Todesfalle Gelber Sack: Igel verirren sich im Müll

Bayerische Stachelritter erwachen jetzt aus dem Winterschlaf – Gesichtete Igel dem LBV online melden

Es regt sich etwas im Laubhaufen: Die Igel erwachen aus ihrem Winterschlaf. Daher laden wir bereits zum 9. Mal alle Naturfreund*innen ein, ihre Igel-Beobachtungen online zu melden. Durch das Bürgerforscher-Projekt „Igel in Bayern“ möchten wir mehr über den heimischen Gartenbewohner und seine Gewohnheiten erfahren.

Igel an gelbem Sack | © Christiane Geidel © Christiane Geidel
Gefährlicher Müll: Gelbe Säcke können für Igel zur Todesfalle werden, wenn sie nicht richtig verstaut sind.

Jährlich erhalten wir über 10.000 Beobachtungen bayernweit. Viele stammen aus dem städtischen Siedlungsgebiet, wo sich der Igel in Gärten und Parks wohlfühlt, doch dort ist er auch vermehrt Gefahren ausgesetzt. Auf der Suche nach Futter können Igel in gelbe Säcke kriechen, aus denen sie oft nicht mehr herausfinden. Obwohl der Igel anpassungsfähig und ein wahrer Überlebenskünstler ist, steht er mittlerweile auf der Vorwarnliste bedrohter Säugetiere in Bayern. Wir möchten deshalb herausfinden, wo die Gefahrenquellen liegen und ob es Unterschiede zwischen dem ländlichen und städtischen Bereich gibt. Nur eine langjährige Datensammlung kann zeigen, wie Igel mit all den Veränderungen in unserer modernen Landschaft zurechtkommen. Mitmachen ist ganz einfach: jeden lebendigen oder toten Igel hier melden.

Hungrige Igel unterwegs

Nach einem fast sechsmonatigen Winterschlaf erwachen die Igel im Frühling mit großem Hunger. Über den Winter hat der Stachelritter täglich etwa 1 bis 2 Gramm verloren. Das sind insgesamt 20 bis 40 Prozent seines Körpergewichts. Für die nahende Paarungszeit muss sich der Igel rasch wieder Reserven anfressen. Insekten, vor allem Käfer und deren Larven, sind die Leibspeise des Igels, jedoch um diese Jahreszeit noch rar. Deshalb frisst er auch oft Schnecken und Regenwürmer.

Hausmüll als Gefahr für die Igel

Igel im gelben Sack | © Christiane Geidel © Christiane Geidel
Schützen kann man Igel schon ganz einfach, in dem man den gelben Sack erst am Morgen kurz vor der Abholung rausbringt und ihn mit Abstand zum Boden deponiert.

Gerade im Stadtgebiet machen sich Igel gerne auch über den Hausmüll her. Vor allem der Gelbe Sack duftet verlockend. Auf der Suche nach Resten in Dosen oder Aluminium-Schälchen, wie zum Beispiel Katzenfutter, zerreißen Igel die Folie oder kriechen in offene Müllsäcke. Doch das wird schnell zur Gefahr: Die stacheligen Gartenbewohner können in Behältern klemmen bleiben und sich verletzen. Finden sie dann keinen Ausweg aus der Tüte, werden sie in den Säcken von der Müllabfuhr abtransportiert. Um die Igel zu schützen, hängt man die Müllsäcke mit etwas Abstand zum Boden am Zaun auf oder stellt sie am besten erst am frühen Morgen vor die Tür, wenn die nachtaktiven Tiere nicht mehr unterwegs sind.

Igelfreundlicher Garten

Artgerechte Nahrung findet der Igel idealerweise im naturnah gestalteten Garten. Wer nur ein paar Quadratmeter seines Gartens der Natur überlässt – ohne zu mähen oder Pestizide einzusetzen - tut nicht nur dem Igel etwas Gutes, sondern auch Insekten, Vögeln und letztendlich sich selbst. Denn Naturbeobachtungen haben nachweislich positive Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit des Menschen. In diesen wilden Ecken findet der Igel Nahrung und Unterschlupf. Igelweibchen können ein Nest für ihre Jungen bauen und im Herbst ziehen sich die kleinen Säuger im Äste- und Laubhaufen zum Winterschlaf zurück.

Um den Nahrungsbedarf einer ganzen Igelfamilie zu decken, reicht ein einziger naturnaher Garten aber nicht aus. Kleine Durchgänge in Zäunen ermöglichen dem Igel den Zugang in Nachbars Garten. Es braucht außerdem mehr grüne Flächen in Städten und Gemeinden. Nur so kann der Igel ein ausreichend großes Areal durchstreifen, in dem er sowohl eine Partnerin als auch Nahrung findet.

LBV-Igeltelefon: Kompetente Beratung zu Fragen rund um den Igel

Informationen und Tipps zum Schutz von Igeln und der Gestaltung eines igelfreundlichen Gartens bieten wir kostenlos am LBV-Igeltelefon an. Sie erhalten eine kompetente Beratung zu Fragen rund um den Igel. Sie erreichen das LBV-Igeltelefon Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr unter 09174/4775-5001.

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© Dr. Olaf Broders

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