Stunde der Gartenvögel: Bayern vom Blaumeisensterben weitgehend verschont

Hohe Beteiligung dank deutlich gesteigertem Interesse an den Vögeln im Garten– Viele Eichelhäher bleiben im Freistaat

Die Auswirkungen des bundesweiten Blaumeisensterbens scheinen in Bayern eher eine Randerscheinung zu bleiben. Das zeigt ein erstes Zwischenfazit der 16. „Stunde der Gartenvögel“, nachdem bereists am frühen Nachmittag drei Viertel der bayerischen Meldungen des Vorjahres beim LBV eingegangen waren.

Blaumeise an Blumen | © Christiane Köllner-Krüger © Christiane Köllner-Krüger
Glück gehabt: Baumeisensterben in Bayern doch nur eine Randerscheinung

Die Anzahl der im Freistaat beobachteten Blaumeisen liegt aktuell im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent niedriger. Bundesweit sind es aber bereits 20 Prozent und in den besonders betroffenen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz sogar über 30 Prozent.

Was die Auswirkungen des tödlichen Erregers auf die bayerischen Blaumeisen angeht, sind wir wahrscheinlich mit einem blauen Auge davongekommen. Die bis jetzt sehr hohe Beteiligung lässt die Naturschützer auf eine erneute Rekordteilnahme hoffen.

Teilnehmende können dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende noch bis zum 18. Mai per Post, Fax oder am besten online schicken unter www.stunde-der-
gartenvoegel.lbv.de

Neuester Stand: Das Blaumeisensterben in Bayern

Vor der „Stunde der Gartenvögel“ erreichten den LBV und seinen bundesweiten Partner NABU rund 1.500 bayerische Verdachtsfälle von toten oder kranken Blaumeisen. Die Beobachtungen der blau-gelben Meisenart bei der Mitmachaktion bestätigen nun, dass Bayern nicht zu den besonders betroffen Gebieten des Blaumeisensterbens in Deutschland zählt.

Auch im Freistaat sind die Zahlen der Blaumeise gesunken, fallen insgesamt aber weniger dramatisch aus als in den besonders stark betroffen Bundesländern wie Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Wir freuen uns, dass die Beobachtungen unsere Bürgerforscher*innen nun genau das bestätigen, was die bisher vorliegenden Daten zum Blaumeisensterben in Bayern bereits angedeutet haben. Wie sich der neue Erreger langfristig auf den Bestand der Blaumeisen auswirkt, kann nur spekuliert werden.

Update 21:00

Bis zum Abend hat sich der Trend der Blaumeisten doch etwas verschlechtert. In Bayern liegen wir mit 19% weniger Beobachtungen im Vergleich zum Vorjahr nur etwas unter dem Bundestrend von 23%. In anderen Bundesländern hat das Blaumeisensterben mit fast 40% aber noch weitaus gravierendere Auswirkungen gehabt.

Teilnahme der Bevölkerung beim Citizen-Science-Projekt

Der Eindruck des LBV bekräftigt sich: Viele Menschen haben in den letzten Wochen mit Ausgangsbeschränkungen den Wert der Natur in ihrer unmittelbaren Nähe wieder neu schätzen gelernt. Das wachsende Interesse an den Vögeln im heimischen Garten und die bisher rege Beteiligung freut uns.

Bereits am frühen Sonntagnachmittag haben mit 9.000 bayerischen Vogelfreunden so viele wie noch nie zu diesem Zeitpunktteilgenommen. Bereits seit Wochen steigen die Zugriffe auf die Webseite des LBV deutlich an. Dabei haben viele wohl auch ihr Vogelwissen aufgebessert und nun wichtige Daten über die heimische Vogelwelt gemeldet.

Besonders erfreulich ist, dass nicht nur großes Interesse an den Inhalten der LBV-Webseite besteht, sondern die Menschen sich gerne auch aktiv beim größten deutschen Citizen-Science-Projekt ‚Stunde der Gartenvögel‘ beteiligen.

Die häufigsten Gartenvögel

Haussperling im Baum | © Dr. Christoph Moning © Dr. Christoph Moning
Wieder auf Platz 1: Der Haussperling

Der häufigste Gartenvogel in Bayern ist auch bei der Sommerzählung der Haussperling (1.). Er stagniert jedoch auf dem schlechten Niveau der Vorjahre und kommt schon seit einigen Jahren nur noch in zwei Drittel der bayerischen Gärten vor.

Nach dem Absturz der Amsel (2.) im Frühling 2019 scheint sich diese nun zu erholen und ist zurück auf
ihrem angestammten zweiten Platz.

Dahinter rangiert der Feldsperling (3.) vor dem Star (4.), der bundesweit starke Einbußen erleidet, in Bayern aber weniger zurückgeht. Das gleiche gilt für die Kohlmeise (5.), die im Freistaat nur etwas abnimmt, deutschlandweit aber verliert.

Neue Spitzenposition: Der Eichelhäher

Eichelhäher von hinten auf Baumstumpf mit Eichel im Schnabel | © Harald Bauer-Söltel © Harald Bauer-Söltel
Eine echte Überraschug: Der Eichelhäher auf Platz 18

Für eine echte Überraschung sorgt der Eichelhäher. Schon Anfang Januar bei der Schwesteraktion „Stunde der Wintervögel“ wurden deutlich mehr der Vögel in Bayern beobachtet. Viele Eichelhäher aus dem Winter scheinen im Freistaat geblieben zu sein.

Bisher überhaupt erst einmalig in den Top 20 der am häufigsten beobachteten Gartenvögel, sprang der Eichelhäher aktuell auf Rang 18 und wurde ähnlich oft gesehen wie der Hausrotschwanz.

Im Herbst 2019 hatten Bayern einen massiven Einflug von Eichelhäher aus Nordosteuropa, von denen viele anscheinend nicht nur bei uns überwintert haben, sondern jetzt sogar geblieben sind.

Im vergangenen Jahr haben im Freistaat knapp 12.000 Vogelfreunde bei der „Stunde der Gartenvögel“ mitgezählt und Beobachtungszahlen von insgesamt mehr als 265.000 Vögeln aus über 8.000 Gärten gemeldet.

Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der „Stunde der Wintervögel“, handelt es sich damit um Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmach-Aktion.

Mehr Infos unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de.

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