LBV zu Wolfsausbruch im Nationalpark Bayerischer Wald

Sicherheit der Menschen steht an allererster Stelle

Im Fall der sechs - nach Fremdmanipulationen an den Verschlüssen des Gatters -  aus dem Tierfreigelände im Nationalpark Bayerischer Wald ausgebrochenen Wölfe vom 06.10.2017 unterstützen wir das Vorgehen der Nationalparkverwaltung. Über 30 Mitarbeiter des Nationalparks sind seitdem auf den Beinen und versuchen, die Tiere mit Narkosegewehren möglichst unverletzt wieder einzufangen.

Wolf im Herbstlaub | © Henning Werth © Henning Werth
Wolf im Herstlaub (LBV-Bildarchiv)

Es ist zwar davon auszugehen, dass von den Gehege-Wölfen keine Gefahr ausgeht, aber sollten sich die Tiere in der Nähe von Menschen aufhalten und aggressiv verhalten, ist ein Abschuss auch aus unserer Sicht unvermeidlich. Für die Nationalparkverwaltung und den LBV hat die Sicherheit der Menschen an allererster Stelle zu stehen – auch wenn deshalb in letzter Konsequenz Wölfe getötet werden müssen.

Gefährliches Verhalten von Gehegewölfen signifikant höher als bei wilden Wölfen

Zwei Wölfe | © M. Waldhier © M. Waldhier

Im Gegensatz zu wilden Wölfen sind die Wölfe aus dem Nationalpark ein Leben in freier Wildbahn nicht gewöhnt. Sie haben ihre natürliche Scheu vor dem Menschen abgelegt und können bei einer Begegnung daher unberechenbar reagieren. Sie haben die Vorsicht gegenüber Menschen nie erlernt, denn sie bekommen ihr Futter von ihm und haben regelmäßig Kontakt mit den zahlreichen Besuchern des Freigeheges. Sie können je nach körperlicher Verfassung mit zunehmender Dauer in Freiheit durchaus lernen zu überleben und effektiv zu jagen.

Die Tiere verlernen aber nicht, dass der Mensch mit Nahrung verbunden ist. In Ortsnähe oder an Wildfütterungen, wo leichte Beute zu finden ist, könnte es zu einer für den Menschen gefährlichen Situation kommen. Die Wahrscheinlichkeit für derartige Verhaltensmuster ist bei Gehegewölfen signifikant höher als bei wilden Wölfen. 

Genau diese Gefahr besteht jetzt bei diesen Wölfen. Der Betreiber eines Wolfsgeheges ist für seine Tiere, auch wenn sie entlaufen sind, verantwortlich und haftet für sie. Er kann das Risiko, dass Menschen zu Schaden kommen, nicht zulassen. Gehegewölfe, die nicht nach kurzer Zeit wieder in ihr Gehege zurückgebracht werden konnten, sind in der Vergangenheit deshalb immer getötet worden.

Priorität, Tiere lebend zu fangen

Für die Verantwortlichen hat es absolute Priorität, die Tiere lebend zu fangen: Dazu haben sie Unterstützung aus den Nationalparks Šumava und Berchtesgaden organisiert und Lebendfallen ausgebracht. Außerdem sind permanent doppelt besetzte Streifen mit Narkose- und Jagdgewehren im Einsatz. Der Einsatz von Lebendfallen und Narkosegewehren ist jedoch extrem schwierig. So machen schon geringste Windgeschwindigkeiten einen Treffer mit dem Narkosegewehr bei 20 bis 30 Meter Entfernung nahezu unmöglich. Mit dem Abschuss des Pfeils ist darüber hinaus ein Geräusch verbunden, auf welches das beschossene Tier reagiert und je nach Distanz dem Pfeil somit ausweichen kann. Ein Gewehrschuss ist hingegen noch auf eine Distanz von 100 – 150 Meter gut möglich.

Tierschutz ist absolut sinnvoll und berechtigt. Nur leider hat er in diesem konkreten Fall seine dargelegten Grenzen. Falls man nichts gegen die Gehegewölfe unternimmt, würden Probleme, die durch sie entstehen, den wilden Wölfen zugeschrieben. Die ohnehin geringe Akzeptanz für ein Wolfsvorkommen in Bayern insbesondere bei den Nutztierhaltern würde damit zusätzlich belastet. Es wäre auch nach kurzer Zeit schon sehr schwierig, die wirklich wilden Wölfe von ihren Artgenossen aus dem Gehege zu unterscheiden, so dass ein gezielter Abschuss zunehmend problematischer wird.

Nachdem Wolfsgegner in der Region immer wieder halböffentlich geäußert haben, sie würden Wölfe bedenkenlos „abknallen“, muss auch befürchtet werden, dass die Gehegewölfe als „Alibi“ verwendet werden. Es würde möglicherweise ein wilder Wolf aus dem Rudel im Bayerischen Wald getötet werden, und dann könnte man behaupten, man habe geglaubt, es sei ein Gehegewolf.

Wilde Wölfe zeigen eine natürliche Vorsicht vor Menschen und meiden sie. Der Schutz der Wildpopulation muss losgelöst von der aktuellen Lage mit den entlaufenen Wölfen erfolgen und darf NICHT mit der von freilebenden Wölfen verglichen werden.

Fest steht: Wer auch immer die Wölfe freiließ, hat ihnen mit Sicherheit keinen Gefallen getan. Das ist kein Tierschutz, sondern falsch verstandene Tierliebe.

Weiterführende Links zum Thema

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Dr. Andreas von Lindeiner

0 91 74 / 47 75 - 74 30

von Nicole Friedrich | lbv.de,

Zurück

Alle Nachrichten zum Naturschutz in Bayern

Newsletter