Baum des Jahres 2017 - Die Gemeine Fichte

Die Wahl des "Brotbaums" ist ein Anstoß für Diskussionen

Natürlicher Fichtenwald | © Bernd Raab © Bernd Raab
Natürlicher Fichtenwald der Hochlagen der Mittelgebirge

Für viele überraschend wurde die Gemeine Fichte (Picea abies) zum Baum des Jahres 2017 gewählt. Diese Fichte ist die einzige in Deutschland natürlich vorkommende Fichtenart. In der Forstwirtschaft ist sie wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit und Schnellwüchsigkeit ein "Brotbaum", allerdings gelten reine Fichtenwälder für viele Naturschützer als unnatürlich und artenarm. Die Wahl zum "Baum des Jahres" ist darum vor allem ein Anstoß für Diskussionen.

Fichte wäre in Deutschland ohne Menschen sehr begrenzt

Fichtenwaldmonokultur | © Peter Bria © Peter Bria
Fichtenmonokultur

Eigentlich ist die Fichte ein Baum der Taiga. In der borealen (nördlichen) Vegetationszone liegt ihr natürliches Hauptverbreitungsgebiet. Weiter südlich ist das natürliche Vorkommen der Fichte auf die eher kühlen Standorte beschränkt. Das sind vor allem die Mittelgebirge, wie in Bayern die Gipfellagen des Fichtelgebirges und des Bayerischen Waldes, und Alpen. Oberhalb von 1000 Meter bildet die Fichte sogar natürliche Reinbestände. Nur dort kann sie sich gegen die starke Konkurrenz der vorherrschenden Laubbäume dauerhaft behaupten. Weiter im Osten und im kontinentalen Europa kommt die Fichte auch in tieferen Lagen und im Flachland zurecht. Bei uns in Deutschland ist sie nur in wenigen tiefliegenden Standorten zu Hause, dann vor allem in nasskalten Senken und an Rändern von Hochmooren.

Ohne das Zutun des Menschen, wäre die Fichte bei uns in Deutschland regional also sehr begrenzt. Tatsächlich ist sie heute aber der häufigste Baum in Deutschland und kommt in allen Gebieten vor. Durch die starke Holznutzung im 18. und 19. Jahrhundert zu Beginn der Industrialisierung entstanden große Kahlflächen und nährstoffarme Böden. Hier wurde dann die schnell wachsende und anspruchslose Fichte für die Aufforstung bevorzugt, riesige Fichten-Monokulturen entstanden. In diesen dichten Fichtenforsten fällt wenig direktes Licht auf den Boden, die dichte Nadelstreu sammelt sich und zersetzt sich schlecht. Hier kommen nur an den lichteren Stellen krautige Pflanzen und Moose vor. Pilze dagegen benötigen kein Sonnenlicht und gedeihen sehr gut in den Monokulturen. Fichtenkreuzschnabel, Waldbaumläufer, Eulenvögel, Habicht und Sperber können bis zu einem gewissen Maß solche dunklen Fichtenforste besiedeln.

Natürliches Vorkommen in Bayern stark gefährdet

Wintergoldhähnchen auf einem Nadelbaum | © Carl-Peter Herbolzheimer © Carl-Peter Herbolzheimer
Wintergoldhähnchen

In natürlichen Fichtenwäldern dagegen stehen die Bäume nicht so dicht, es fällt also mehr Licht auf den Boden. Sie sind dadurch strukturreicher, es gibt mehr Arten und dies in verschiedenen Altersklassen. Typische Pflanzen in natürlichen Fichtenwäldern sind Heidelbeere, Preiselbeere, Sprossender Bärlapp und viele verschiedene Moose und Flechten. Die bayerischen natürlichen Vorkommen von Fichtenwäldern stehen sogar als stark gefährdet in der Roten Liste der Pflanzengesellschaften. Viele Vogelarten kommen in diesen natürlichen Fichtenwäldern vor, wie beispielsweise Schwarzspecht, Hohltaube, Wintergoldhähnchen, Misteldrossel und der Vogel des Jahres 2017, der Waldkauz.

Doch der Klimawandel macht der Fichte zu schaffen. Sie wurzelt sehr flach und leidet darum stark unter der zunehmenden Trockenheit im Sommer. Man geht davon aus, dass die Fichte unterhalb von 700 Meter nicht mehr überleben kann, sollte sich die Temperatur um zwei Grad erhöhen. Die durch Trockenheit geschwächten Fichten sind dann für Insekten wie den Borkenkäfer leichte Beute und anfällig für Stürme. Die moderne Forstwirtschaft geht darum schon seit längerem dazu über, naturferne Wirtschaftswälder in artenreichere und standortsgemäßen Mischwäldern zu überführen.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

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