Der Klatschmohn - Pflanze des Jahres 2017

Schirmart für unbekanntere, stärker bedrohte Ackerwildpflanzen

Klatschmohn auf einer hügeligen Wiese | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Der Klatschmohn ist Pflanze des Jahres 2017 und steht als Schirmart für alle Ackerwildpflanzen

Die hübschen roten Flecken in den Getreidefeldern können die meisten unter uns benennen: Mohn, genauer gesagt Klatschmohn. Besonders auf Getreidefeldern wächst dieser gern, genauso wie die bekannte Kornblume. Doch diese hübschen Farbkleckse auf unseren Äckern werden immer seltener. Die Loki-Schmidt Stiftung ernannte den Klatschmohn darum stellvertretenden für alle 350 Pflanzenarten, die auf bewirtschafteten Äckern wachsen, zur Pflanze des Jahres. So steht der Klatschmohn als Schirmart für unbekanntere, zum Teil viel stärker bedrohte Ackerwildpflanzen.

Ackerwildkräuter als Erbe unserer Kulturgeschichte

Viele Kornblumen und eine Klatschmohnpflanze auf einer Wiese | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Klatschmohn und Kornblumen im Getreidefeld

Unsere Ackerwildkräuter können als ein Erbe unserer Kulturgeschichte angesehen werden. Sie haben sich im Laufe der Landnutzungsgeschichte an unsere landwirtschaftlichen Praktiken angepasst. Der Klatschmohn kam beispielsweise vermutlich schon 4.500 v. Chr., also in der Jungsteinzeit, gemeinsam mit Getreide aus Eurasien und Nordafrika zu uns.

Seitdem sich allerdings unsere Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten immer stärker und schneller veränderte, gehen die Ackerwildkräuter stark zurück. Hauptgründe hierfür sind die intensive Düngung armer Böden, die Bereinigung des Saatgutes, chemische Unkrautbekämpfung, Nutzungseinstellung ertragsarmer, extensiver Ackerflächen sowie Änderung der Anbauverhältnisse (zum Beispiel der Fruchtfolge) und neue Saat- und Erntetechniken. Auch werden alte Saatkulturen wie Lein immer weniger angebaut, wodurch auch deren begleitende „Unkräuter“ nahezu verschwunden sind. An diese rapiden Veränderungen konnten sich die wenigsten Arten anpassen.

Nur 20 von 350 Ackerwildpflanzen problematisch

Konrade | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Schon fast ausgestorben: Die Konrade

Durch diese Veränderungen wurden darum seit 1950 bei den Arten und den Pflanzengemeinschaften der Äcker Verluste von über 25% verzeichnet. Dabei sind nur 20 der 350 Ackerwildkräuterarten „echte“ Problempflanzen in der Landwirtschaft. Diese Arten erschweren die Ernte oder sind zum Teil giftig. Aber bei der Bekämpfung dieser Arten leiden auch die anderen „unschädlichen“ Arten mit. Dabei sind Äcker flächenmäßig ein wichtiges Ökosystem in Deutschland. Rund 30% der Landesfläche sind landwirtschaftlich genutzt und die 350 dort vorkommenden Arten stellen 10% der mitteleuropäischen Gefäßpflanzen dar.

Der Rückgang dieser Vielfalt bedroht unsere Bestäuber und andere Nutzinsekten. Gerade der Klatschmohn ist eine ergiebige Pollenquelle und Nutzinsekten wie Spinnen, die auf solchen Pflanzen leben, können helfen, landwirtschaftliche Schädlinge wie Blattläuse in Schach zu halten.

Der Klatschmohn steht darum im Jahr 2017 stellvertretend für den Verlust der Artenvielfalt im Landbau und dessen Folgen. Er selbst ist noch nicht gefährdet. Andere wie die Kornrade (Agrostemma githago) oder das Flammen-Adonisröschen (Adonis flammea) sind schon fast ausgestorben.

Der LBV hat sich daher seit langem für die Ackerwildkrautflora eingesetzt, so ist der LBV auch im Projekt Hundert Äcker für die Vielfalt aktiv, führte ein Projekt zur Sicherung der Kornrade im Bayerischen Wald durch oder erwirbt Äcker mit wertvoller Wildkrautflora.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

Zurück

Alle Nachrichten zum Naturschutz in Bayern

Newsletter