Orchideenwald

LBV-Schutzgebiet im Landkreis Straubing-Bogen (Niederbayern)

Gelber Frauenschuh | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer
Gelber Frauenschuh

Auf den ersten Blick sieht er aus wie viele andere Forste im niederbayerischen „Tertiären Hügelland“: Unser LBV-Orchideenwald. Dominant ist die Fichte, durchsetzt mit Kiefern und Laubbäumen, wobei letztere die natürliche Vegetation andeuten. Die Krautschicht hat es aber in sich: Eine ganze Palette von Orchideen zeigt sich derzeit (Ende Mai, Anfang Juni) in voller Blüte.

Am auffallendsten sind die gelb-roten Tupfer, die der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) an vielen Stellen des Waldes in dieser Jahreszeit zeichnet. Der Frauenschuh hat die größten Blüten unter unseren einheimischen Orchideen. Die sonderbare Form des schuhartigen unteren Blütenblattes dient der Funktion als „Kesselblumenfalle“, d. h. Insekten fallen hinein und können an der glatten Oberfläche nicht mehr entweichen. Der einzige Ausweg führt über den Geschlechtsapparat der Blüte, so dass damit die Bestäubung gewährleistet wird. Dieses „untere“ Blütenblatt ist übrigens in Wirklichkeit das oberste. Bei der Blütenentwicklung dreht sich aber die gesamte Blüte, so dass es letztlich unten positioniert ist.

Schließlich trifft man im LBV-Orchideenwald noch auf scheinbar abgestorbene, braune Blütenstände, die sich bei genauem Hinsehen aber als quicklebendig erweisen. Es sind Exemplare der „Nestwurz“ (Neottia nidus-avis), einer Orchidee, die kein eigenes Blattgrün mehr hat. Für die Ernährung sorgt ein Pilz im nestartigen Wurzelgeflecht der Pflanze. Der Pilz seinerseits bezieht seine Nahrung aus organischem Abfall im Boden.

Im Jahr 2007 konnte dieser wunderbare Orchideenwald im Landkreis Straubing-Bogen mit Unterstützung der Regierung von Niederbayern erworben werden. Die Kreisgruppe Straubing-Bogen bemüht sich, durch Auflichtung und Zurückschneiden bedrängender Sträucher die Orchideen-Bestände zu erhalten bzw. zu fördern. Auch zoologisch hat der Orchideenwald übrigens etwas zu bieten: Derzeit tummeln sich in flachen Tümpeln mehrere Dutzend Gelbbauchunken!

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