Uhu in Bayern wieder in Gefahr?

Gährdung und Schutzmaßnahmen für den Uhu in Bayern

Jahrhundertelange Verfolgung hatte den Uhu vor 50 Jahren in Deutschland beinahe ausgerottet . Aber intensive Schutzbemühungen haben den Uhu gerettet: 1.200 Brutpaare leben derzeit wieder in Deutschland, 300 bis 350 davon im Freistaat. Aber wegend der hohen, vom Menschen verursachte Verluste und Nachwuchsmangel steht der Uhu auch heute noch auf der Roten Liste.

Toter Uhu an einer Stromleitung | © Hans Riesental © Hans Riesental
Uhu verendete an einem ungesicherten Strommasten

Ungesicherte Strommasten und Windkraftanlagen

Todesursachen des Uhus bis 2015 | © LBV © LBV
Der Mensch ist für mehrere Dutzend tote Uhus pro Jahr verantwortlich. Stromschlag ist dabei die häufigste Todesursache.

Jedes Jahr kommen in Bayern viele Uhus durch Stromschlag um. Wie gefährliche Mittelspannungsmasten zu sichern sind, ist zwar bekannt und in einer neuen VDE- Anwendungsregel festgeschrieben. Die Stromversorger sind gesetzlich verpflichtet, bis 2012 sämtliche Gefahrenpunkte zu entschärfen, aber die Praxis hinkt dieser Verpflichtung weit hinterher.

Stromschlag ist daher bis heute die häufigste Todesursache für bayerische Uhus, gefolgt von Kollisionen mit Autos oder Zügen.

Eine neue Bedrohung scheint in Statistiken noch kaum auf, dürfte aber künftig sehr an Bedeutung gewinnen: Die Energiewende hat Bayern einen Windenergieboom beschert. Und die windhöffigsten Standorte liegen in den Mittelgebirgen - dort, wo auch die meisten Uhus zuhause sind. Konflikte sind da vorprogrammiert. Dabei werden die schnell drehenden Rotoren nicht nur zur tödlichen Falle für den Uhu, die Störwirkung der Anlagen entwertet auch wichtige Jagdgebiete.

Hoher Störungsdruck und kaum noch Lebensräume

Mensch an einem Kletterfelsen | © LBV © LBV
Boomende Natursportarten wie Klettern und Geocaching erhöhen den Störungsdruck auf die Uhu-Lebensräume

Unsere Mittelgebirge - Schwerpunkte der Uhuverbreitung - stehen unter Druck: Immer mehr Menschen wollen dort die Natur genießen - und die Gefahr fataler Störungen für Uhubruten steigt. Vor allem Klettersport und Geocaching haben ein hohes Konfliktpotenzial.

In Kooperation mit den Kletterverbänden ausgearbeitete Besucherlenkungskonzepte reduzieren Störungen durch Sportkletterer zwar deutlich, vereinzelt kommt es aber doch immer wieder zu Übertretungen. Und im boomenden Geocaching erwächst dem Uhu gerade eine ganz neue Gefahr.

Die Hälfte aller bayerischen Uhus sind in Steinbrüchen zuhause - und damit potenziell, zum Teil auch schon akut gefährdet: Steinbrüche können wertvollste Lebensräume aus zweiter Hand sein oder werden, nicht nur für den Uhu. Aber nur, wenn sie nach Abbauende nicht verfüllt und aufgeforstet werden. Genau dieses Schicksal droht vielen solche Lebensräumen aus zweiter Hand

Das größte Problem: Es fehlt an Nachwuchs...

Seit den 1990er Jahre ist der Bruterfolg des Uhus in vielen Regionen Bayerns stark zurückgegangen - im Mittel werden nur noch halb so viele Junge selbstständig, wie für den Erhalt des Bestands notwendig wären. In einigen Regionen - etwa in Ostbayern und im Alpenraum - sind auch bereits viele Reviere wieder verwaist . Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Es zeichnet sich aber ab, dass fehlende bzw. nicht erreichbare Nahrung dabei eine wesentliche Rolle spielt.

Artenhilfsprogramm des LBV

Unsere Arbeit zum Schutz des Uhus

Uhu im Flug | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Zu wenig Nachwuchs und das Verwaisen von immer mehr Uhurevieren waren für den LBV und das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) Anlass, 2001 ein neues Artenhilfsprogramm Uhu zu starten. Es wird zum großen Teil aus Spenden finanziert. Eine breite Maßnahmenpalette soll das langfristige Überleben des Uhus in Bayern sichern. Dafür wollen wir

  • vom Menschen verursachte Todesfälle reduzieren,
  • gefährdete Lebensräume aus zweiter Hand erhalten,
  • den Bruterfolg steigern, bis wieder genügend Junguhus für den Bestandserhalt selbständig werden - im Mittel mindestens ein Jungvogel pro Revier und Jahr.

Brutplatzsicherung und Grundlagenforschung

Wir setzen konkrete Schutzmaßnahmen um und erheben wissenschaftliche Daten als Grundlage und Erfolgskontrolle für den praktischen Schutz:

  • Dutzende Freiwillige gewährleisten ein jährliches Bestands- und Brutmonitoring in den Verbreitungszentren in Unterfranken, im Frankenjura und im Werdenfelser Land. An den Ergebnissen können wir nicht nur die aktuelle Gefährdung des Uhus in Bayern insgesamt und die einzelner Vorkommen bemessen. Auf ihnen baut auch die Besucherlenkung in Uhurevieren auf.
  • Alle bekannt werdenden Verluste werden im LBV-Artenschutzreferat systematisch erfasst. Anhand dieser Daten können wir die Relevanz einzelner Verlustursachen abschätzen und gezielt gegegensteuern.
  • In den Klettergebieten sorgt der LBV zusammen mit den Verbänden der Kletterer und den Naturschutzbehörden dafür, dass der Uhu Ruhe beim Brüten hat: Die gemeinsam erarbeiteten und kontinuierlich betreuten und kontrollierten Zonierungskonzepte und befristeten Sperrungen ermöglichen dem Uhu die ungestörte Aufzucht seiner Jungen.
  • In vielen Steinbrüchen in Unterfranken sichert der LBV gemeinsam mit den Betreibern Lebensräume „aus zweiter Hand“: Wir sanieren nicht mehr nutzbare Brutplätze und schaffen neue. Wir sorgen dafür, dass in aktiven Steinbrüchen noch während des Abbaus künftige Brutnischen eingeplant werden. Und auch die Verfüllung stillgelegter Steinbrüche können wir zum Teil noch verhindern und wertvollen Lebensraum erhalten.
  • Die Stromversorger drängen wir zur zügigen Umsetzung der gesetzlich verankerten Sicherungsmaßnahmen - generell und insbesondere in Bereichen, die wir anhand der von den LBV-Aktiven erhobenen Bestandsdaten als vorrangig festgelegt haben. So verhindern wir, dass große Vögel wie der Uhu an ungesicherten Mittelspannungsmasten einen tödlichen Stromschlag erhalten.
  • In Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen stellen wir die Einhaltung der geltenden Mindestabstände zu Uhubrutplätzen sicher und verhindern so oft spätere Verluste an den Rotoren und die Entwertung wertvoller Jagdgebiete.

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Christiane Geidel

0 91 74 / 47 75 - 74 33

Newsletter