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LBV fordert Alternativen zur Stechmückenbekämpfung

Keine Verlängerung der großflächigen Ausbringung von Bti in Schutzgebieten am Chiemsee – Auswirkungen auf Artenvielfalt unerforscht

Um eine starke Verbreitung von Stechmücken am Chiemsee zu verhindern, wurde diesen Sommer erneut rund um den See das umstrittene Schädlingsbekämpfungsmittel Bti großflächig ausgebracht, und das teilweise sogar in Schutzgebieten. Das Problem dieser Art der Bekämpfung: Neben Stechmücken werden auch andere Insektenarten wie Zuckmücken getötet, was Studienergebnisse der Universität Landau zeigen.

Steckmücke | © Ralph Sturm © Ralph Sturm
Um gegen Stechmücken vorzugehen wird das umstrittene Schädlingsbekämpfungsmittel Bti verwendet

Nachdem Bti seit über 20 Jahren am Chiemsee ausgebracht wird, mangelt es immer noch an Untersuchungen über die Auswirkungen des Schädlingsbekämpfungsmittels auf die Tierarten, die sich von Insekten ernähren.

Einsatz von Bti "absolut inakzeptabel"

Eine Mehlschwalbe am Boden sitzend | © Rosl Roessner © Rosl Roessner
Stechmücken dienen u.a. der Mehlschwalbe als wichtige Nahrungsgrundlage

Seit 1997 wird in Jahren mit vielen Stechmücken in den Überschwemmungsgebieten am Chiemsee mit Hilfe eines Hubschraubers flächenhaft das Schädlingsbekämpfungsmittel Bti ausgebracht.

Besonders Stechmückenarten, die sich während Überschwemmungen stark entwickeln, treten im Sommerhalbjahr massenhaft auf. Deshalb dienen sie als wichtige Nahrungsgrundlage für Arten, wie zum Beispiel Mehlschwalbe, Gelbbauchunke und Renke. Forschungsergebnisse der Universität Landau von 2016 zeigen, dass durch Bti auch andere Mückenarten, wie die Larven der nicht stechenden und harmlosen Zuckmücken, in großen Zahlen vernichtet werden.

So stellen Mückenlarven für viele junge Fische die Hauptnahrungsquelle dar. „Für den LBV ist der beantragte, weitere Einsatz von Bti in den betroffenen Naturschutzgebieten Mündung Tiroler Achen, europäisches Natura-2000-Gebiet Chiemsee, Vogelschutzgebiet Chiemseegebiet mit Alz sowie dem international bedeutsamen Ramsar-Schutzgebiet absolut inakzeptabel“, betont Helmut Beran, Geschäftsführer des LBV.

Alternativen müssen geprüft werden

„Aufgrund der in den letzten Jahren bekanntgewordenen Erkenntnisse über das dramatische Arten- und Insektensterben und der neu gewonnenen direkten
Auswirkungen von Bti auf andere Mückenarten wie die Zuckmücke, müssen die früheren Genehmigungsgrundlagen von 2010 für die anstehende Verlängerung überarbeitet werden“, fordert auch Sabine Pröls, Leiterin der LBV Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach.

„Hierbei müssen neue Erkenntnisse und Gefahren für die Arten- und Insektenvielfalt berücksichtigt und Alternativen dringend geprüft werden“, so Pröls weiter. Klärende Begleitstudien zu Arten, die möglicherweise ebenfalls von einem Bti-Einsatz negativ betroffen sind, sind außerdem unersetzlich.

CO2-basierte Mückenfallen

Gelbbauchunke sitzt auf Moos von der Seite fotografiert |© Andreas Hartl © Andreas Hartl
Auch die Gelbbauchunke ernährt sich von Stechmücken

Wir sprechen uns deshalb vehement gegen die Ausbringung von Bti in den verschiedenen Schutzgebieten am und um den Chiemsee aus.

„Wir verstehen das Anliegen gegen die teilweise erheblichen Stechmückenplagen vorgehen zu wollen, vor allem in Bezug auf den Tourismus und die einheimische Bevölkerung“, so Sabine Pröls. Als Alternative befürwortet der LBV deshalb die ökologisch wesentlich verträglicheren CO2-basierten Mückenfallen.

Diese werden vor allem an Orten aufgestellt, an denen Mücken den Menschen plagen, wie im Strandbad, im Biergarten oder auf dem Sportplatz. Die Mückenfallen locken nur weibliche Stechmücken an, die vor allem auf das Kohlenstoffdioxid des Menschen reagieren. „Darüber hinaus findet ein derartiger Eingriff nicht in Schutzgebieten statt, in dem Stech- und Zuckmücken die Nahrungsbasis für zahlreiche Arten sind. Außerdem würde der Hubschraubereinsatz in sensiblen Gebieten während der Brut- und Aufzuchtzeit vermieden werden“, weist Pröls hin.

Wie wichtig der bayerischen Bevölkerung eine vielfältige Natur ist, hat das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt gezeigt. Die bayerische Staatsregierung hat damit einen Gesellschaftsvertrag für mehr Artenvielfalt geschlossen, der auch den Einsatz von Pestiziden verringern soll.

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