Uhu in Bayern noch in Gefahr?

Gefährdung und Schutzmaßnahmen für den Uhu in Bayern

Jahrhundertelange Verfolgung hätten den Uhu vor 50 Jahren in Deutschland beinahe ausgerottet. Aber intensive Schutzbemühungen haben ihn gerettet: An die 2000 Brutpaare leben derzeit wieder in Deutschland, an die 500 davon im Freistaat. Aufgrund der positiven Bestandsentwicklung wurde der Uhu 2016 sogar aus der Roten Liste entlassen - formal gilt die Art in Bayern nicht mehr als gefährdet. Diese Einstufung wird allerdings den Realitäten nur bedingt gerecht: Nach wie vor sind viele gemeinschaftliche Anstrengungen nötig, um die erzielten Erfolge dauerhaft zu sichern. 

Toter Uhu an einer Stromleitung | © Hans Riesental © Hans Riesental
Uhu verendete an einem ungesicherten Strommasten

Es fehlt an Nahrung und Nachwuchs...

Seit den 1990er Jahren ist der Bruterfolg des Uhus in vielen Regionen Bayerns stark zurückgegangen. Es zeichnet sich ab, dass dafür primär ein Mangel an Nahrung oder ihre fehlende Erreichbarkeit verantwortlich ist: Der Uhu ist ein Offenlandjäger, und sein Bruterfolg wird vor allem durch das Angebot an Kleinsäugern, aber auch an größeren Beutetieren wie zum Beispiel dem Igel bestimmt. Deren Bestände gehen stetig zurück: Die immer intensiver werdende landwirtschaftliche Nutzung unserer Kulturlandschaft bietet diesen Beutetieren kaum mehr Lebensraum, und wo sie noch vorkommen, sind sie für den Uhu in schnellwüchsigen Feldfrüchten wie Mais oder Raps gerade in der Phase der Jungenaufzucht nicht mehr erreichbar. Und wo es keine Nahrung gibt, gibt es auch keinen jungen Uhus.  

Hoher Störungsdruck...

Mensch an einem Kletterfelsen | © LBV © LBV
Boomende Natursportarten wie Klettern und Geocaching erhöhen den Störungsdruck auf die Uhu-Lebensräume

Unsere Mittelgebirge - Schwerpunkte der Uhuverbreitung - stehen unter Druck: Immer mehr Menschen wollen dort die Natur genießen - und die Gefahr fataler Störungen für Uhubruten steigt. Klettersport, Mountainbiken, Geocaching - alles Natursportarten mit hohem Konfliktpotenzial, die gerade die Naturfelsbruten in den Mittelgebirgen bedrohen. Auch wenn der Uhu nach der Roten Liste nicht mehr als gefährdet gilt: Hier sind wir immer noch in besonderer Weise gefordert, denn ohne unsere fortwährenden Lenkungsmaßnahmen würde der Bruterfolg dort sehr schnell einbrechen:

Die in den letzten Jahrzehnten aufgebauten Kooperationen mit den Kletterverbänden und die gemeinsam ausgearbeiteten Konzepte zur Besucherlenkung sind sehr erfolgreich - Störungen durch Sportkletterer sind selten geworden. Aber sie erfordern auch ständigen, hohen Einsatz und eine kontinuierliche Betreuung. Zugleich bedrohen den Uhu anderen, erst in jüngerer Zeit aufgekommene, boomende Natursportarten: Immer neue, oft "wilde" Mountainbiketrails führen gefährlich nahe an Brutplätzen vorbei, und Geocacher dringen bei der Suche nach ihren "Caches", ihren Verstecken, immer häufiger in die Kernlebensräume des Uhus vor. Solche Störungen in den Griff zu bekommen, gestaltet sich deutlich aufwändiger, als die Störungen durch den Klettersport, weil die Ausübenden meist nicht organisiert sind und wir sie so wesentlich schwerer erreichen. Trotzdem ist diese Arbeit unerlässlich, wenn wir die Zukunft des Uhus in unseren bayerischen Mittelgebirgen dauerhaft sichern wollen.

Ein ganz anderes Problem tut sich für den Uhu in den Flusstälern des Alpenvorlandes auf: Dort brütet er vielfach in den steilen Hangwäldern der Talflanken. Dort werden viele Bruten durch die forstliche Nutzung gestört, vor allem durch die Borkenkäferbekämpfung, die in den immer wärmer werdenden Frühjahren immer häufiger nötig wird und oft gerade in der Brutzeit des Uhus erfolgt. Auch dies können wir verhindern, denn meist ist nur Unwissenheit der Waldbesitzer der Grund für solche Zwischenfälle. Aber auch die Waldbesitzer ausfindig zu machen, zu informieren und zu beraten, ist ein sehr zeitaufwändiges Geschäft.

