Agrarpolitik

EU-Agrarreform droht ein Fehlschlag für die Natur zu werden

Die gemeinschaftliche Agrarpolitik der EU (GAP) droht mit der neuen Förderperiode ab 2014 für die Natur in Europa zu einem Fehlschlag zu werden, warnt der LBV. Der LBV hat ernste Befürchtungen, dass die neue GAP Vögel und andere Arten der Kulturlandschaft einer erhöhten Gefährdung aussetzen wird.

Der LBV unterstützt eine bäuerliche und ökologische Agrarkultur |  © U. Dopheide © U. Dopheide

Auswirkungen der EU-Agrarpolitik schon jetzt dramatisch

Das GAP-Budget ist in 2 Säulen aufgeteilt: Direktzahlungen und Förderung des ländlichen Raums, wozu auch die Agrarumweltmaßnahmen (KuLaP und VNP) gehören. Gemäß durchgesickerten Informationen will die EU Kommission die jetzt schon ungleich verteilten Mittel von den Agrarumweltmaßnahmen zu denen der Entwicklung des ländlichen Raums und in andere Bereiche wie Forschung und Wettbewerb umlenken.

In Deutschland haben die Ackervögel seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen (1980) um ca. 50% abgenommen, und in Europa sind sie auf dem Allzeittief angekommen. Dennoch sieht es durchgesickerten Informationen über die GAP-Reform zufolge so aus, dass ab 2013 noch weniger Unterstützung für überlebenswichtige Maßnahmen zur Verfügung stehen könnten, um diese dramatische Entwicklung umzukehren.

Mängel in der EU-Agrarpolitik

Trister Acker | © Natascha Neuhaus © Natascha Neuhaus
Trister Acker ohne Leben

BirdLife International hat bewiesen, was alle schon ahnten: Das derzeitige Fördersystem der EU-Agrarpolitik orientiert sich weder am Naturschutz noch unterstützt es naturverträgliche Bewirtschaftungsformen. Im Gegenteil: Es führt zu einer Verschlechterung der Umweltqualität!

Analyse von Agrarsubventionen in drei EU-Staaten

BirdLife hat für Spanien, Deutschland und die Tschechische Republik Daten zu den Agrarsubventionen analysiert und mit verschiedenen Umweltindikatoren verschnitten. Folgende Frage wollte der Dachverband der Vogelschutzorganisationen beantworten: Fördert die derzeitige GAP nachhaltige Bewirtschaftungsformen und die Bereitstellung öffentlicher Umweltgüter? Die Antwort ist nein, denn:

  • Die Höhe der Subventionen stand nirgends im Zusammenhang mit den für die Natur und für öffentliche Güter erbrachten Leistungen;
  • Wo die Subventionen noch auf historischen Bezügen beruhen (in den „alten Mitgliedstaaten“) ist immer noch ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Zahlungen und schlechter Umweltqualität zu erkennen
  • Pauschale Zahlungen (wie sie in den meisten „neuen Mitgliedstaaten“ geleistet werden) scheinen diesem negativen Effekt entgegenzuwirken. Aber auch hier werden die Landwirte, die öffentliche Güter bereitstellen, nicht angemessen entlohnt
  • Immer noch geht ein Großteil der Zahlungen an Betriebe, die aktiv die biologische Vielfalt zerstören oder an solche, die quasi keinerlei öffentliche Güter bereitstellen;
  • Immer noch mangelt es an einer ausreichenden Finanzierung des Natura 2000-Netzwerks,

Die Offenlegung der Direktzahlungsempfänger erlaubt nun eine genauere Untersuchung der Wirkungen der Agrarsubventionen. Der BirdLife-Bericht ist einer der ersten, der versucht, die tatsächlichen Umweltauswirkungen des europäischen Subventionssystems zu ermitteln.

