Schutzprojekt für Wiedehopf & Wendehals

Mit Maßnahmen und Forschung gegen ihr Aussterben in Bayern

Collage: Wiedehopf und Wendehals | © Zdenek Tunka/Robert Kukuljan © Zdenek Tunka/Robert Kukuljan

Wiedehopf und Wendehals sind zwei Arten, die in Bayern vom Aussterben bedroht sind und somit auf der Roten Liste (Kat. I) geführt werden. Nach dramatischen Bestandsrückgängen in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts in ganz Deutschland, scheint sich die Situation für den Wiedehopf in einzelnen Regionen der östlichen Bundesländer wieder zu verbessern.

Obwohl vermutlich nur noch knapp ein Dutzend Brutpaare in Bayern zu Hause sind, kann man Wiedehopfe regelmäßig auf dem Frühjahrszug beobachten, was vermutlich Durchzügler gen Nordosten sind. Zum Teil verweilen diese Tiere einzeln oder paarweise längere Zeit in Bayern und so ist ein gewisses Besiedlungspotential für neue Brutpaare durchaus vorhanden.

Bevor diese Art völlig verschwindet, möchten wir mit Sofortmaßnahmen das Nistplatzangebot dort verbessern, wo in den letzten Jahren Wiedehopfe noch brüteten bzw. anwesende Paare auf Brutversuche schließen lassen.

Auch wenn der Wendehals mit ca. 1500 Brutpaaren noch deutlich häufiger in Bayern vorkommt, ist diese eher unbekannte Spechtart die zweite Zielart des LBV-Projekts, weil Wiedehopf und Wendehals sehr ähnliche Lebensraumansprüche haben. Erste Erfahrungen zeigen auch, dass dem Wendehals sehr einfach und effektiv durch ein passendes Nistkastenangebot geholfen werden kann.

Maßnahmen zum Schutz von Wiedehopf und Wendehals

Beringung eines Wendehalses durch vier männliche LBV-Ehrenamtliche in einem Wald. Alle vier stehen vor einem Nistkasten | © Carola Bria © Carola Bria

Seit 2016 engagiert sich die LBV-Kreisgruppe Roth-Schwabach für den Schutz der beiden Arten. Als Sofortmaßnahmen wurden fast 200 Nistkästen gebaut und an geeigneten Stellen angebracht und kontrolliert. Auf diese Weise fanden 2016 und 2017 schon 14 bzw. 16 Wendehals Paare eine geeignete Bruthöhle in den angebotenen Nistkästen.

Der Landkreis Roth-Schwabach eignet sich in besonderem Maße für unser Projekt, da Wiedehopfe hier in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in hoher Dichte auftraten und die ehemaligen Brutplätze gut bekannt sind. Bis in die Gegenwart fanden auch in den letzten Jahren immer wieder Brutversuche z.T. an eben diesen ehemaligen Brutplätzen statt, sofern sie noch geeignete Lebensräume aufweisen.

Eine gelungene Zusammenarbeit und die konstruktive Zusammenarbeit mit den Betreibern der Sandabbaugebiete im Landkreis ermöglichten diesen schnellen und effektiven Start des Projekts. Künftig sollen auch Streuobstflächen in stärkerem Maße mit einbezogen werden und die Aktivitäten auf andere Landkreise und Bezirke ausgedehnt werden.

Eine verbesserte Vernetzung aller für den Schutz von Wiedehopf und Wendehals Aktiven ist weiteres Ziel unseres Projekts.

Darüber hinaus ermöglicht die Öffentlichkeitsarbeit im Projekt auf die Gefährdung von Streuobstbeständen aufmerksam zu machen. In Zusammenarbeit mit den Landschaftspflegeverbänden soll hier langfristig der Schutz dieser so wertvollen Hochstammstreuobstflächen unterstützt werden. Verjüngung der Obstbestände und extensive Beweidung, v.a. mit Schafen sind Maßnahmen, die sowohl der Landschaftspflege als auch den beiden Arten Wiedehopf und Wendehals zugutekommen.

Eine erfolgreiche Einbindung von Schulklassen in das Projekt hilft diese langfristige Ausrichtung zu stärken.

Dieses LBV Projekt wird seit 2017 von der Glückspirale und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt unterstützt.

Thomas Rödl

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Dr. Thomas Rödl

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Klasse HG 10A im Berufsgrundschuljahr für Schreiner an der Berufsschule 11 in Nürnberg mit Wiedehopfkästen | © Klaus Brünner © Klaus Brünner
Klasse HG 10A im Berufsgrundschuljahr für Schreiner an der Berufsschule 11 in Nürnberg mit Wiedehopfkästen

Forschung zur Nahrung des Wiedehopfs: Wo lebt die Maulwurfsgrille?

Wiedehopf in einer grünen Wiese mit Nahrung im Schnabel | © Markus Gläßel © Markus Gläßel

Es sollte keine dauerhafte Lösung sein, dass wir Arten nur durch Nistkästen erhalten können.

Somit können Wiedehopf und Wendehals als Schlüsselarten für den Schutz und die Erhaltung der von ihnen bevorzugten Lebensräume dienen, vor allem Hochstamm Streuobstwiesen, Brachflächen, aber auch naturnah bewirtschaftete Abbaugebiete. Diese auch für zahlreiche andere Vogel- Insekten- und Pflanzenarten wichtigen Lebensräume zu fördern, muss langfristiges Ziel sein und nur so werden stabile Populationen beider Arten sich selbst erhalten können.

Elementar ist dazu auch eine ausreichende Nahrungsverfügbarkeit. Für den Wiedehopf bedeutet dies vor allem das Vorkommen von Großinsekten, die in und auf dem Boden lebend, Grillen, Energlinge u.ä. Um die Verfügbarkeit dieser wichtigen Insekten näher zu untersuchen, wollen wir vor allem mehr über das Vorkommen der Maulwurfsgrille erfahren, die in vielen Regionen als die begehrteste Aufzuchtnahrung für Wiedehopfjunge beschrieben wird. Dazu hoffen wir auf die Mithilfe vieler „Bürgerwissenschaftler“, die uns helfen können, unser Wissen über die Verbreitung der Maulwurfsgrille in Bayern zu verbessern.

Maulwurfsgrillen hier beim LBV melden

Ausgewachsene Maulwurfsgrille liegt auf grauem, sandig aussehenden Boden | © Entomologie/Botanik ETH Zürich (Fotograf: Albert Krebs) © Entomologie/Botanik ETH Zürich (Fotograf: Albert Krebs)

Wir zählen auf Sie! Um mehr über die Verbreitung der Maulwurfsgrille in Bayern herauszufinden, wurden im Rahmen des Wiedehopfs und Wendehals Projekts Umfragebögen für Angler, private Kleingärtner und städtische Gärtnereien und Gartenbauämter erarbeitet sowie ein Online-Meldeformular eingerichtet.

Durch das Ausfüllen des Meldeformulars tragen Sie dazu bei, mehr über die Verbreitung einer der größten Grillenarten Europas zu erfahren. Bitte beachten Sie, dass nicht nur die Feststellung der Maulwurfsgrille für uns von Interesse ist, sondern auch ihre Abwesenheit. Wenn Sie also in Ihrem Garten oder auf Ihrem regelmäßig begangenen Angelplatz keine Maulwurfsgrillen feststellen konnten, ist das eine Meldung, die genauso wichtig ist für uns.

Meldung für Angler und Fischer

Meldung für Privatpersonen bzw. im Garten

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