LBV freut sich über Goldschakal in Bayern

Bedauerliche Gewissheit durch Verkehrsunfall – Einzeltiere kommen auf natürlichem Weg nach Bayern

Goldschakal | © Flickr/tontantravel (https://www.flickr.com/photos/tontantravel/) © Flickr/tontantravel (https://www.flickr.com/photos/tontantravel/)
Ein Goldschakal wurde in Freising von einem Auto überfahren (Symbolfoto)

Nachdem das Landesamt für Umwelt ein Mitte Mai bei einem Wildunfall an der A9 im Landkreis Freising „wolfsähnliches Tier“ eindeutig als Goldschakal identifiziert hat, freut sich der LBV über den Nachweis. Der Goldschakal gehört neben dem Marderhund und Wolf zu den Wildhunden und tritt in Mitteleuropa nur sehr selten auf. Aus Bayern gibt es bisher nur einen sicheren Nachweis aus dem Jahr 2012, als ein Tier im Nationalpark Bayerischer Wald von einer Wildtierkamera aufgenommen wurde. „Sollten in Zukunft tatsächlich öfter Goldschakale auf natürlichem Weg nach Bayern finden, wäre das eine interessante Entwicklung“, erklärt der LBV-Biologe Dr. Thomas Rödl.

Das Hauptverbreitungsgebiet des Goldschakals liegt in Südosteuropa, Asien und Afrika, von wo aus immer wieder Einzeltiere bis nach Mitteleuropa wandern. Diese sind normalerweise scheu und schwer zu sehen. „Einen Goldschakal in der freien Natur zu beobachten ist ein echtes Erlebnis und kommt bei uns einem absoluten Glücksfall gleich“, so Rödl. Auf den ersten Blick kann der Goldschakal sowohl einem Wolf als auch einem Fuchs ähnlich sehen, doch ist sein Gesicht spitzer als beim Wolf und er besitzt eine goldgelbe und rötliche Fellfärbung. Anders als bei Wolf und Fuchs ist nichts darüber bekannt, dass der Goldschakal früher in Deutschland heimisch war. Die Bayern nächstgelegenen regelmäßigen Vorkommen liegen in Oberitalien, Ostösterreich und Ungarn.

„Die bei uns auftretenden Tiere sind Ausnahmefälle von weit umherstreifenden Einzeltieren“, erklärt Thomas Rödl. „Für den Menschen stellen sie keinerlei Gefahr dar.“ Ob künftig häufiger durchwandernde Einzeltiere aus dem südosteuropäischen Verbreitungsgebiet bei uns auftauchen können, wird unter Fachleuten diskutiert. „Wie beim Wolf handelt es sich dabei um Ausbreitungsbewegungen, die von den Tieren selbst, also ohne menschliches Zutun, initiiert werden“, sagt der LBV-Biologe. Im Gegensatz zum Goldschakal war sein größerer Verwandter, der Wolf, jedoch früher überall in Deutschland heimisch.

Eine weitere Art aus der Gruppe der Hundeartigen, die man in Deutschland beobachten kann, sind Marderhunde. „Anders als bei Wolf und Goldschakal waren Marderhunde bei uns niemals heimisch und sind auch nicht durch natürliche Ausbreitungen zu uns gekommen“, so Rödl. Die bei uns in manchen Regionen vorkommenden Marderhunde gehen, wie auch die sich ausbreitenden Waschbären, auf Tiere zurück, die freigelassen und absichtlich angesiedelt wurden.

Mit nur 8-12 kg Körpergewicht sind Goldschakale wesentlich kleiner und zierlicher als Wölfe. Viele der Tiere weisen ein goldgelbes Rückenfell auf, das der Art ihren Namen verlieh (goldener „Shigal“ = persisch für Schakal). Goldschakale leben in strukturreichen, eher offenen Landschaften und meiden große, geschlossene Wälder. Sie sind als Allesfresser nicht sehr wählerisch und fressen von Insekten über Kleinsäuger auch tote Tiere und Fleischabfälle, sogar pflanzliche Kost. Im Antiken Ägypten wurde die Gottheit Anubis mit dem Schakalkopf als Gott der Toten und Wächter der Gräber verehrt.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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