...und schwindende Lebensräume

Steinbruchverfüllung im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen| © LBV © LBV
Ein langjähriger Uhubrutplatz im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen - bedroht von der fortschreitenden Verfüllung des Steinbruchs

Die Hälfte aller bayerischen Uhus sind in Steinbrüchen und anderen Abbaustätten zuhause - und damit potenziell beziehungsweise zum Teil auch schon akut gefährdet: Steinbrüche, Kies-, Sand- und Tongruben können zu wertvollsten Lebensräumen aus zweiter Hand werden, nicht nur für den Uhu. Aber nur, wenn sie nach Abbauende nicht verfüllt und aufgeforstet werden. Genau dieses Schicksal droht aber vielen solcher Lebensräume aus zweiter Hand, und es abzuwenden, ist oft schon juristisch nicht einfach, erfordert viel Zeit und eine enge, kontinuierliche Kontaktpflege zu und Zusammenarbeit mit den Betreibern. 

Ungesicherte Strommasten und Windkraftanlagen

Todesursachen des Uhus bis 2015 | © LBV © LBV
Der Mensch ist für mehrere Dutzend tote Uhus pro Jahr verantwortlich. Stromschlag ist dabei die häufigste Todesursache.

Auch heute noch kommen jedes Jahr in Bayern Uhus durch Stromschlag um. Wie gefährliche Mittelspannungsmasten zu sichern sind, ist zwar bekannt und in einer neuen VDE- Anwendungsregel festgeschrieben. Die Stromversorger waren gesetzlich verpflichtet, bis 2012 sämtliche Gefahrenpunkte zu entschärfen, aber die Praxis hinkt dieser Verpflichtung weit hinterher. Stromschlag ist daher eine der häufigsten Todesursachen für bayerische Uhus, gefolgt von Kollisionen mit Autos oder Zügen.

Eine weitere neue Bedrohung scheint in Statistiken noch kaum auf, könnte aber künftig an Bedeutung gewinnen: Die Energiewende hat Bayern einen Windenergieboom beschert. Und die windhöffigsten Standorte liegen in den Mittelgebirgen - dort, wo auch die meisten Uhus zuhause sind. Konflikte sind da vorprogrammiert. Dabei werden die schnell drehenden Rotoren nicht nur zur tödlichen Falle für den Uhu, die Störwirkung der Anlagen entwertet auch wichtige Jagdgebiete.

Artenhilfsprogramm des LBV

Unsere Arbeit zum Schutz des Uhus

Uhu im Flug | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Schwindender Nachwuchs und verwaiste Uhurevieren waren für den LBV und das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) Anlass, 2001 ein neues Artenhilfsprogramm Uhu zu starten. Es wird aus Fördergeldern des Freistaats und aus Spenden finanziert. Eine breite Maßnahmenpalette soll das langfristige Überleben des Uhus in Bayern sichern. Dafür wollen wir

  • vom Menschen verursachte Todesfälle reduzieren,
  • gefährdete Lebensräume aus zweiter Hand erhalten,
  • den Erfolg unserer Uhubruten so steigern, dass der Bestandserhalt auch langfristig gesichert ist.

Brutplatzsicherung und Grundlagenforschung

Wir setzen konkrete Schutzmaßnahmen um und erheben wissenschaftliche Daten als Grundlage und Erfolgskontrolle für den praktischen Schutz:

  • Zahlreiche Freiwillige gewährleisten ein jährliches Bestands- und Brutmonitoring in den Verbreitungszentren in Unterfranken, im Frankenjura und im Werdenfelser Land. An den Ergebnissen können wir nicht nur die aktuelle Gefährdung des Uhus in Bayern insgesamt und die einzelner Vorkommen bemessen. Auf ihnen baut auch die Besucherlenkung in Uhurevieren auf.
  • Alle bekannt werdenden Verluste werden im LBV-Artenschutzreferat systematisch erfasst und überprüft. Anhand dieser Daten können wir die Relevanz einzelner Verlustursachen abschätzen und gezielt gegegensteuern.
  • In den Klettergebieten sorgt der LBV zusammen mit den Verbänden der Kletterer und den Naturschutzbehörden dafür, dass der Uhu Ruhe beim Brüten hat: Die gemeinsam erarbeiteten und kontinuierlich betreuten und kontrollierten Zonierungskonzepte und befristeten Sperrungen ermöglichen dem Uhu die ungestörte Aufzucht seiner Jungen.
  • In vielen Steinbrüchen in Unterfranken und Teilen der Oberpfalz sichert der LBV gemeinsam mit den Betreibern Lebensräume „aus zweiter Hand“: Wir sanieren nicht mehr nutzbare Brutplätze und schaffen neue. Wir sorgen dafür, dass in aktiven Steinbrüchen noch während des Abbaus künftige Brutnischen eingeplant werden. Und auch die Verfüllung stillgelegter Steinbrüche können wir zum Teil noch verhindern und wertvollen Lebensraum erhalten.
  • Die Stromversorger drängen wir zur zügigen Umsetzung der gesetzlich verankerten Sicherungsmaßnahmen - generell und insbesondere in Bereichen, die wir anhand der von den LBV-Aktiven erhobenen Bestandsdaten als vorrangig festgelegt haben. So verhindern wir, dass große Vögel wie der Uhu an ungesicherten Mittelspannungsmasten einen tödlichen Stromschlag erhalten.
  • In Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen stellen wir die Einhaltung der geltenden Mindestabstände zu Uhubrutplätzen sicher und verhindern so oft spätere Verluste an den Rotoren und die Entwertung wertvoller Jagdgebiete.

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Christiane Geidel

0 91 74 / 47 75 - 74 33

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