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Wiesenbrüterschutz im Murnau

Das größte und älteste LBV-Schutzgebiet

Seit der Ausweisung des Murnauer Mooses als Naturschutzgebiet 1980 hat der LBV immer wieder Grundstücke in diesem bedeutenden NATURA 2000-Gebiet erwerben können. Heute besitzt er 60 Hektar in 33 Einzelflächen. Einige von ihnen dienen vom Aussterben bedrohten Arten wie Bekassine, Braunkehlchen und Brachvogel als Rückzugsgebiet.

LBV-Schutzgebiet Murnauer Moos | ©  Dr. Olaf Broders © Dr. Olaf Broders
LBV-Schutzgebiet Murnauer Moos bietet vielfältige Lebensräume.

Zusammenhängende Moorgebiete für bedrohte Wiesenbrüter

Mit einem Kerngebiet von stolzen 32 Quadratkilometern ist das Murnauer Moos das größte zusammenhängende Moorgebiet Süddeutschlands. Seine vielfältigen, miteinander vernetzten Lebensräume sind Zuflucht für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die hier noch landesweit bedeutende Bestände und damit sogar die größten zusammenhängenden Populationen Deutschlands bilden. Das weitgehend unbewirtschaftete Kerngebiet ist von Streuwiesen, Viehweiden und Intensivwiesen umgeben.

Drei Viertel der LBV-Flächen im Murnauer Moos liegen in Hochmooren oder sind Schilfbrachen und sollen der Eigenentwicklung überlassen bleiben. Rund drei Hektar pflegt die LBV-Regionalgruppe Garmisch-Weilheim, den Rest übernehmen Landwirte. Durch die späte und schonende Mahd sollen diese Flächen den europaweit stark bedrohten Wiesenbrüterarten einen Lebensraum bieten. Vertragsnaturschutz ist in dieser Region ein wichtiges Standbein extensiv wirtschaftender Landwirte, die der LBV gerne fördert.

Sieben Große Brachvögel am Himmel | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Bisher nur eine Hoffnung: wieder eine stabile Population von Brachvögel

Vielfältige Bemühungen um Bruterfolg

Allerdings ist Artenschutz auf weit verteilten Einzelflächen ein schwieriges Unterfangen. Deshalb arbeitet der LBV eng mit dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der viel Grund besitzt, und dessen Gebietsbetreuer zusammen. In Abstimmung mit der Behörde wurden Gelege-Schutzzäune für das letzte Brutpaar des Großen Brachvogels aufgestellt. Bisher flogen aber noch keine Jungvögel aus.

 

 

Gelege einer Bekassine | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Gelege einer Bekassine

Für die Bekassine wurden in den Dauerbrachen im Herbst 2012 testweise kleine Flächen – ähnlich Feldlerchenfenstern – ausgemäht. Doch eine Brutansiedelung blieb aus. Für den Schutz des seltenen Watvogels, der mit bis zu 50 Brutpaaren im Murnauer Moos eines der bayernweit größten Vorkommen hat, hat sich vielmehr eine stärkere Verzahnung von Streuwiesen und Schilfflächen bewährt. Zudem wurden einige „Rotationsbrachen“ eingerichtet, die alle fünf bis sieben Jahren gemäht werden, fachlich begleitet vom LBV.

Wachtelkönig über Wiese laufend | © Dr. Christoph Moning © Dr. Christoph Moning
Die Population des Wachtelkönigs hat durch moderne Landwirtschaft extrem abgenommen.

Reviere für verschiedene Arten

Ferner übernahm der LBV 2012 die zweijährliche Wachtelkönig-Synchronzählung von der Vogelwarte Garmisch-Partenkirchen (LfU). Dabei erfassten auch in diesem Jahr viele ehrenamtliche Zähler an zwei Terminen die rufenden Männchen im Moos. Ergänzend sollte im vergangenen Jahr mit Geldern der GlücksSpirale die vom LBV gepflegte Fläche für den Wachtelkönig weiter optimiert werden.

Durch eine Vielzahl an kleinen Brachen ist diese Fläche aber für das Braunkehlchen sehr attraktiv, dessen größte Teilpopulation dort brütet. So stellte sich die Frage: Will man den bayernweit bedeutsamen Lebensraum des Wachtelkönigs mit rund 40 Revieren erweitern, wenn sich dadurch der zweitgrößte bayerische Bestand des Braunkehlchens verringert? Zum Glück fand sich eine einfache Lösung: Da der LBV eine weitere große Fläche am Rand von bereits besetzten Wachtelkönigrevieren besitzt, kann diese nun für die heimliche Rallenart gestaltet werden.

Murnauer Moos | © Dr. Broders © Dr. Broders
Verschiedene Schutzmaßnahmen haben das Murnauer Moos bisher erhalten.

Vielfältige Anstrengung zum Schutz des Gebiets


Dass das Murnauer Moos heute noch existiert und unter Schutz steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr war bereits 1963 die Ausweisung zum Landschaftsschutzgebiet auf großen Widerstand gestoßen. So versprach sich die Wasserwirtschaft aus der Großentwässerung des Gebiets einen besseren Hochwasserschutz und die Landwirtschaft hoffte in der Folge auf neue Acker- und Wiesenflächen.

Doch es kam glücklicherweise anders. 1993 wurde das Gebiet als Landschaft von „gesamtstaatlicher Bedeutung“ ausgezeichnet. Im „Moosprojekt“ des Landkreises Garmisch-Partenkirchen wurden die Pflege und Entwicklung des Gebietes auch mit Bundesmitteln finanziell gefördert, Flächen angekauft oder gepachtet, Gebiete saniert bzw. renaturiert. Hierfür standen Fördermittel von 34 Millionen D-Mark über zehn Jahre zur Verfügung.

Außerdem wurde die Besucherlenkung und -information verstärkt. Aktuell steht der Bau eines kleinen Besucherinformationszentrums bevor, das u.a. die Rosner & Seidl Stiftung fördert.

Besonders die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises hat sich beim Flächenerwerb und -tausch im Moosprojekt und der anschließenden Flächenentwicklung große Verdienste erworben. So sind heute rund zwei Drittel des Naturschutzgebiets im Besitz des Landkreises, von Behörden, Kommunen, Verbänden und Stiftungen, darunter der LBV mit rund 60 Hektar. 

Über unsere Wiesenbrüter und Feldvögel:

Wiesenbrüter & Feldvögel

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