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Stunde der Gartenvögel: Naturnahe Gärten ein Gewinn für Vögel

Vielfalt und Anzahl in naturnahen Gärten höher – Teilnahme in Bayern fast auf Rekordniveau des Vorjahrs – Blaumeise erholt sich

Mehr als 22.000 Menschen haben in Bayern an der „Stunde der Gartenvögel“ vom 13. bis 16. Mai teilgenommen. Das Endergebnis der großen wissenschaftlichen Mitmachaktion von LBV und seinem bundesweiten Partner NABU liegt nun vor. In über 16.000 Gärten und Parks wurden fast eine halbe Million Vögel gezählt und dem LBV gemeldet.

Ein männlicher Haussperling sitzt auf einem dünnen Ast | © Frank Derer © Frank Derer
Wie im Vorjahr ist auch diesmal der Haussperling der am häufigsten beobachtete Gartenvogel in Bayern.

Nach der Rekord-Teilnahme während des ersten Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr ist die Teilnehmendenzahl in Bayern auch dieses Mal wieder auf sehr hohem Niveau. Das freut uns sehr.

Im Gegensatz zu den steigenden Teilnehmerzahlen haben die Vögel im Freistaat in Zahl und Vielfalt seit Beginn der Mitmachaktion abgenommen. So wurden heuer mit durchschnittlich knapp 30 Vögeln pro Garten zwar gleichviele wie im Vorjahr gemeldet, der Wert liegt im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 16 Jahre aber erneut unter dem Mittelwert von über 32 Vögeln. Auch die Vielfalt der Arten ist von durchschnittlich elf auf heuer nur mehr acht gesunken. Hoffnung geben dem LBV naturnahe Gärten, denn eine Auswertung der Daten zeigt, wo es naturnahe Strukturen gibt, kommen auch viele und viele verschiedene Vögel vor. Landkreisgenaue Ergebnisse gibt es unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de.

Es braucht naturverträgliche Bewirtschaftung in Gärten und Landwirtschaft

Eine Mehlschwalbe sitzt an ihrem Nest an einer Hauswand | © Ralph Sturm © Ralph Sturm
Die Mehlschwalbe hält sich auf niedrigem Niveau, mit einem Schnitt von weniger als einem Vogel pro Garten.

Schon lange machen die LBV-Artenschützer*innen darauf aufmerksam, dass der Rückgang der Vielfalt und der Anzahl der Vögel in der Feldflur auch auf den Verlust von Strukturen wie Hecken und Säume zurückzuführen ist. Dasselbe gilt auch für unsere Gärten, wie die Meldungen und Angaben zur Stunde der Gartenvögel dieses Jahr klar zeigen. Teilnehmende, die Hecken, Bäume, Totholz, einen Teich, Sträucher mit Beeren oder Wildkräuter in ihrem Garten anbieten, erfreuen sich an zahlreichen und sehr vielfältigen Vögeln. Diese Strukturen sind Nahrung und Rückzugsort vieler Insekten, die Amseln, Meisen und Finken als Nahrung, vor allem auch zur Aufzucht ihrer Jungen, brauchen.

Aus Sicht des LBV senden die Ergebnisse der Mitmachaktion eine klare Botschaft: nicht nur in der Landwirtschaft brauchen wir ein Umdenken zu naturverträglicher Bewirtschaftung, auch im Garten vor der Haustür kann jede*r einen Beitrag leisten. Wer unseren gefiederten Flugkünstlern helfen will, muss dafür sorgen, dass der Garten reich an Insekten ist. Und das erreicht man durch ein vielfältiges Angebot heimischer Laubgehölze, wilder Ecken, in denen auch mal Brennnesseln wachsen dürfen, und selbstverständlich durch den Verzicht auf Gift im Garten.

Gewinner und Verlierer in den Top Ten

Grünfink auf einem Ast | © Maria Bauer © Maria Bauer
Der Grünfink nimmt seit einem Bestandseinbruch im Jahr 2014 kontinuierlich weiter ab.

Wie im Vorjahr ist auch diesmal der Haussperling (1.) der am häufigsten beobachtete Gartenvogel in Bayern. Zum ersten Mal seit Jahren wurde der Spatz wieder in fast 70 Prozent der Gärten beobachtet. Die Amsel (2.) ist der am weitesten verbreitete Gartenvogel und wurde in erfreulichen 93 Prozent der Gärten gesehen. Dahinter rangiert dieses Jahr der Star (3.), der den Feldsperling (4.) zum ersten Mal seit vier Jahren aus den Top Drei verdrängt hat. Die Kohlmeise hält beständig ihren Platz fünf. Die Blaumeise (6.) hat sich vom Bestandseinbruch aufgrund des bakteriellen Erregers Suttonella ornithocola im vergangen Frühjahr 2020 erholt. Sie konnte wieder mit knapp zwei Individuen pro Garten beobachtet werden, sprich jeder bayerische Garten beherbergt im Schnitt ein Blaumeisen-Paar.

Auf die Elster (7.) folgen zwei Vogelarten, die seit Jahren bei der LBV-Mitmachaktion immer weniger von den Teilnehmer*innen beobachtet werden. Die Mehlschwalbe (8.) hält sich auf niedrigem Niveau, mit einem Schnitt von weniger als einem Vogel pro Garten. Im Jahr 2006 waren es noch fast zwei Mehlschwalben pro Zählort. Der Grünfink (9.) nimmt seit einem Bestandseinbruch im Jahr 2014 aufgrund einer durch Einzeller verursachten Krankheit kontinuierlich ab und setzt auch heuer seinen Negativtrend weiter fort. Das Rotkehlchen hingegen, als erstmals öffentlich gewählter Vogel des Jahres, fliegt auf Platz zehn. Es erzielt damit – möglicherweise kraft Amtsbonus – zum zweiten Mal seit Beginn der Aktion eine Platzierung in den Top Ten.

Detaillierte Ergebnisse sind auf Landes- und Landkreisebene unter www.stunde-dergartenvoegel.lbv.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Wer Lust bekommen hat, weiter zu zählen, kann vom 04. bis 13. Juni an der CitizenScience-Aktion „Insektensommer“ von LBV und NABU teilnehmen. Die nächste Zählung der Vögel im Garten, die „Stunde der Wintervögel“, steht vom 06. bis 09. Januar 2022 an.

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