Bayern ist bereit für Geier

Wiederansiedelung des Bartgeiers ist möglich – Bestes Gebiet: Nationalpark Berchtesgaden

Weit über 100 Jahre nach dem Aussterben des Bartgeiers in Bayern, besteht wieder Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr des Giganten der Lüfte nach Deutschland. Dies zeigt eine vom LBV in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedelung von Bart- und Gänsegeiern in den bayerischen Alpen.

Bartgeier | © Dieter Hopf © Dieter Hopf
Bartgeier könnten sich im Nationalpark Berchtesgaden wohlfühlen

Dazu analysierte der Biologe Toni Wegscheider ausschlaggebende Faktoren wie Gefährdung und Nahrungsverfügbarkeit und bewertete potentielle Wiederansiedelungsregionen. Bayern ist Heimat für Geier. Die Studie zeigt, der Bartgeier hat hier gelebt, er kann hier leben und er soll das auch wieder tun. Und dabei eignen sich vor allem die Ostalpen für eine Wiederansiedelung.

Das geeignetste Gebiet für eine mögliche Freilassung von jungen Bartgeiern ist laut Studie der Nationalpark Berchtesgaden. Der Gänsegeier hingegen kommt derzeit nicht für solche Maßnahmen in Betracht, da er höchstwahrscheinlich noch nie ein bayerischer Brutvogel war.

Größtes Risiko für Bartgeier geht von Bleivergiftung aus

Berchtesgadener Alpen | © Wolfgang Lorenz © Wolfgang Lorenz
Die Berchtesgadener Alpen eignen sich am besten für eine Wiederansiedelung

Wir möchten den Schutz der europäischen Geier aktiv unterstützen, da die Geierbestände in vielen Region der Welt – auch wegen gezielter Vergiftung – dramatisch abnehmen.

„Neben der historischen Verbreitung beider Vogelarten in Bayern wurden in der Machbarkeitsstudie auch Ursachen ihrer Ausrottung, sowie aktuelle Gefährdungen, das Nahrungspotential vor allem im bayerischen Alpenraum und mögliche Wiederansiedelungsregionen untersucht“, so der Biologe Toni Wegscheider.

Als Grundlage dienten die von der IUCN (Weltnaturschutzunion) aufgestellten Richtlinien für Wiedereinbürgerungen von Tierarten.

Bedrohungen für große Greifvögel bestehen in den untersuchten bayerischen Gebieten momentan nur in geringem Ausmaß. „Das größte Risiko geht von Bleivergiftungen aus, welche sich die Vögel durch Reste von mit Munitionsrückständen belastetem Jagdwild zuziehen und dann qualvoll verenden. Außerdem wird lokal in eng begrenzten Gebieten der Alpen die konkrete Gefahr des gezielten Abschusses von Großgreifvögeln vermutet“, sagt Wegscheider.

Alle zukünftigen in Bayern freigelassenen Bartgeier dürfen deshalb nicht einzeln betrachtet, sondern im Zusammenhang mit der gesamten Population der Vögel in den Ostalpen gesehen werden.

„Nur wenn wir beim Verzicht auf bleihaltige Munition grenzübergreifend alle Jäger und beteiligten Behörden einbinden und einen Informationsaustausch erreichen, hat der Bartgeier in Bayern auch eine echte Chance“, erklärt Norbert Schäffer.

Nationalpark und LBV: gemeinsame Schritte für die Rückkehr dieser besonderen Tierart

Bartgeierjungvogel | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Bartgeierjungvogel

Eine Analyse aller bayerischen Gebirgsregionen hat ergeben, dass sich der Nationalpark Berchtesgaden für eine mögliche Wiederansiedlung des Bartgeiers am besten eignet. In anderen potentiellen Regionen wie dem Allgäu, den Ammergauer Alpen oder dem Karwendel und Werdenfelser Land fehlen die notwendigen Ressourcen geeigneter Großschutzgebietsorganisationen.

„Wir freuen uns, dass der Nationalpark Berchtesgaden den geeigneten Naturraum für eine so besondere Tierart wie den Bartgeier bietet. Gemeinsam mit dem LBV wollen wir nun die nächsten Schritte prüfen. Die Bejagung mit bleihaltiger Munition haben wir seit 2014 eingestellt. Hier gehen wir gerne als gutes Vorbild voran“, so Dr. Roland Baier, Leiter der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden.

Die Studie, die vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wurde, kommt außerdem zum Schluss, dass es derzeit genügend Nahrung für den Bartgeier in den Ostalpen gibt. Die aktuellen Bestände von Schalenwild wie Gämsen bieten den Vögeln ein fast flächendeckendes Angebot an Fallwild.

„Auch die sommerlichen Weidetiere in der Almregion stellen grundsätzlich eine reichhaltige potentielle Nahrungsquelle dar. Diese Möglichkeit wird allerdings durch die aktuell praktizierte fast vollständige Entsorgung des überwiegenden Teils anfallender Nutztierkadaver stark reduziert“, sagt Wegscheider.

Eine mögliche Freilassung von zwei besenderten Jungvögeln aus einem internationalen Zuchtprogramm, scheint derzeit frühestens in zwei Jahren durchführbar, je nach Verlauf eines möglichen Wiederansiedlungsprojekts.

Diese Freilassungen würden dann in enger Kooperation mit der Vulture Conservation Foundation (VCF) geplant, bis sich eine selbst reproduzierende Bartgeier-Population in einem Teil der Ostalpen etablieren könnte. Dies erscheint nach der Studie von Toni Wegscheider langfristig möglich.

Aktuelle Online-Umfrage:

In einer kürzlich veröffentlichen Online-Umfrage des LBV zur Einstellung der Bayern gegenüber Geiern antwortete mit über 90 Prozent eine überwältigende Mehrheit der Befragten positiv.

Das ursprünglich negative Image der Geier, das zu einer massiven Verfolgung und schließlich auch zur nationalen Ausrottung des umgangssprachlich auch „Lämmergeier“ genannten Greifvogels führte, hat sich demnach gewandelt.

Knapp drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie zum Urlaub gezielt in Bergregionen fahren würden, wo Geier wiederangesiedelt oder freigelassen werden würden. Fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer begrüßen es, wenn sich nicht nur eine natürliche Einwanderung von Geiern in Bayern durch sich ausbreitende Brutbestände ergäbe. Sie befürworten grundsätzlich auch eine gezielte Freilassung von Geiern im Freistaat.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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