Rekordbilanz der Vogelstation in Regenstauf

LBV-Station versorgte so viele verletzte Vögel wie noch nie

Nun beginnt die ruhige Zeit in der Vogelstation in Regenstauf. Seit August sind die Anrufe von täglich 20 auf ein paar wenige pro Tag gesunken. Doch wie arbeitsintensiv dieses Frühjahr und der Sommer für alle Mitarbeiter gewesen sind, zeigt auch unsere Bilanz. Bis zum 30.September 2012 haben wir bereits deutlich mehr Vögel als im gesamten Jahr 2011 aufgenommen.

Seeadler Porträt von Seeadlerweibchen in der Vogelauffangstation Regenstauf | © LBV © LBV

Mit den über 550 aufgenommenen Vögeln hatten wir dieses Jahr einen deutlichen Mehraufwand an Arbeit sowie auch sehr viel höhere Futterkosten, die wir fast ausschließlich über Spendengelder abdecken.

Für viele Menschen ist die Vogelstation mittlerweile Anlaufstelle für Fragen jeder Art zu den Bereichen Vogelschutz, Vogelpflege und Artbestimmung, doch zunehmend auch für Anfragen, die eigentlich außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Station liegen. So wurde dieses Jahr z.B. ein junger Feldhase in die Station gebracht, mit dessen Aufzucht auch wir überfordert waren, und so selbst Hilfe suchen mussten.
Besonders erschreckend waren in diesem Jahr die hohen Zahlen an Stromopfern unter den Greifvögeln. Innerhalb weniger Tage waren im August drei Turmfalken und ein Mäusebussard gebracht worden. Alle diese Vögel lebten noch, mussten aber aufgrund der massiven Verletzungen eingeschläfert werden. Da scheint es umso dringender, dass die Stromanbieter dem Naturschutzgesetz nachkommen und bis Ende des Jahres die Stromleitungen sichern, so dass solche Fälle hoffentlich bald immer seltener werden oder gar ganz von der Unfallliste gestrichen werden können.

Gefahr durch Angelhaken

Röntgenbild einer Lachmöwe mit einem Angelhaken im Körper | © LBV © LBV
Röntgenbild der Lachmöwe mit Angelhaken

Mit drei (uns bekannt gewordenen) Fällen eher gering vertreten, doch dafür umso erschreckender im Ergebnis waren die Vögel, die in Kontakt mit liegengelassenen Angelschnüren und Angelhaken kamen. Der Uhu an der Naab aus dem Bericht 1/2012 war der erste Fall. Später kamen noch ein Star mit dem Angelhaken im Flügel und eine Lachmöwe, die sich eine Angelschnur um den Flügel gewickelt hatte und die dann im Schnabel verschwand. Ein Röntgenbild gab Gewissheit: Der Angelhaken wurde geschluckt und steckte im Magen des Vogels.

Viele Vögel konnten gerettet werden

Junge Wiesenweihe auf einer Wiese | © LBV © LBV
Junge Wiesenweihe in der Auffangstation

Doch neben diesen unschönen Fällen, mit denen wir immer wieder konfrontiert werden, gab es auch etliches Erfreuliches sowie Vogelarten, die man eher selten zur Pflege bekommt. Als besonders erwähnenswert seien hier drei Arten genannt. Beginnen wir mit den kleinsten. Gleich zwei Pirole, innerhalb von nur einer Woche jeweils an eine Fensterscheibe im Raum Regensburg geflogen, konnten nach nur wenigen Tagen Pflege noch rechtzeitig zum Herbstzug ausgewildert werden.

Ein besonders seltener Gast und einer der spätesten Jungvögel wurde uns aus der Nähe von Straubing anvertraut. Es handelte sich tatsächlich um eine junge Wiesenweihe im Alter von etwa 4 Wochen. Dieser kleine Fußgänger wurde auf einem abgemähten Weizenfeld stehend aufgefunden. Und nachdem kein Horst zu finden war, landete dieses Jungtier also bei uns. Nach wenigen Wochen war der Vogel flügge und konnte bald darauf in der Nähe des Fundortes beringt wieder ausgelassen werden. Wiesenweihen gehören zu den Langstreckenziehern, und so hoffen wir natürlich, dass diese Reise gut geht.

Besonderer Patient - Seeadlerweibchen

Seeadlerweibchen in der Vogelauffangstation Regenstauf | © LBV © LBV
Seeadlerweibchen in der Auffangstation

Unsere größte und auch schwerste Herausforderung im wahrsten Sinne des Wortes kam aber aus dem Grenzgebiet Bayern-Österreich. Ein letztjähriges Seeadler-Weibchen, matt, mager und mit seltsam kaputten Federn versetzte uns in großes Staunen. Einen selteneren Vogel kann man in Bayern fast nicht bekommen. Dieses großartige Wesen, imposant und unglaublich eindrucksvoll erholte sich bald wieder gut und brachte bald ein stattliches Gewicht von fast Fünf Kilo auf die Waage. Doch das Problem mit den verschlissenen Federn konnte von niemandem geklärt werden, obwohl wir von allen Seiten Meinungen und Hilfe erfragt haben. Daher wird der Vogel wahrscheinlich nicht mehr lange bei uns verweilen, da der Vogel für Untersuchungen im Rahmen der Projektgruppe Seeadlerschutz in Schleswig-Holstein e.v. von Mitarbeitern der TU Berlin näher begutachtet werden soll. Vielleicht können so die Rätselhaften Gefiederschäden geklärt werden. Um die Seltenheit dieses Vogels in Bayern nochmal hervorzuheben: Dr. Mebs gibt in seinem Werk "Die Greifvögel Europas" den Brutbestand der Seeadler in Bayern aktuell mit ca. 5-6 an. Also eine echte Besonderheit und Wunderschön.

Rekordjahr der Störche

Junger Weißstorch auf einer Wiese in der Vogelauffangstation Regenstauf | © LBV © LBV
Junger Storch in der Auffangstation

Das Rekord-Storchenjahr schlug sich auch in unserer Patientenliste nieder. Zwei Jungvögel, die im August verunglückten verbringen ihren ersten Winter leider bei uns, ein Weißstorch und unser Schwarzstorch konnten noch bei schönstem Sommerwetter ausgewildert werden. Der Schwarzstorch wurde in der näher seines Geburtsortes bei Weiden sogar vom Oberpfalz-TV bei seinem ersten Flug in Freiheit gefilmt.

Über den Verbleib eines unserer ehemaligen Patienten haben wir dann erst vor wenigen Tagen sogar tatsächlich Nachricht bekommen. Der Storch, den wir im Sommer 2010 bei Regendorf ausgelassen haben, wurde im Januar dieses Jahres auf Futtersuche in Spanien lebend beobachtet.

Nach solchen Erfolgserlebnissen stürzt man sich dann auch wieder einmal hochmotiviert in die vielschichtige Arbeit in der Vogelstation.

Wer uns und unsere Arbeit unterstützen möchte, kann dies gerne in Form von geballter Muskelkraft bei der einen oder anderen "Saubermach-Reparatur-Aktion", oder aber auch gerne in Form einer Spende, die wir für das Futter und/oder Material zur Instandhaltung der Gehege benötigen, tun.

von Sonja Dölfel | lbv.de,

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