Gefährdung des Schwarzstorchs

Der Schwarzstorch liebt Ruhe und Abgeschiedenheit

Der Schwarzstorch ist ein seltener und gefährdeter Brutvogel in Bayern und steht deshalb auch auf der Roten Liste bedrohter Tierarten in Bayern. Seine Neststandorte sind durch direkte Eingriffe am Horst bzw. im unmittelbaren Nestumfeld gefährdet. Störungen durch Forstarbeiten im Umfeld des Horstes wirken sich gravierend auf das Brutgeschehen aus.

Schwarzstorch im Horst | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Flügger Schwarzstorch im Nest

Doch sowohl Förster als auch Jäger zählen mittlerweile zu den konsequentesten Schwarzstorchschützern. Bei bekannten Horststandorten wird deshalb häufig ein großer Umkreis um den Horstbaum aus der Nutzung genommen und auf Störungen zur Brutzeit verzichtet. Durch die heimliche und versteckte Lebensweise, kommt es allerdings häufig vor, dass das Brutgeschehen erst bemerkt wird, wenn es schon zu spät ist.

Aber auch schon vermeintlich "kleinere" Beeinträchtigungen durch Wanderer, Tierfotografen, Geo-Caching und besonders Gleitschirmflieger können zur Aufgabe der Brut führen, oder zumindeset dafür sorgen, dass sich das Storchenpaar im nächsten Jahr einen anderen Brutstandort suchen muss. Denn auch schon auf kleinste Störungen reagiert der Schwarzstorch sehr sensibel.

Spärliches Nahrungsangebot und zu wenig Brutstandorte

Ein Schwarzstorchpaar steht sich im Wald gegenüber, es scheint Herbst zu sein | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Der Schwarzstorch brauch ungestörte Wälder

Die Begradigung und Befestigung von Flussläufen und die verstärkte Nutzung von Waldwiesen und Flusstälern wirken sich gravierend auf die Nahrungsverfügbarkeit für den Schwarzstorch aus. Durch Aufforstung von kleinen Waldwiesen, erhöhtem Einsatz von Pestiziden und dem Verbau kleiner Bäche gehen Nahrungsflächen verloren.

Der Schwarzstorch findet daher immer schwerer ausreichend Nahrung, um seine Jungen satt zu bekommen.Dabei würden der Schutz von feuchtem Grünland und die Renaturierung von Flussläufen nicht nur dem Schwarzstorch zu Gute kommen, sondern auch anderen bedrohte Tierarten wie z.B. der Grünen Keiljungfer oder dem Eisvogel.

Nicht nur an geeigneten Nahrungsgrundlagen mangelt es vielerorts, sondern auch Standorte zum Bau der riesigen Horste in ungestörten Wäldern sind in Deutschland rar gesät. Zwar hat man festgestellt, dass es nicht unbedingt Urwälder sein müssen, die der Schwarzstorch benötigt, um erfolgreich zu brüten. Aber dadurch, dass Schwarzstorch-Nester sehr schwer (bis zu einer Tonne) und groß sind und Schwarzstörche eine Flügelspannweite bis zu 2 Metern haben, bedarf es einer bestimmten Kombination: ein großer, alter Baum, der etwas frei im Wald steht (z.B. durch Forstarbeits-Schneisen oder umgestürzte Bäume) und dem Storch das Anfliegen und Landen am Horst ermöglicht, sowie einer ruhigen und nicht einsehbaren Lage mitten in einem Wald nahe geeigneter Nahrungsgründe. Solche Standorte kann es durchaus auch in bewirtschafteten Wäldern geben, wenn das Management stimmt und ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der Störche vorhanden ist.

Stromleitungen und Windkraftanlagen

Von Stromschlag getöteter Schwarzstorch | © ©
An einer Stromleitung verunglückter Schwarzstorch.

Deutlichen Einfluss auf den Schwarzstorchbestand haben auch Stromleitungen. Unter den Jungvögeln gibt es jedes Jahr wieder erhebliche Verluste durch Zusammenstöße mit Freileitungen. Auch Stromschläge an den Masten der Mittelspannungsleitungen fordern viele Opfer.

Große Sorge bereitet uns aber vor Allem die zunehmende Tendenz zum Bau von Windkraftanlagen in den bewaldeten Hochlagen der Mittelgebirge. Aktuell gibt es immer wieder Konflikte zwischen dem Wunsch nach mehr Erneuerbaren Energien einerseits, der auf Grund der dichten Besiedelung Deutschlands verstärkt zum Bau von Windkraftanlagen in Wäldern führt und dem Schutz bedrohter im Wald brütender Vogelarten wie Uhus, Rotmilanen und eben Schwarzstörchen andererseits. Hier entstehen für viele bedrohte Waldvogelarten potentielle Gefährdungen, die nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Windkraftanlagenbetreibern, zuständigen Behörden und fachkompetenten Organisation wie dem LBV gelöst werden können.

Direkte Verfolgung durch den Menschen

Ein toter Schwarzstorch liegt auf einem asphaltiertem Weg, der nass aussieht. Man erkennt einen Ring an seinem rechten Bein | © Privat © Privat
Erschossener Schwarzstorch in Schwaben

Auch wenn Abschüsse, Aushorstungen und Gelegediebstähle nicht mehr in dem Ausmaß wie im 19. und frühen 20. Jahrhundert betrieben werden, so kommt es leider trotzdem immer wieder auch in Deutschland zur gezielten Tötung von Schwarzstörchen. So wurde noch 2002 in Niedersachsen ein erwachsenes Weibchen abgeschossen.

Häufiger als direkte Abschüsse sind in Deutschland allerdings durch Schlag- oder Tellerfallen verletzte und getötete Schwarzstörche, besonders an Fischteichen, wo sie illegal aufgestellt werden um fischfressende Vögel zu vertreiben. Erst Ende Juli 2014 sorgte wieder ein verletzter Jungvogel an der Thüringischen-Bayerischen Grenze für Schlagzeilen. Auch er war vermutlich durch eine Falle schwer am Bein verletzt worden und musste vom Tierarzt eingeschläfert werden.

Ein weitaus größerer Anteil an Schwarzstörchen wird jedoch auf dem Zug und in den Überwinterungsgebieten verfolgt. Einer lettischen Studie zufolge werden 22% der überwinternden Schwarzstörche Opfer von Abschüssen. Neben strengeren gesetzlichen Regelungen bedarf es daher vor allem der Aufklärung der betreffenden Bevölkerung.

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Anne Schneider

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