Der Hamster in Bayern

Ist der Feldhamster bald ausgestorben!?

Vor 50 Jahren wurde die Verfolgung des damals in der Landwirtschaft als Schädling gefürchteten Feldhamsters noch mit Prämien belohnt. Das ist längst Vergangenheit: Die immer intensivere Landnutzung, die schwindende Vielfalt in der Agrarlandschaft sowie die Zerschneidung und der Verlust seiner Lebensräume durch Bauprojekte haben den 'Schädling' zur stark gefährdeten Art avancieren lassen.

Feldhamster frisst an einer Blume | © Andreas Hartl © Andreas Hartl

Gefährdung - So macht der Mensch ihm das (Über-)leben schwer

Der Feldhamster ist ein Kulturfolger: Über Jahrhunderte hat der  Steppenbewohner hierzulande davon profitiert, dass der Mensch den früher dominierenden Wald zurückgedrängt, durch landwirtschaftliche Nutzflächen ersetzt und damit vielerorts erst einen für den Feldhamster geeigneten Lebensraum geschaffen hat. In den letzten Jahrzehnten ist der Feldhamster jedoch vom Gewinner zum Verlierer dieser Entwicklung geworden - seit den 1970er Jahren sind die Bestände des Feldhamsters europaweit dramatisch eingebrochen. Wo liegen die Ursachen dafür?

Artenarme Feldflur: Folgen der Intensivlandwirtschaft

Feldhamster | © Uli Lanz © Uli Lanz
Auf großen Schlägen birgt nach der Ernte der lange Weg zum nächsten Feld mit Deckung und Nahrung viele Gefahren für den Feldhamster.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Landwirtschaft stark verändert und die frühere kleinteilig strukturierte Kulturlandschaft ist vielerorts einer monotonen, immer artenärmer werdenden Agrarsteppe gewichen. Der Feldhamster ist nur eine von vielen Arten, die unter dem ständigen Rationalisierungsdruck in der Landwirtschaft leiden:

  • Immer frühere Erntetermine und immer schnellerer Umbruch der Felder nach der Ernte verkürzen die Zeitspanne, in der der Feldhamster Nahrung auf dem Acker vorfindet.
  • Die Spanne zwischen Ernte und Winterschlafbeginn wird immer größer - und die Chancen für den Feldhamster, ausreichend Nahrung für die Winterruhe einzutragen, werden immer schlechter.
  • Bessere Erntetechniken verschärfen den Nahrungsmangel in der zweiten Jahreshälfte noch.
    Immer größere Schläge, immer weiter ausgedehnte Monokulturen erschweren dem Feldhamster das Ausweichen auf andere Nahrungsflächen, wenn diese Flächen abgeerntet sind.
  • Tiefes Pflügen zerstört die Hamsterbaue, vor allem die dicht unter dem Boden liegenden Baue der Jungtiere.
  • Bei Erntearbeiten in den Abend- und Morgenstunden, wenn der Feldhamster aktiv ist, wird so manches Tier direkt getötet.

Bauvorhaben vernichten und zerschneiden Lebensräume

Überfahrener Feldhamster auf einer Straße | © Helga Zinnecker © Helga Zinnecker
Straßen: eine tödliche Falle für viele Feldhamster

Viele Landwirte klagen, dass die landwirtschaftlich nutzbare Fläche in unserem Land Jahr um Jahr schrumpft, weil immer mehr Ackerland für Bauvorhaben in Anspruch genommen wird. Der Feldhamster könnte in diese Klagen einstimmen: Auch sein Lebensraum wird durch die Ausweisung immer neuer Industriegebiete und den Bau von Straßen immer weiter eingeschränkt.

