Bayern ist jetzt Wolfsland

Bestätigte Sichtungen werden immer häufiger

Nachdem in den letzten fünf Monaten bayernweit acht Wölfe eindeutig nachgewiesen werden konnten, ist der Wolf nun endgültig im Freistaat angekommen. „Im Hinblick auf den Wolf beginnt ab jetzt ein neues Zeitalter. Er ist da und ist keine Ausnahmeerscheinung mehr, darüber freuen wir uns“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

| © M. Waldhier © M. Waldhier
Bayern muss sich auf den Wolf gut vorbereiten

Hinzu kommt, dass in derselben Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch etliche weitere Tiere unbemerkt geblieben sind. Deshalb kann nicht mehr von Einzelmeldungen gesprochen werden, sondern von einem regelmäßigen Auftreten. Wölfe lassen sich nicht geografisch eingrenzen. Gerade junge Männchen wandern sehr lange Strecken und können mittlerweile jederzeit und überall in Bayern auftauchen. Wir sehen natürlich auch, dass dies zu Schwierigkeiten führen kann. Bayern muss sich deshalb fit für die Rückkehr des Wolfs machen.

Dazu gehört vor allem auch, insbesondere die Schafhalter zu unterstützen, für die Wölfe eine zusätzliche Belastung bringen. Grundsätzlich müssen bayerische Schafhalter ab jetzt in jedem Landkreis auf einen Wolf vorbereitet sein und deshalb alle gängigen Vorsorgemaßnahmen selbst treffen, wie zum Beispiel die Tiere nachts in einem Stall oder einer elektrifizierten Koppel unterzubringen. „Bei regelmäßiger Anwesenheit eines Wolfs, müssen den Schäfern aber endlich auch Beratung und Präventionsmöglichkeiten wie Elektrozäune finanziert werden“, fordert Norbert Schäffer. Denn bei dauerhafter Anwesenheit des Wolfs in Bayern müssen Schafhalter in der Lage sein, ihre Tiere zu schützen, weshalb umgehend Fördermaßnahmen definiert werden müssen. Wichtig ist jedoch, dass die Schäfer auch einen eigenen Beitrag leisten und freiwillig ihre Haltungsbedingungen anpassen. „So müssen sie akzeptieren, dass in Zukunft nicht mehr überall eine Freiweide möglich sein kann“, betont Schäffer.

Schulterschluss von Naturschutz, Jagd und Schäferei

Zwei Wölfe | W. Lorenz W. Lorenz

Für den LBV ist die Forderung einiger Nutzerverbände und Politiker nach „wolfsfreien Zonen“ in Bayern illegal und wäre in der Praxis ohnehin keinesfalls umsetzbar. Geht man nach dem Willen der Bevölkerung, so ist ohnehin ein Großteil (80 Prozent) grundsätzlich positiv zur Rückkehr des Wolfes eingestellt. Das zeigte im vergangenen Herbst die repräsentative Umfrage des bundesweiten LBV-Partners NABU. Bei der Zustimmung zum Wolf gab es auch keinen Unterschied zwischen Bewohnern im städtischen Umfeld und Bewohnern im ländlichen Raum.

Gemeinsam mit anderen Verbänden hat der LBV bereits seit Jahren einen Ausgleichsfonds für Verluste an Weidetieren und Gehegewild aufgelegt, um finanzielle Schäden, die Luchse oder Wölfe anrichten, so wie zuletzt bei Neuhaus (Mfr.), schnell und unbürokratisch ausgleichen zu können. Die bayerischen Fachbehörden arbeiten gemeinsam mit Nutzerverbänden, wie dem Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern, oder Naturschutzverbänden, wie dem LBV, an einem Managementplan Wolf, um auf das Auftreten von Wölfen vorbereitet zu sein. Es wird angesichts der zunehmenden Wolfsnachweise in Bayern dringend Zeit, sich auf eine dauerhafte Ansiedlung vorzubereiten. „Beratung und sofortige Hilfe für betroffene Schäfer ist jedoch nur möglich, wenn die überfällige zweite Stufe des vorliegenden Management Plans nicht mehr blockiert, sondern endlich beschlossen wird“, so der LBV-Chef.

Die breite Abstimmung mit anderen Interessensgruppen ist aus LBV-Sicht entscheidend für ein erfolgreiches Miteinander von Mensch und Wolf. „Deshalb ist es so wichtig, dass beispielsweise auch die Jagdverbände mit im Bündnis sind“, sagt Schäffer. „Wir suchen den Schulterschluss von Naturschutz, Jagd und Schäferei.“

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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