenschwindel“, so der LBV-Vorsitzende.

Eine Stärkung der Naturparke kann deren Nutzen für die Umweltbildung verbessern. „Investitionen in Infrastruktur und digitale Entwicklung kommen hier aber zunächst einmal den Besuchern zugute. Ein Gewinn für Bayerns Natur wäre es jedoch, weitere Flächen aus der Nutzung zu nehmen und somit einen weiteren Teil unserer einzigartigen Vielfalt für kommende Generationen zu erhalten“, kritisiert der LBV-Vorsitzende.

Trotz der Initiative der Staatsregierung zur Einrichtung eines „Zentrum Naturerlebnis Alpin“ am Riedberger Horn ist die Gefahr durch den Bau einer Skischaukel noch nicht gebannt. Der LBV klagt deshalb gegen die Alpenplanänderung. „Der einfachste Schritt, um eine dauerhafte, rechtsverbindliche Garantie für den Verzicht auf die Skischaukel zu erhalten, wäre somit die Rücknahme der Änderung des Alpenplans“, so Schäffer.

„Solange dies vom Landtag nicht freiwillig erfolgt, werden wir unsere Normenkontrollklage vor Gericht aufrechterhalten.“ Die versprochenen 20 Millionen Euro für das Zentrum sollen den naturverträglichen Tourismus in der Region stärken. „Dennoch gibt es zeitgleich Pläne für einen Ausbau der bestehenden Skianlagen in einer keinesfalls naturverträglichen Weise. Dies führt die Ankündigungen der Staatsregierung ad absurdum.“, sagt Schäffer abschließend.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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