Moorschutz ist Klimaschutz

Warum der Schutz von Mooren gleichzeitig Klima-, Hochwasser- und Artenschutz ist

Zusammen mit der Bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf stellten Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), und Professor Johannes Kollmann von der TU München, ein Beispiel-Projekt vor, das zeigt, wie wichtig und vielfältig die Renaturierung von Mooren ist.

Moorbesichtigung mit Umweltministerin Scharf, LBV-Vorstand Dr. Schäffer und Prof. Kollmann von der TU München | © Helmut Beran © Helmut Beran
Moorbesichtigung mit Umweltministerin Scharf, LBV-Vorstand Dr. Schäffer und Prof. Kollmann von der TU München

So fördert der Schutz der Moore nicht nur den Klimaschutz und den Wasserrückhalt in der Fläche, sondern sichert auch Lebensräume für viele Tierarten, die vom Klimawandel betroffen sind. Die Kombination dieser drei Aspekte ist das zentrale Thema des Projektes „Effizienzkontrolle von Moorrenaturierung in Bezug auf den Klimawandel“ in Nordostbayern.

Umweltministerin Scharf übergibt Bewilligung von 200 000€ an Projektpartner LBV und TU München | © Helmut Beran © Helmut Beran
Finanzielle Unterstützung

Mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums werden durch die Projektpartner LBV und TUM ehemalige Moorstandorte im Naturpark Steinwald auf Flächen des Freiherren von Gemmingen-Hornberg (Güterverwaltung Friedenfels) renaturiert – also als naturnaher Lebensraum wiederhergestellt. Gleichzeitig kümmern sich die beiden Partner auch um die Effizienzkontrolle auf Flächen im Steinwald und im Fichtelgebirge, die bereits 2011 in einem vom Umweltministerium geförderten Projekt renaturiert wurden. „Intakte Moore sind riesige Kohlenstoff-Speicher“, betonte Umweltministerin Scharf. „Weltweit speichern Moore doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder und lagern es dauerhaft ein. So wirken sie dem Treibhauseffekt entgegen. Bis 2020 sollen bayernweit 50 Moore wiedervernässt werden. Gleichzeitig fördern wir durch die Renaturierung auch die einzigartige bayerische Artenvielfalt.“

weibliche Kreuzotter zusammengerollt im Gras | © Andreas von Lindeiner © Andreas von Lindeiner
Im Gras versteckt

Die Zielarten im Projekt sind die Kreuzotter, die im Steinwald und im Fichtelgebirge noch in  guten Populationen vorkommt sowie moor-typische Libellenarten. Letztere profitieren von den Kleingewässern die als Lebensraum für die Larven not-wendig sind. Auch seltene Vogelarten wie Auerhuhn, Schwarz-storch und Sperlingskauz werden gefördert, insbesondere durch die Strukturierung und Auflichtung des Waldes. 

„Die natürliche Wiederansiedlung vom Klimawandel besonders betroffener Arten wie Kreuzotter und Moorlibellen dient als sichtbares Maß der Renaturierung degradierter Moore und ihrer Wiederherstellung als Wasserspeicher und als Speicher für Kohlendioxid“, betonte Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. „Die Renaturierung der Moorflächen ist somit ein wegweisendes Projekt für die Kombination von Klima-, Hochwasser- und Artenschutz“.

Blau-schwarze Libelle der Art Helm-Azurjungfer auf einem Grashalm | © Wolfgang Lorenz © Wolfgang Lorenz
Anmutige Moorlibelle

Professor Johannes Kollmann von der TU München hebt hervor, dass „die Renaturierung artenarme Fichtenforste, die auf stark entwässerten Moorböden stocken, in struktur- und artenreiche Feuchtgebiete umwandelt. Schon nach wenigen Jahren beobachtet man eine Wiederansiedlung von Torfmoosen und die Regeneration von Resten der typischen Moorvegetation. Das Besondere an dem Projekt ist die enge Zusammenarbeit mit dem LBV, den Grundeigentümern und der Forstverwaltung. Das Projekt wird auch in der Lehre gut angenommen und dient als Basis für eine Reihe studentischer Abschlussarbeiten.“

Die betroffenen Moorgebiete wurden vor allem in den Nachkriegszeiten durch ein System von Gräben entwässert. Derzeit sind nur noch kleine Reste der ursprünglichen Feuchtflächen vorhanden, während auf großen Teilen ein sehr dichter, artenarmer Fichtenwald wächst. Der Projektplan sieht wie folgt aus: Zunächst wird der dichte Fichtenwald aufgelichtet, um den Wald optimal zu strukturieren und den Wasserverbrauch zu reduzieren. Anschließend werden die Entwässerungsgräben geschlossen, um Wasser in der Fläche zurückzuhalten und das Moorwachstum zu initiieren. Langfristig soll sich ein Mosaik aus offenen Feuchtflächen und aus lichtem Moorfichtenwald entwickeln. Die kleinen Gewässer mit bis zu 20 Quadratmetern Größe, die unregelmäßig eingestreut sind, entstehen durch die Materialentnahme zur Grabenverfüllung. Die Bewirtschaftung in den renaturierten Bereichen wird eingestellt.

Rede von LBV-Vorstand zum Klimafoschungsvorhaben der Moorrenaturierung im Bezug auf den Klimawandel | © Helmut Beran © Helmut Beran
Dr. Norbert Schäffer bei seiner Rede

Norbert Schäffer betonte die Bedeutung solcher Projekte für den Tourismus. "Eine intakte, artenreiche Natur ist eine wesentliche Grundlage für den Fremdenverkehr in der Region, so profitieren auch die Menschen vor Ort vom Projekt“.
Die intensive Zusammenarbeit zwischen Umweltministerium, LBV, TU München und der Güterverwaltung Friedenfels verdeutlicht, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen bei solchen Projekten ist und zeigt gleichzeitig, dass Naturschutz und nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes kein Widerspruch sein müssen.

von Christine Riel | lbv.de,

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