LBV & Bayerische Staatsforsten verzeichnen Erfolg beim Artenhilfsprojekt zum bedrohten Böhmischen Enzian

Ein Quadratmeter Hoffnung

Dieses Jahr ist ein wegweisender Erfolg im Artenhilfsprojekt für den weltweit vom Aussterben bedrohten Böhmischen Enzian geglückt. Zum ersten Mal wurden auf einer Probefläche am Dreisessel im Bayerischen Wald über 70 blühende Pflanzen gezählt. Zum Vergleich: Letztes Jahr wurden in ganz Bayern nur insgesamt 72 blühende Exemplare der Art kartiert.

Böhmischer Enzian | © Oliver Wittig © Oliver Wittig
Der Böhmische Enzian ist in seinem Bestand weltweit bedroht

“Ich bin begeistert, dass es uns gemeinsam gelungen ist, dem Böhmischen Enzian wieder Hoffnung zu geben. Die Art ist in seinem Bestand weltweit bedroht und fällt damit in die gleiche Kategorie wie der Schneeleopard - wenn er hier in der Dreiländerregion verschwindet, verschwindet er ganz“, sagt LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer die Situation.

Über 90 Prozent des bayerischen Bestandes des Böhmischen Enzians auf diesem Quadratmeter

Gruppenbild | © Ruth Waas © Ruth Waas
v.l.n.r.: T. Zipp (Projektbetreuer), S. Scholz (BaySF), Dr. N. Schäffer (LBV), G. Lermer (BaySF), Angelika Nelson (LBV), H. Schäfer (BaySF) und M. Müller (Naturparkranger); im Vordergrund die erfolgreiche Probefläche mit blühendem Böhmischen Enzian

Bei einem gemeinsamen Ortstermin am Dreisessel, machten sich die Bayerischen Staatsforsten, der LBV, der Projektbetreuer der Höheren Naturschutzbehörde und der Naturpark Bayerischer Wald einen Eindruck von den Entwicklungen beim Artenhilfsprojekt für den Böhmischen Enzian.

Früher waren manche Wiesen im hinteren Bayerischen Wald ganz blau von blühendem Enzian, erzählen Einheimische. Doch das ist lange her und die Freude daher groß: „Ich habe in den 30 Jahren, in denen ich mich um den Enzian kümmere, noch nie so vitale Pflanzen im Freiland gesehen“, freut sich Thomas Zipp, Betreuer des Artenhilfsprojektes.

Die Probefläche mit dem sensationellen Ergebnis liegt in den höheren Lagen des Bayerischen Waldes am Dreisessel auf einer Fläche der Bayerischen Staatsforsten.

Hier scheinen die klimatischen Bedingungen ideal, sodass die Pflanzen gut und zahlreich wachsen konnten. „Wir haben zurzeit wohl über 90 Prozent des bayerischen Bestandes des Böhmischen Enzians auf diesem Quadratmeter“, erklärt Gudula Lermer, die Leiterin des Forstbetriebes Neureichenau.

30 Jahre Artenhilfsprojekt

Lila Blüte eines Böhmischen Enzians | © Sabine Rösler © Sabine Rösler

Bereits seit 30 Jahren setzt sich die LBV-Kreisgruppe für den Erhalt der seltenen endemischen Pflanze ein. So kommt der Böhmische Enzian nur im Dreiländereck zwischen Bayern, Österreich und Tschechien vor. Gemeinsam mit der Wildlandstiftung, dem Naturpark Bayerischer Wald, der Unteren und Höheren Naturschutzbehörde wurden Flächen gesichert und ein Artenhilfsprogramm gestartet.

Der Bestand der seltenen Schönheit wird seit über zehn Jahren durch gezielte Aussaat unterstützt. Die Samen stammen von in Erhaltungskultur gehaltenen Wildpflanzen.

Doch trotz der Bemühungen konnten sich die Bestände bisher nicht erholen.

Anscheinend waren die ausgesuchten Probeflächen als Lebens- und Verbreitungsraum für den Böhmischen Enzian nicht optimal geeignet. Vor zwei Jahren wurden im Landkreis Freyung-Grafenau auf insgesamt zwölf Flächen Samen des Böhmischen Enzian ausgebracht und intensiv betreut und beobachtet. Während die Erfolge auf allen anderen Flächen relativ mager sind, gedeihen die Enziane auf der Fläche der Bayerischen Staatsforsten am Dreisessel hervorragend.

Der Erfolg könnte den entscheidenden Durchbruch schaffen. Denn: Das Ziel aller Beteiligten ist natürlich von den eng betreuten Probequadraten wegzukommen. Damit der Böhmische Enzian auch auf Naturstandorten langfristig überleben kann.

von Sonja Dölfel | lbv.de,

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