Statements der Teilnehmenden (alphabetische Auflistung nach Institution):
Dr. Norbert Schäffer, Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), Vorsitzender:
„Gletscher sind wie ein Fieberthermometer für unseren Planeten. Sie zeigen uns unmissverständlich die Auswirkungen der Klimakrise an. Wenn es immer weniger Schneeflächen gibt, geraten spezialisierte Arten wie das Schneehuhn unter Druck. Sie müssen sich in immer höhere Lagen zurückziehen, verlieren dabei stetig Lebensraum, und drohen am Ende ganz zu verschwinden. Der Rückgang der Gletscher ist ein Alarmsignal, das wir nicht länger ignorieren dürfen.“
Ronja Endres, BayernSPD, Landesvorsitzende:
„Die Alpen bieten Erholung für Millionen und sichern zugleich Arbeitsplätze in der Region. Wer ihren Schutz lockert, gefährdet beides. Unser Ziel ist ein Tourismus, der auf Natur und Menschen Rücksicht nimmt. Nicht kurzfristiger Profit, sondern langfristiger Wert zählt.“
Friedl Krönauer, BUND Naturschutz (BN), Leiter des Landarbeitskreises Alpen
„Unsere Bergwelt ist ein Geschenk der Schöpfung, sie ist Lebens- und Rückzugsraum für uns Menschen, aber auch für die Natur. Zudem ist der gesamte Alpenraum für Millionen Menschen von existenzieller Bedeutung als Wasserspeicher. Wenn die Bayerische Staatsregierung nun unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus einen Ausverkauf der Alpen nur für Partikularinteressen vorantreiben will, verkennt sie die aktuelle Situation der Alpen angesichts der Klimaerhitzung und der damit verbundenen Berggefahren. Es ist höchste Zeit für eine Weichenstellung zu einem nachhaltigen Tourismus im Interesse von Natur, Umwelt und vor allem der hier lebenden Menschen. Gesellschaft und Politik müssen die Alpen in ihrer Schönheit und Unverfügtheit als Erholungs- und Erfahrungsraum für uns, aber insbesondere unsere Kinder und Enkel, erhalten.“
Katharina Schulze, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL, Fraktionsvorsitzende:
„Wenn Bayerns Gipfeln wanken, dann wankt auch das Fundament unserer Heimat. Die Staatsregierung müsste längst im Alarmmodus sein, doch stattdessen tut sie immer noch so, als könne man den Klimawandel mit Nichtstun aussitzen. Wir brauchen endlich entschlossenes Handeln. Unsere Gletscher sind verloren, aber die Maßnahmen, die wir jetzt in die Wege leiten, entscheiden darüber, wie lebenswert unser Alpenraum für uns und kommende Generationen bleibt. Das ist jetzt vielleicht die letzte Chance, den Schaden noch zu begrenzen – nutzen wir sie.“
Max Deisenhofer, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL, Sprecher für Sport:
„Allein seit 2020 hat sich die Jahresmitteltemperatur in den Alpen um ein Grad erhöht – und das spüren wir ganz gewaltig. Gegen steigende Temperaturen, Extremwetter und Wasserknappheit können wir nicht unbeirrt beschneien. Wer die Berge liebt, muss endlich ernst machen mit dem Klimaschutz.“
Christian Hierneis, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL, Sprecher für Umwelt:
„Die einzigartige Natur und die herausragende Artenvielfalt unserer Alpen stehen massiv unter Druck: Bebauungen, immer neue Skigebiete mit Seilbahnen und Beschneiungsanlagen und der Klimawandel schränken den Lebensraum von vielen, mittlerweile oft selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten massiv ein oder verdrängen sie ganz. Wir wollen die Natur und damit die Schönheit und Attraktivität unserer wunderbaren Alpen bewahren.“
Christian Zwanziger, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL, Sprecher für Tourismus:
„Seit Jahren fordern wir ein Ende der Förderung klimaschädlicher Beschneiungsanlagen – doch noch immer fließen Steuergelder in Schneekanonen. Mit der anstehenden Fortschreibung der Richtlinie muss die Staatsregierung endlich umsteuern und klare Prioritäten für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und naturverträglichen Ganzjahrestourismus setzen. Kein Steuergeld für Schneekanonen!”
