Haben Eichhörnchen nach dem Hitzesommer ein Problem?

Schwankungen im Futterangebot sind normal

Verhungern unsere Eichhörnchen infolge des Hitzesommers? Derzeit machen in sozialen Netzwerken Aufrufe zur Zufütterung die Runde. Eine akute Gefahr, dass Eichhörnchen heuer keine Wintervorräte anlegen können oder im Winter verhungern werden sehen wir momentan nicht.

Eichhörnchen auf einem Ast | © A. Schäfer © A. Schäfer

Wir haben dieses Jahr ein Mastjahr mit reichlich fruchtenden Waldbäumen z.B. Eicheln und Bucheckern. Auch Wal- und Haselnüsse gibt es vielerorts reichlich, aber in manchen Regionen sind gehäuft verdorrte Samen in den Nüssen feststellbar, so dass sie nicht als Nahrung geeignet sind. Wechselnde Samenernten bei bestimmten Baumarten mit guten und schlechten Jahren sind übrigens völlig normal im natürlichen Zyklus des Waldes.

Flächendeckende Fütterung weder sinnvoll noch leistbar

Eichhörnchen am Futterhaus | © ClaudiaBecher © ClaudiaBecher

Allerdings sind Eichhörnchen Waldbewohner, die sich im Winterhalbjahr überwiegend von Baumsamen (wie Fichte, Kiefer) ernähren und nur saisonal im Herbst Nüsse und Bucheckern nutzen. Teilweise wird das herbstliche Samenangebot auch in Verstecken eingelagert, aber diese Verstecke mache nur einen geringen Teil in der Winter-Ernährung aus.

Zudem sind Eichhörnchen flexibel in der Nahrungswahl und können sich auch von Baumknospen, Pilzen etc. ernähren, wenn die Samen knapp werden.

Aus Sicht des Artenschutzes ist eine flächendeckende Zufütterung des Waldbewohners Eichhörnchen weder sinnvoll noch leistbar. Schwankungen im Nahrungsangebot sind völlig normal und führen zu alljährlichen Schwankungen des Eichhörnchenbestandes (aber Schwankungen im Baumsamenangebot werden oft nicht von der Öffentlichkeit, sondern nur von Fachleuten wahrgenommen).

Zufütterungen in Gärten und Anlagen können bei offensichtlichem Mangel an natürlicher Nahrung kurzfristig Abhilfe schaffen, aber keineswegs den Gesamtbestand retten.

Futterstellen ermöglichen jedoch Naturbegegnungen und Beobachtungen.

Bei Zufütterung sollten Sie beachten:

Dunkelbraunes Eichhörnchen auf einem dicken Ast | © Angela Maurer © Angela Maurer

Es sollten nur geeignete Futtergeräte (Futterautomaten für Eichhörnchen) sowie geeignetes hochqualitatives Futter (aus dem Fachhandel) verwendet werden. Ideal sind Nüsse, Sämereien und Sonnenblumenkerne. Eine reine Erdnuss-Diät ist für Eichhörnchen ungeeignet und schädlich.

Futterplätze und Wasserstellen müssen sauber gehalten, d.h. regelmäßig gereinigt und das Trinkwasser täglich erneuert werden.

Jede Art von Fütterung birgt auch Risiken und Unannehmlichkeiten wie Krankheitsübertragung unter den Futterstellenbesuchern oder das Anlocken ungebetener Gäste wie Mäuse, Ratten oder Waschbären. Fütterung kann meistens nicht selektiv für nur eine Tierart erfolgen.

Keinesfalls sind das massenhafte Absammeln und Einlagern von Nüssen und Samen aus der freien Natur zu empfehlen. Auf diese Weise wird anderen wildlebenden Tieren wie Bilchen oder Vögeln ihre natürliche Nahrungsgrundlage entzogen.

Eine wesentlich wichtigere und nachhaltigere Hilfe für Eichhörnchen und andere Tiere ist die naturnahe Gestaltung von Gärten und Anlagen mit Bäumen, Sträuchern, Haselnussbüschen, Quartier- und Versteckangeboten.

Dem Waldbewohner Eichhörnchen geht es in naturnah bewirtschafteten Wäldern besonders gut, wenn ihm dort eine Mischung unterschiedlicher samen-tragender Baumarten in verschiedenen Altersklassen zur Verfügung stehen.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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