Klima- und Biodiversitätskrise zusammen lösen

Es braucht regionale Klimaschutzmaßnahmen, um die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur in Bayern abzufedern

Brennende Regenwälder, schmelzende Pole, verheerende Hurrikans – in der Berichterstattung zur Klimakrise werden häufig Extremstandorte gewählt, um die Folgen der Erderwärmung am eindrucksvollsten zu illustrieren. Doch der Klimawandel trifft auch die Biologische Vielfalt in Bayern.

Trauerschnäpper auf Ast | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Auch für den Trauerschnäpper kommt der Gipfel an Nahrungsangebot für seine Nestlinge zu früh

Zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten wie Alpenschneehuhn und Edelweiß werden den drohenden Verlust ihrer Lebensräume nicht überleben. Die Klimakrise und der Verlust der Biologischen Vielfalt bilden eine Zwillingskrise  – sie hängen untrennbar miteinander zusammen und müssen gemeinsam gelöst werden.

Anlässlich des Globalen Klimastreiks von Fridays For Future fordern wir deshalb die Bayerische Staatsregierung dazu auf, die Klimakrise und das Artensterben endlich wieder an die Spitze ihrer politischen Agenda zu setzen. Dabei muss der Kohlenstoffspeicher in Lebensräumen, insbesondere Mooren, neben Energiesparen und der Förderung regenerativer Energien noch stärker berücksichtigt werden.

Wechselwirkungen innerhalb von Lebensräumen

Alpenschneehuhn (weiblich) an Berghang im Frühjahr | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Kaum noch adäquate Brutgebiete für Kälteliebende Arten wie hier das Alpenschneehuhn

Beispiele für gefährdete Arten gibt es auch in Bayern zuhauf. Kälteliebende Arten wie Alpenschneehuhn, Bergpieper und Schneesperling finden selbst in den Alpen mittlerweile kaum noch adäquate Brutgebiete vor. In unseren Flüssen setzt die Klimaerwärmung heimischen Fischarten wie Äsche, Nase und Huchen zu, die an niedrige Wassertemperaturen angepasst sind und die Aufheizung unserer Fließgewässer nicht überleben.

Doch nicht nur einzelne Arten, auch ganze Ökosysteme sind vom Klimawandel betroffen: „Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, vor allem aber auch Wechselwirkungen innerhalb von Lebensräumen, kommen durch den Klimawandel ins Ungleichgewicht – man denke da nur an Blüten und ihre Bestäuber oder Räuber und ihre Beutetiere“, erklärt der LBV-Landesfachbeauftragter Dr. Andreas von Lindeiner.

Höhere Jugendsterblichkeit und weniger Bruterfolg

Durch die Klimaerwärmung kommt es vermehrt zum „Missmatch“, zur zeitlichen Entkoppelung vieler durch die Evolution aufeinander abgestimmter Abläufe in der Natur. Von Lindeiner illustriert dieses Phänomen anhand eines Beispiels aus der Gartenwelt: „Für gewöhnlich sind Fortpflanzungszeiten so angepasst, dass die Jungen dann geboren werden, wenn das Angebot an Nahrungsorganismen am höchsten ist. So kommt zum Beispiel für Buntspechte und Trauerschnäpper der jährliche Gipfel kleiner Raupen als Nestlingsnahrung jedoch mittlerweile zu früh und fällt nicht mehr mit der größten Zahl hungriger Nestlinge zusammen. Eine höhere Jungensterblichkeit und weniger Bruterfolg sind die Folge.“

Wirkungsvolle Maßnahmen

Flachwasser im Herbst | © C. Stoll © C. Stoll
Wiedervernässung von Mooren bietet uns in Bayern die Möglichkeit, effiziente CO2-Senken zu schaffen

Das Artensterben verweist uns jedoch nicht auf die Zuschauerränge – auch in Bayern können wir wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, um die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Tier- und Pflanzenwelt abzufedern. So spricht sich der LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer für den Moorschutz und die Moorregenerierung als essentielle Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel aus.

Moore als CO2 Speicher

 Torfmoore speichern zweimal so viel Kohlenstoff wie die weltweite Wald-Biomasse. Das ist Fluch und Segen zugleich: Durch die Entwässerung und Ausbeutung von Torfmooren wird der gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt und trägt zum Treibhauseffekt bei. „Aus trockengelegten Mooren entweichen alleine in Bayern alljährlich über fünf Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Doch die Wiedervernässung von Mooren bietet uns in Bayern die Möglichkeit, effiziente CO2-Senken zu schaffen, die Kohlenstoff jahrhundertelang speichern können.“ Dabei sei die Moorrenaturierung ein gutes Beispiel für die Synergie aus Klima- und Artenschutz: „Der Moorschutz kommt nicht nur dem globalen Klima zugute, sondern gleichzeitig unseren heimischen Feucht- und Wiesenbrütern“, so Schäffer

Hintergrund

Bergpieper auf einem Stein | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Auch der Bergpieper gehört zu den bedrohten Arten

Ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft – über Jahrtausende hinweg haben sich Tier- und Pflanzenarten an ihren Lebensraum angepasst. „Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten haben sich im Laufe der Evolution auf sehr enge ökologische Nischen spezialisiert“, erklärt Dr. Andreas von Lindeiner. Was den Arten unter gleichbleibenden Bedingungen einen evolutionären Vorteil verschafft, kann sich im Rahmen des Klimawandels gegen sie wenden: „Insbesondere die K-Strategen, also die Arten, die nur wenige Nachkommen produzieren, können sich oft nicht an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. Sie müssen in neue Lebensräume ausweichen. Wo dies nicht möglich ist, stirbt die Art aus“, so der Biologe weiter. Laut dem Artenschutz-Report des Bundesamts für Naturschutz werden in den nächsten Jahrzehnten zwischen fünf und 30 Prozent der bislang heimischen Arten aus Deutschland verschwinden.

 Aktueller Hinweise

In der neuen Ausgabe des stern – #keinGradweiter, die zusammen mit Fridays For Future erstellt wurde, hat der LBV zusammen mit neun weiteren Naturschutzverbänden, einen offenen Brief mit Forderungen zum Weltklimatag am 25. September veröffentlicht.

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