Axel Doering, CIPRA Deutschland, Präsident:
„Rettet die Berge bedeutet: schützt die Alpenbewohner. Touristenansturm und Klimawandel sind existentielle Herausforderungen. Deshalb müssen wir die Schutzmechanismen stärken und dürfen nicht unter dem Vorwand ,Bürokratieabbau‘ Umweltverträglichkeitsprüfungen etc. schwächen.“
Christine Busch, CIPRA Deutschland, Geschäftsführerin:
„Mit Unterzeichnung der Alpenkonvention haben wir uns zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Alpen verpflichtet. Mit den aktuellen politischen Entwicklungen wie dem Modernisierungsgesetz oder der Seilbahnförderrichtlinie wird die Politik dieser Verpflichtung nicht gerecht. Der Schutzstatus der Alpen muss erhalten bleiben, um weitere Verluste von Arten und Biotopen zu verhindern und die bereits eingetretenen Folgen des Klimawandels zu begrenzen.“
Prof. Dr. Wilfried Hagg, Glaziologe, Hochschule München:
„Bayern hat in diesem Jahrtausend zwei Drittel seiner Gletscherfläche verloren. Es ist bereits heute so warm, dass auch das restliche Eis bald verschwinden wird. Wir sollten uns trotzdem um bestmöglichen Klimaschutz bemühen, damit weltweit möglichst viele Gletscher erhalten bleiben und ihre Funktion als Wasserspeicher erfüllen können. Andernfalls drohen vielerorts niedrige Flusspegel und Überflutungen an Küsten.“
Gotlind Blechschmidt, Mountain Wilderness Deutschland, Vorständin:
„Gletscher gehören zu den eindrucksvollsten Wildnisgebieten der Erde. In den Alpen werden sie wie hier an der Zugspitze in den nächsten Jahrzehnten weitgehend verschwunden sein. So lange wie möglich sollten sie für die nächsten Generationen erhalten bleiben, damit auch diese auf ihnen einmalige Wildniserfahrungen sammeln können. Dazu ist neben dem klimapolitischen Umdenken strikter Gletscherschutz notwendig.“
Thomas Müller, Trainer Nordische Kombination, Olympiasieger im Team 1988:
„Die Klimakatastrophe stellt den Wintersport vor enorme Herausforderungen. Deshalb muss der Spitzensport eine Vorbildfunktion in Sachen Nachhaltigkeit und ressourcenschonendem Umgang mit der Natur einnehmen. Der Internationale Skiverband, die FIS, muss da aktiv und konsequent vorangehen. Tut er das nicht, wird der ,Geruch von Pulverschnee‘ nur noch eine vage Erinnerung sein.“
Christine Eben, NaturFreunde Bayern e.V., stv. Landesvorsitzende:
„Für uns NaturFreunde sind neben den ökologischen Aspekten die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Bergsport und den Tourismus von zentraler Bedeutung. Das Abschmelzen der bayrischen Gletscher führt eindringlich vor Augen, dass der Freistaat Bayern alle seine Möglichkeiten ausschöpfen muss, um die Alpen als attraktiven Erholungsraum zu erhalten, zum Beispiel durch eine effektive, zukunftsweisende Förderpolitik.“
Tobias Ruff, ÖDP Bayern, Landesvorsitzender:
„Die Berge sind kein Gewerbegebiet und keine Event-Arena! Sie brauchen gerade in Zeiten des Klimawandels besonderen Schutz!“
Mats Mosel, Protect our Winters (POW) Germany, General Coordinator:
„Die rasante Gletscherschmelze in den Alpen zeigt eindrücklich, wie sehr sich der menschengemachte Klimawandel direkt vor unserer Haustür auswirkt. Deshalb setzen wir uns für eine klimagerechte Zukunft auf einem lebenswerten Planeten mit Outdoor- und Bergsport ein!"