Verlust von Grünland in Bayern

Feuchtwiese | © Anne Schneider © Anne Schneider
Feuchtwiese

Gut ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Bayerns ist Grünland. Bis auf besondere Gebiete, wie z.B. in Talauen oder Mooren, ist das Grünland durch das Roden von Wäldern oder das Trockenlegen von Sümpfen entstanden. Dauergrünland ist in vielerlei Hinsicht unverzichtbar. Es erfüllt wichtige Aufgaben beim Klimaschutz, indem es riesige Mengen an Kohlenstoffdioxid speichert. Aber auch für den Artenschutz, den Gewässer- und Bodenschutz ist Grünland von hoher Bedeutung, und es trägt zu einer attraktiven Kulturlandschaft bei.

Klimakiller Grünlandumbruch

Doch in den letzten Jahren bis Jahrzehnten steht das Grünland zunehmend unter Druck. Oftmals wird es in Ackerland umgebrochen. Oder es wird mit 3-5 Schnitten wesentlich häufiger genutzt als früher, mit der Folge das nur noch wenige Arten sich auf der Fläche halten können. Beim Grünlandumbruch wird außerdem das gebundene CO2 freigesetzt, und es gelangt in die Atmosphäre. Je nach Standort kann es mehr als 100 Jahren dauern, um die durch den Umbruch (Unterpflügen der Grasnarbe und Umwandlung in Ackerland) verursachte CO2-Emission zu kompensieren. 

Strategie zum Gründlanderhalt dringend notwendig

In Bayern hat die Grünlandfläche von 2003 bis 2008 um 2,5% abgenommen, das sind immerhin weit über 20.000 ha! Noch drastischer sieht die Situation aber in anderen Bundesländern aus. Aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden inzwischen Verluste von über 5% gemeldet. Die Landesregierungen haben inzwischen weitere Maßnahmen zum Schutz des Grünlandes ergriffen. Um dauerhaft Grünland zu sichern und seine Leistungen für die Gesellschaft zu erhalten, bedarf es einer Strategie, die sowohl die wirtschaftlichen als auch die ökologischen und sozialen Aspekte berücksichtigt.

Bayerische Agrarpolitik - Landwirtschaftsministerium kürzt Umweltförderung

Blumenwiese | © Bernd Raab © Bernd Raab
Vielfältige und bunte Blumenwiese

Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat Anfang 2011 wesentliche Teile des so genannten KULAP (Kulturlandschaftsprogramm) gestrichen. Der LBV ist enttäuscht und fordert dringend ein Umsteuern. Denn Maßnahmen wie Blühstreifen oder Förderung für Obstbäume wurden gut angenommen. Andererseits werden Millionenbeträge ohne wirkliche Gegenleistung im Rahmen von Direktzahlungen vor allem den großen industriell ausgerichteten Agrarbetrieben überwiesen.

Landwirte erhalten weniger Geld für Leistungen im Naturschutz

Landwirte erhalten dafür Geld, dass sie bestimmte Auflagen auf ihren Flächen einhalten. In diesem Jahr wird aber nun die Förderung einer Reihe von Maßnahmen nicht mehr angeboten, beispielsweise für den Streuobstanbau oder die extensive Teichwirtschaft. Damit fallen wirksame Programme zum Erhalt vieler bedrohter Arten der Kulturlandschaft weg. Noch gravierender sind die Einschnitte bei den Maßnahmen im Ackerland.

Es ist nachgewiesen, dass alle Arten der Feldflur in den letzten Jahren stark rückläufig sind, das trifft insbesondere auf Vögel und Laufkäfer zu. Einstige Allerweltsarten wie die Feldlerche und Kiebitz haben enorm in ihren Beständen abgenommen. Um hier wirksam gegen zu steuern, brauchen wir das KULAP, z.B. um Blühstreifen anzulegen, die der Landwirt aus der intensiven Bewirtschaftung nimmt. In den vergangenen Jahren konnten mit dem Einsatz solcher Maßnahmen Erfolge in verschiedenen Artenschutzprojekten erzielt werden.

Ralf Hotzy

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Ralf Hotzy

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