Endergebnis Stunde der Gartenvögel PLUS in Bayern 2017

Wenige Spatzen, viele Katzen: Abwärtstrend des Haussperlings in Stadtzentren und Gärten mit viel Katzenbesuch

Auch wenn der Haussperling weiterhin der am häufigsten beobachtete Vogel in Bayerns Gärten bleibt, stagniert sein Bestand und nimmt bayernweit vor allem in den Stadtzentren ab. „Ein Aufschwung beim Spatz ist nicht in Sicht. So ist es im Stadtgebiet von München nur noch eine Frage der Zeit, bis er nicht einmal mehr zu den fünf häufigsten Gartenvögeln zählt“, erklärt Martina Gehret, Citizen-Science-Beauftragte des LBV.

Haussperling mit Nistmaterial auf einer Seite des Bildes, Katze auf der anderen | © Tobias Lindenmeir/Peter Bria © Tobias Lindenmeir/Peter Bria
Gerade in den Stadtzentren hat es der Haussperling immer schwerer

Im gesamten Freistaat wurde der Allerweltsvogel nur noch in zwei Drittel der Gärten beobachtet, wo hingegen die zweitplatzierte Amsel fast überall vorkam. Deshalb startet der LBV ab jetzt eine Folgeumfrage zum Spatz in Bayern. Über 10.000 bayerischen Naturfreunde beteiligten sich dieses Jahr an der gemeinsamen Bürgerforscher-Aktion von LBV und seinem bundesweiten Partner NABU. Nach der Premiere 2005 gab es in diesem Jahr die größte Beteiligung an der „Stunde der Gartenvögel“.

Nicht mal an der Hälfte aller Häuser brüten Haussperlinge

Haussperling auf Ast | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Zwar ist der Spatz in allen bayerischen Regierungsbezirke der meistgezählte Vogel, das Bild ändert sich allerdings, wenn man die Entwicklung des Haussperlings in Stadtzentren wie in Erlangen, Schwabach und Kaufbeuren betrachtet. In Coburg oder Hof liegt er sogar nur noch auf Platz 4 und trauriges Schlusslicht ist wie seit Jahren München mit Platz 5. „Die intensive Bautätigkeit und Flächenversiegelung in den Stadtkernen machen ihm offensichtlich so stark zu schaffen, dass er sich in die Randbereiche zurückzieht“, erklärt Gehret.

Ein wahres Spatzenparadies hingegen ist Neustadt an der Aisch, hier beobachteten die Teilnehmer im Vergleich zu München dreimal so viele Haussperlinge. Kein Wunder, denn dort wurden bayernweit auch die meisten Spatzenhecken und -bruten gemeldet. An zwei Drittel der Neustädter Häuser brüten Haussperlinge. Im gesamten Freistaat hingegen ist das nicht mal mehr an der Hälfte der Häuser der Fall. Auch hier ist München trauriges Schlusslicht, da der Vogel lediglich an jedem zehnten Haus in der Landeshauptstatt eine Wohnung findet.

Immerhin haben bayernweit noch Dreiviertel der Teilnehmer Spatzenhecken in ihrem Garten: ein gutes Zeichen, dass der Lebensraum der Spatzen oft noch vorhanden ist, obwohl es für sie immer weniger Nistmöglichkeiten gibt. „Durch mehr Toleranz für brütende Sperlinge am Haus und dem Anbringen von künstlichen Nisthilfen kann jeder dem Bestandsrückgang der kleinen Vögel entgegenwirken, damit bald wieder in ganz Bayern mehr Spatzen von den Dächern pfeifen“, rät Gehret.

Um genauere Informationen über den Lebensraum der letzten Spatzen in Bayern zu bekommen, führt der LBV jetzt eine weitergehende Folgeumfrage durch, an der sich hier alle Naturfreunde beteiligen können. „Die hohe Beteiligung an der Stunde der Gartenvögel zeigt, dass vielen Menschen der Zustand der Vogelwelt und somit der Natur vor ihre Haustür wichtig ist“, so Martina Gehret weiter.

Katze kommt oft, wenn nicht sogar jeden Tag in Gärten vor

Eine rot und weiß gescheckte Katze sitzt im Vogelhaus | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Gerade im Siedlungsbereich gibt es einen unnatürlich hohen Jagdruck durch Katzen

Neben Vögeln erfasst der LBV bei seiner Mitmachaktion auch das Auftreten von Katzen. So zeigen die Daten, dass fast jeder bayerische Garten oft, wenn nicht sogar täglich Besuch von einer Katze bekommt. Dieser gerade im Siedlungsbereich unnatürlich hoher Jagddruck, der nachweislich allein schon durch die Anwesenheit der Katzen auf die Tierwelt im Garten ausgeübt wird, ist eine Gefahr für Vögel, Insekten, Eidechsen und  Amphibien.

Der LBV empfiehlt deshalb eine abwechslungsreiche Gartengestaltung mit vielen Versteckmöglichkeiten für Gartentiere, um das Zusammenleben zu verbessern. „Zusätzlich bitten wir jeden Katzenhalter dazu beizutragen, die Vermehrung von besitzerlosen und wilden Katzen zu vermeiden und unbedingt die eigenen Tiere kastrieren oder sterilisieren zu lassen“, sagt Martina Gehret weiter. 

Auf den Plätzen 2 (Amsel) und 3 (Star) hat sich zum Vorjahr nichts verändert. Rang 4 hingegen sicherte sich dieses Jahr mit einem guten Vorsprung der Feldsperling. Die Kohlmeise hingegen musste sich mit Platz 5 der bayerischen Vogelcharts begnügen. Obwohl sie somit einen Rang zum Vorjahr verlor, lässt sich ihr winterliches Ausbleiben durch geringen Winterzuzug aus dem Norden und Osten, als auch durch einen schlechten Bruterfolg 2016 erklären. Es folgen wie auch im Vorjahr Blaumeise (6.), Elster (7.) und Grünfink (8.). Die Liste der zehn in Bayern am häufigsten beobachteten Gartenvögel rundet der Buchfink ab.

Alle Endergebnisse können landkreisgenau auf www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de eingesehen werden. Interaktive Karten zeigen, wie sich eine Vogelart an einem ausgesuchten Ort oder Landkreis entwickelt hat.

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© Ralph Sturm

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