Gigantisches Bike-Valley in Balderschwang geplant

Bike-Park nahe Riedberger Horn könnte größter Deutschlands werden – Farce des „naturnahen Tourismus“ geht weiter

Nach dem beabsichtigten Bau eines Schneiteichs im sensiblen Moorgebiet bei Grasgehren soll es nun auch der anderen Balderschwanger Talseite in Sichtweite des Riedberger Horns an den Kragen gehen. So liegen dem LBV aktuell Pläne zum Bau eines gigantischen Bike-Parks am Gelbhansekopf / Balderschwang vor. Geplant ist der Trassenausbau von mindestens 25 Kilometern für Mountainbikes.

Gelbhansekopf bei Balderschwang | © LBV © LBV
Der Gelbhansekopf ist links von Balderschwang zu sehen

Die Räder könnten dazu mit der bestehenden Seilbahn transportiert werden. „Das Vorhaben ist unfassbar“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV, „Die Staatsregierung hat erst vor kurzem für die Förderung eines naturverträglichen Öko-Tourismus den Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein 20 Millionen Euro Förderung in Aussicht gestellt“.

Diese Zusage erteilte Ministerpräsident Söder, nachdem er der umstrittenen Skischaukel am Riedberger Horn im April eine Absage erteilt hatte. Mittels des angekündigten 5-Punkte-Plans sollte, vor allem durch die Förderung des naturverträglichen Tourismus, die Region zu einem „Natur-Meilenstein mit enormer Strahlkraft“ ausgebaut werden.

In keinster Weise mit sanftem, naturnahem Tourismus vereinbar

Nach unseren Informationen sind zur Errichtung des „Bike-Parks“ von einem privaten Investor größere Baumaßnahmen auf labilem Boden geplant. „Fast 100 Prozent der Flächen am Gelbhansekopf sind Schutzwald, Moore oder andere besonders geschützte Biotope, die einfach überbaut werden sollen“, so Schäffer.

Wir befürchten, dass auch regelmäßig außerhalb der vorgeschlagenen Abfahrtsrouten gefahren wird und flächendeckende Störungen der scheuen Raufußhühner, wie Auerhuhn und Birkhuhn, erfolgen. Dies zeigt sich bereits in anderen Gebieten mit deutlich kleineren Anlagen, wie zum Beispiel am Imberger Horn. „Eine weitere Planung, die neben dem neuen Speicherbecken für die Kunstschneeproduktion im Skigebiet Grasgehren, aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch ist“, erklärt der LBV-Vorsitzende.

Für uns ist das Vorhaben in keinster Weise mit den Zielen eines sanften, naturnahen Tourismus vereinbar. So könnte doch eine Art „Disneyland“ entstehen, das Ministerpräsident Dr. Markus Söder im Großraum Riedberger Horn eigentlich nach eigener Aussage verhindern wollte.

Skandalös ist außerdem, dass für die Umsetzung des Bike-Valleys zusätzliche Fördergelder der Tourismusförderung über das Bayerische Wirtschaftsministerium abgerufen werden könnten.

Update [30.08.2018]

Am Montag, dem 27.08.2018, hat sich LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer mit Bürgermeister Kienle und Herrn Fischer von der Liftbetreibergesellschaft zu einem konstruktiven Gespräch in Balderschwang getroffen. Dabei konnte geklärt werden, dass es sich bei den Plänen für den Bike-Park vorerst nur um eine Idee und kein konkretes Projekt handelt. Ein Bike-Park in dieser Größenordnung wird so nicht kommen, wurde dem LBV zugesichert. „Es ist die Aufgabe eines Naturschutzverbands wie des LBV, die Öffentlichkeit auf solche Planungen hinzuweisen. Gleichzeitig sind wir aber auch bereit für eine Zusammenarbeit und beraten gerne wie das Ziel eines naturverträglichen Tourismus am Riedberger Horn umgesetzt werden kann“, so der LBV-Vorsitzende.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

Zurück

Alle Nachrichten zum Naturschutz in Bayern

Newsletter

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) ist mit Freistellungsbescheid des Zentral-Finanzamtes Nürnberg, Steuer-Nr. 241/109/70060, als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt und gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Mehr