Sensation: Basstölpel in Bayern bruchgelandet

Hochseevogel in der Oberpfalz gefunden – geschwächtes Tier wird in LBV-Vogelauffangstation gepflegt – Auswilderung an der Nordsee geplant

Sensationelle Entdeckung auf einem Stoppelfeld im südlichen Landkreis Neumarkt. Am vergangenen Freitag (14.07.2023) fand ein Landwirt dort einen erschöpften Basstölpel, der anschließend von Aktiven der LBV-Kreisgruppe Neumarkt zur Pflege in die LBV-Vogel- und Umweltstation Regenstauf gebracht wurde. In Deutschland brüten die beeindruckenden Küsten- und Hochseevögel mit einer Spannweite von bis zu 1,80 Meter nur auf Helgoland.

Basstölpel | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer
Über noch unbekannte Wege ist dieser Basstölpel nach Bayern gekommen. Nun wird er in unserer Vogelstation Regenstauf erst einmal hochgepäppelt.

Für Bayern ist es erst der vierte bekannte Nachweis eines Basstölpels überhaupt. "Wir haben nicht schlecht gestaunt, als es sich bei unserem neuen Pflegling tatsächlich um einen erwachsenen Basstölpel handelte", sagt Ferdinand Baer, fachlicher Leiter der LBV-Vogelstation Regenstauf. "Diese Vögel können auf der Suche nach Fisch täglich mehrere hundert Kilometer zurücklegen, aber eben immer nur über dem Meer oder entlang von Küsten. So einen Vogel in Bayern zu finden, ist schon eine echte Sensation." Der Vogel hatte keine Verletzungen, war aber deutlich geschwächt und wird nun von uns gepflegt. Wenn er sich vollständig erholt, soll er im August wieder an der Nordsee ausgewildert werden.

Gründe für Aufenthalt in Bayern noch nicht bekannt

Wie genau der Hochseevogel nach Bayern kam, können unsere Artenschützer*innen aktuell nicht sagen. Eine mögliche Theorie ist, dass er durch die Gewitter in den letzten Wochen ins Inland bis nach Bayern geweht worden ist. "Wir können mittlerweile ausschließen, dass der Vogel aus einer Gefangenschaft geflüchtet ist, denn er trägt weder Ring noch ist er gechipt. Eine Abfrage in den europaweit fünf Zoos, die Basstölpel halten, ergab: es fehlt auch kein Individuum. Außerdem lässt sich aus seinem Verhalten schließen, dass er den Kontakt zu Menschen nicht zu kennen scheint", so Ferdinand Baer. Dennoch zeigt der wilde Basstölpel kein besonders scheues Verhalten, was allerdings typisch für diese Art ist. Seefahrer bezeichneten diese Vogelart früher als "Tölpel", weil sie sehr zutraulich ist, sich leicht fangen ließ und so zu einer einfachen, kulinarischen Beute für sie wurde.

Hilfe durch Meeresvogelspezialisten aus dem Norden

Basstölpel | © Ferdinand Baer © Ferdinand Baer
Sobald der Basstölpel wieder fit ist, soll er in seiner Heimat an der Nordsee ausgewildert werden.

Da das Team unserer Vogelstation nicht auf die Pflege von Meeresvögeln spezialisiert ist, hat es sich mit norddeutschen Vogelexpert*innen ausgetauscht, um den geschwächten Hochseevogel bestens versorgen zu können. "Von den hilfsbereiten Vogelexperten des Zoos Bremerhaven erhielten wir erste Tipps zum Futter. Die angebotene Makrele – sogar zum Sonderpreis vom Fischhändler – nimmt er zwar noch nicht selbstständig, aber er schluckt sie bereitwillig, wenn ich ihm das Futter in den Schnabel gebe", erzählt Ferdinand Baer.

Nun soll der Basstölpel noch knapp ein Kilo zunehmen, bis er wieder sein Normalgewicht von drei Kilogramm erreicht hat. "Auf den großen und kräftigen Schnabel des Vogels müssen wir beim Festhalten besonders Acht geben. Außerdem lagern wir den Vogel weich, um Verletzungen der Füße und der empfindlichen Schwimmhäute zu vermeiden", so Baer weiter.

Pläne für die Auswilderung

Sobald der Basstölpel wieder fit genug ist, soll er zurück an die Nordseeküste gebracht und dort ausgewildert werden. Das Waloseum, eine Auffangstation im Nationalpark Wattenmeer an den Ostfriesischen Inseln, wird den Vogel übernehmen, sobald er für den langen Transport an die niedersächsische Küste stabil genug ist und einen negativen Vogelgrippetest vorweist. Im vergangenen Jahr waren die Basstölpel stark von der Vogelgrippe betroffen. Etwa die Hälfte der deutschen Population in Helgoland ist daran gestorben. Aktuell ist unser Basstölpel noch nicht ganz über den Berg. Wenn er sich gut erholt, wird er Anfang August an die über 800 Kilometer entfernte Nordsee gebracht und zurück in die Freiheit in seinem gewohnten Lebensraum am Meer entlassen.

 

Update: Basstölpel ist verstorben

Der Basstölpel, der am 14. Juli auf einem Stoppelfeld im südlichen Landkreis Neumarkt erschöpft gefunden wurde, ist am Abend des 20. Juli gegen 21.30 gestorben. Der Vogel war stark untergewichtig und konnte zum Schluss das verabreichte Futter nicht mehr bei sich behalten. Das Team der LBV-Vogelstation Regenstauf geht davon aus, dass der erlebte Stress 800 Kilometer entfernt von seiner wahrscheinlichen Herkunft auf Helgoland den Vogel stark mitgenommen hat und sein Stoffwechsel deswegen nicht mehr richtig funktioniert hat. Der Test auf Vogelgrippe war negativ. Der LBV versucht noch eine genaue Todesursache herauszufinden, geht aber grundsätzlich von Erschöpfung aus.

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© Ralph Sturm

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