Teichkooperation Oberfranken

Fischteiche unter der Lupe

Dass Naturschutz und Fischerei keine Gegensätze sein müssen, zeigt ein erfolgreiches Pilotprojekt in Oberfranken. Im Jahr 2006 wurden an ausgewählten Fischteichen im Landkreis Bayreuth der Zusammenhang zwischen Bewirtschaftung, Strukturreichtum und Artenvielfalt untersucht.

Hufeisen-Azurjungfern bei der Paarung auf dem Wasser | © O. Wittig © O. Wittig

Gemeinsam wollten die Akteure Möglichkeiten aufzeigen, wie Naturschutz und Fischerei die Artenvielfalt verbessern und gleichzeitig die Nutzung beibehalten können. 75 unterschiedlich genutzte Teiche (Streckteiche für Karpfen, Abwachsteiche für Karpfen, Abwachsteiche ohne Gewinnorientierung, angelfischereilich genutzte Teiche) mit dem Hauptfisch Karpfen wurden auf Struktur, Vegetation, Fischbesatz, Libellen und Amphibien geprüft.

Das Ergebnis: Die Strukturvielfalt war an vielen Gewässern sehr gering. Überraschen war, dass Teich von Haupterwerbsbetrieben die meisten Strukturen aufwiesen. Am schlechtesten schnitten Teiche von Hobbyteichwirten oder Angelvereinen ab.

Ergebnisse der Teichuntersuchung

Wasserschlauch mit gelben Blüten | © Andreas Hartl © Andreas Hartl
Wasserschlauch

Kaum Kinderstuben

Die Strukturvielfalt war an vielen Gewässern sehr gering. Nur 25 % hatten auf mehr als 5 % der Uferlänge eine ausgeprägte Flachwasserzone mit Kleinröhricht aus Froschlöffel, Pfeilkraut oder Igelkolben. Diese Bereich sind wichtige Laichhabitate für Fische, Amphibien und Libellen. Auch Kleinstrukturen wie Totholz, Reisig oder überhängende Äste fehlten in sehr vielen Teichen. Interessanterweise war der Strukturreichtum bei Teichen von Haupterwerbsbetrieben meist sehr hoch. Am schlechtesten schnitten Teiche von Hobbyteichwirten oder Angelvereinen ab.

Große Unterschiede bei der Vegetation

Auch bei der Vegetation gab es eine sehr große Spannweite. Streckteiche und extensiv bewirtschaftete Abwachsteiche waren sehr artenreich. Dort kamen viele im Bestand gefährdete Unterwasserpflanzen vor, wobei die Funde von Kleinem Nixenkraut, Zartem Hornblatt und Wasserfeder herausragten. Auch Schwimmblattvegetation und Röhricht waren oftmals sehr gut ausgeprägt. Dagegen sah es – wie schon bei den Strukturen – bei Angelteichen und intensiv gepflegten Abwachsteichen schlecht aus.

Grasfrosch auf Moos | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer
Grasfrosch

Viele Fischarten, aber wenig Frösche in Angelteichen

Die gleichen Unterschiede gab es beim faunistischen Artenreichtum. Neben dem Hauptfisch Karpfen kamen insgesamt 19 weitere Fischarten vor. Seltene Kleinfische lebten aber nur in jeweils weniger als 15 % der Teiche. Die höchste durchschnittliche Fischartenvielfalt hatten Angelteiche.

Die höchste Amphibiendichte gab es an den strukturreichen Teichen mit ausgeprägter Vegetation. Große Laichgesellschaften des Grasfrosches, Bergmolch, Teichmolch und Kammmolch konzentrierten sich auf Flachwasserbereiche. Erdkröte und Grünfrösche waren zwar weiter verbreitet, fehlten aber an intensiv gepflegten Gewässern.

Libellen lieben Pflanzen

An den Teichen wurden insgesamt 20 Libellenarten nachgewiesen. Dabei dominierten im Artenspektrum die typischen Teichlibellen. Das Große Granatauge als Leitart für strukturreiche Teiche kam an immerhin einem Viertel der untersuchten Gewässer vor. Es hing immer stark von einer gut ausgeprägten Unterwasser- und Schwimmblattvegetation ab. Aber auch die Gesamtartenzahl an Libellen hing stark vom Strukturreichtum und von der Ausdehnung der Flachwasserzone ab.

Gemischte Bilanz

Insgesamt sind etwa die Hälfte der Teiche artenreich. Die andere Hälfte sollte aus Sicht des Naturschutzes bei Strukturvielfalt und Vegetation verbessert werden. Das würde auch die Vielfalt an Amphibien und Libellen (und weiterer Tiergruppen) erhöhen. Alle Projektbeteiligten haben darum gemeinsam entsprechende Maßnahmenvorschläge erarbeitet, die sich im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung gut umsetzen lassen. Da insgesamt die Bereitschaft hoch ist, bestandsgefährdete heimische Fischarten verstärkt einzusetzen, sollten diese beim Besatz in Zukunft stärker berücksichtigt werden.

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