Aber mehr noch: Vor allem große Straße werden auch zur tödlichen Falle - Hunderte und Tausende Feldhamster verenden alljährlich auf dem Asphalt mainfränkischer Autobahnen und Bundesstraßen. Und Straßen wirken als Barriere - sie zerschneiden die Hamsterlebensräume, Populationen werden aufgesplittert, und es droht die Gefahr einer genetischen Verarmung der verbleibenden Inselvorkommen.

Schutzmaßnahmen: Das DBU-Projekt

Stehengelassener Getreidestreifen | © Alf Pille © Alf Pille
Stehengelassene Getreidestreifen bieten Deckung und Nahrung

In Mainfranken - dem letzten verbliebenen Verbreitungsgebiet des Feldhamsters in Bayern - versucht man dem fortschreitenden Rückgang der Bestände mit diversen Maßnahmen zu begegnen. Man möchte vorhandene Lebensräume optimieren, Wanderungshindernisse beseitigen und Lebensraumverluste ausgleichen. Die bislang umgesetzten Maßnahmen sind aber nicht nur der berühmte 'Tropfen auf den heißen Stein': Bis vor kurzem war auch unsicher, welche Wirkung diese Maßnahmen überhaupt entfalten können.

Das hat sich nun geändert: Von 2007 bis 2010 hat der LBV in einer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung finanzierten Studie die Wirksamkeit gängiger Schutz­maßnahmen überprüft, sie weiterentwickelt und Empfehlungen zur Gestaltung künftiger Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen erarbeitet.

Die zentrale Herausforderung für den Feldhamsterschutz in Bayern ist nun, diese Erkenntnisse umzusetzen und Maßnahmen, die sich als wirkungsvoll erwiesen haben, in die Flächen zutragen - damit der Feldhamster in Bayern eine Zukunft hat!

Ziel: Effizienzsteigerung für Schutzmaßnahmen

Feldhamster mit einem Nachtsichtgerät aufgenommen | © LBV © LBV
Ertappt: Mit modernster Videotechnik wurde die Nutzung verschiedener Straßendurchlässe durch Feldhamster dokumentiert

Das Projekt sollte und konnte eine ganze Reihe von unmittelbar schutzrelevanten Fragestellungen beantworten, insbesondere:

  • welche Typen von Durchlässen die isolierende Wirkung großer Straßen auf Populationen des Feldhamsters mindern und den genetischen Austausch in zer­schnittenen Populationen am besten sicherstellen können.
  • ob das immer wieder als vermeintlich 'schonende' Methode zur Vergrämung von Feldhamstern im Vorfeld von Baumaßnahmen angepriesene 'Schwarzpflügen' diesem Anspruch überhaupt gerecht werden kann.
  • wie groß die Wirkung verschiedener mutmaßlich hamsterfreundlicher Bewirtschaftungsformen auf den Feldhamster tatsächlich ist.
  • wie die derzeit angewendeten und staatlich geförderten Schutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen verbessert und wirksamer gestaltet werden können.

Unumgänglich: Hamsterschutz in der Fläche

Das DBU-Vorhaben hat gezeigt, dass wirkungsvoller Feldhamsterschutz schon mit einfachen Maßnahmen möglich ist - ohne spezielle Schutzflächen aus der Nutzung zu nehmen, nur mit geringfügigen Anpassungen einer konventionellen landwirtschaftlichen Nutzung. Es ist dort aber auch deutlich geworden, dass solche einfachen, produktionsintegrierten Maßnahmen in Hamsterlebensräumen nicht nur punktuell realisiert werden dürfen, sondern von vielen Landwirten auf vielen Ackerflächen aufgegriffen werden müssen, wenn es gelingen soll, die Hamsterbestände zu stabilisieren.

Ein Demonstrationsprojekt, in dem wir zeigen wollen, dass in einer engen Zusammenarbeit mit Landwirten vor Ort ein solcher wirksamer Feldhamsterschutz keine Illusion sein muss, ist derzeit in Planung.

Abschlussbericht zum DBU-Projekt zum Download

Ulrich Lanz

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Ulrich Lanz

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