Erste Online-Delegiertenversammlung in 111 Jahren

LBV feiert erfolgreiches Debut einer landesweiten virtuellen Jahreshauptversammlung – Wissenschaft auch bei Zwillingskrise wichtig

Zum ersten Mal in seiner 111-jährigen Geschichte hat der Naturschutzverband LBV seine jährliche Delegiertenversammlung virtuell durchgeführt. Die ursprünglich an diesem Tag mit über 300 Teilnehmer*innen aus ganz Bayern in Straubing geplante Veranstaltung hatte der LBV bereits vor mehreren Wochen aufgrund der unsicheren Entwicklungen durch die Corona-Pandemie zu einer digitalen Veranstaltung umgewandelt.

Starbildschirm LBV Delegiertenversammlung 2020
Der LBV hat seine 2020 ursprünglich in Straubing stattfindende Jahreshauptversammlung in eine virtuelle Veranstaltung umgewandelt

An der virtuellen Jahreshauptversammlung nahmen nun rund 250 Delegierte und Gäste teil. In seinem Rechenschaftsbericht betonte der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer unter anderem, wie wichtig es sei, auch zur Bewältigung anderer Krisen zukünftig auf die Wissenschaft zu hören: „Wir folgen den Wissenschaftler*innen zurecht in der Corona-Pandemie, doch beim Artensterben und der Klimakrise ignorieren wir sie. Warum können wir nicht auch beim Kampf gegen diese Zwillingskrise sinnvolle Maßnahmen akzeptieren?“

Wir brauchen so schnell wie möglich verbindliche Regeln im Natur- und Artenschutz

Screenshot Delegiertenversammlung 2020 online
Die erste virtuelle Delegiertenversammlung des LBV war erfolgreich

Neben neuen digitalen Lösungen hat die Corona-Pandemie auch gezeigt, wie sinnvoll und zielführend es ist, sich in Krisenzeiten auf die Einschätzung von Wissenschaftler*innen zu verlassen.

Dieses Vertrauen in die Wissenschaft sollte nicht nur in der Pandemie erfolgen, sondern auch auf die Zwillingskrise von Artensterben und Klimawandel übertragen werden.

„Einen Impfstoff gegen das Corona-Virus wird es irgendwann geben. Einen Impfstoff gegen die Klima- und Biodiversitätskrise werden wir jedoch nie bekommen“, sagt der LBV-Vorsitzende. „Wir haben in dieser Krise gelernt, Verhaltensregeln zu akzeptieren und zu schätzen. Deshalb brauchen wir so schnell wie möglich auch im Natur- und Artenschutz endlich verbindliche Regeln.“

Sorge um ansteigenden Flächenverbrauch in Bayern

Strengere Regeln forderte Schäffer auch im Umgang mit dem täglichen Flächenverbrauch in Bayern. Er warf der Staatsregierung in diesem Punkt eindeutiges Versagen vor, bei ihrem Versuch, diesen einzudämmen. „Mit 10,8 Hektar pro Tag im Jahr 2019 blieb die Politik klar unter ihrer Zielvorgabe aus dem Koalitionsvertrag von fünf Hektar.“

Interesse an Natur ist merklich angestiegen

Wiedehopf am Fenster | © Martina Lautenschläger © Martina Lautenschläger
Die Menschen haben dieses Jahr genau hingesehen, was in ihrem Garten herumfliegt. So kam es in diesem Jahr zu vielen Sichtungen von Wiedehopfen - sogar an Fenstern, Balkonen und Terrassen

Das Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie bedeutete für den LBV, neue Wege als Naturschutzverband zu gehen. „Uns war schnell bewusst, dass unsere Rolle in dieser Krisenzeit darin besteht, eine Brücke zwischen den Menschen zuhause und der Natur vor ihrer Haustüre zu bauen“, betont der LBV-Vorsitzende.

Der LBV entwarf deshalb auch gezielt Angebote für Familien. Darüber hinaus zeigte sich das große Interesse an der bayerischen Natur an über 25.500 naturbegeisterten Teilnehmer*innen an der Stunde der Gartenvögel. 1.000 Meldungen von gesichteten Wiedehopfen in Bayern überwältigten die Artenschützer*innen geradezu.

„Gerade in Krisenzeiten schauen die Menschen genauer hin, was in ihren Gärten fliegt. Wir wissen und können wissenschaftlich belegen, dass Vogelbeobachtung und Naturerlebnisse die Menschen ein Stück glücklicher machen“, so Norbert Schäffer.

Umsetzung des Volksbegehrens Artenvielfalt - Wir schauen genau hin

Ein Jahr nach dem erfolgreichen Volksbegehren Artenvielfalt wird der LBV auch 2021 und darüber hinaus auf die Umsetzung der neuen Gesetze durch die bayerische Regierung achten. „Wir werden ganz genau hinschauen, ob der Wille der Bevölkerung auch tatsächlich umgesetzt wird.

Das Interesse der Menschen an einem besseren Schutz der bayerischen Natur hat nicht nachgelassen“, betont Schäffer. Da dieser beim Streuobstschutz bereits ausgehebelt wurde, blieb dem LBV keine andere Wahl als Anfang August gegen die neue Verordnung zu klagen.

LBV-Erfolge für Bayerns Natur 2020

Wiesenweihe auf Feld | © Herbert Henderkes © Herbert Henderkes
Der Bestand der Wiesenweihe hat sich dank ehrenamtlichem Engagement in den letzten 20 Jahren verdreifacht

Seit 111 Jahren engagiert sich der LBV für den Naturschutz und die Umweltbildung vor Ort im Freistaat. Der älteste bayerische Naturschutzverband zählt weit über 100.000 Unterstützer*innen.

Die mehreren tausend aktiven LBV-Mitglieder leisten pro Jahr viele hunderttausend Stunden ehrenamtliche Arbeit für den Naturschutz in Bayern.

Dank diesem ehrenamtlichen Engagement hat sich beispielsweise der Bestand der Wiesenweihe in den letzten 20 Jahre verdreifacht.

Auch konnten dieses Jahr zum ersten Mal über 700 Weißstorchenpaare verzeichnet werden.

Zur LBV-Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung ist das Parlament des LBV und tagt einmal jährlich. 72 Kreisgruppen entsenden gewählte Vertreter*innen, welche die große Linie des Verbands diskutieren und inhaltliche Schwerpunkte setzen.

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