FOTOS: TOBIAS TSCHAPKA (4) Die ehrenamtliche Beringungsgruppe rund um Klaus Bäuerlein (rechts) In kleinen Gruppen verteilen wir uns mit Leitern und Eimern im ganzen Raum. Ich schließe mich Gudrun und ein paar weiteren Helferinnen an. Zunächst biete ich mich als Eimerträgerin an. „Drei Junge sind normal“, erklärt Gudrun. Verschiedene Faktoren könnten jedoch dazu führen, dass nur zwei oder sogar vier Jungvögel im Nest sitzen. „Vier sind dann aber schon etwas Besonderes.“ „Will von euch auch mal jemand einen rausnehmen?“, fragt Gudrun nach einer Weile. Weil die anderen nur den Kopf schütteln, packt mich der Ehrgeiz. „Ja, ich!“, höre ich mich sagen. Schon stehe ich ganz oben auf der wackligen Leiter und öffne den Nistkasten. Ich versuche mich so zu verhalten, wie ich es bei Marina und Gudrun beobachtet habe. „Zwei Jungvögel in 706“, sage ich und setze die beiden in den Eimer. Sie werden zum Beringertisch getragen. Kurz darauf kommen die Vögel zurück und ich setze sie behutsam wieder in ihr Nest. Im nächsten Kasten sitzen drei Jungvögel. Das gleiche Spiel. Langsam beginne ich, Spaß an der Sache zu finden. Auch meine Unsicherheit verabschiedet sich. Als ich einen weiteren Kasten öffnen will, rumpelt es darin plötzlich laut. Dann sind piepsende Schreie zu hören. „Da gibt’s Futter“, stellt Gudrun fest. „Das lassen wir ihnen.“ Also mache ich mit dem nächsten Kasten weiter. Als ich ihn öffne, traue ich meinen Augen kaum. Vier Mauersegler sitzen darin. „Gudrun, schau mal!“, rufe ich. „Vierergelege!“ Ich lasse Gudrun auf die Leiter. Sie holt die vier Vögel heraus, die deutlich größer sind als alle anderen, die ich bisher in der Hand hatte. Stolz marschiere ich mit dem Eimer zum Beringertisch, wo inzwischen auch Klaus mit seiner Zange sitzt. „Vier Stück“, verkünde ich und halte ihm den roten Eimer unter die Nase. Misstrauisch schaut er mich und dann die Vögel an. „Etz schau noch mal genau“, entgegnet er. „Das ist doch ein Altvogel.“ Ups. Ich bin wohl doch noch keine Mauersegler-Expertin. Da der Elternvogel ebenfalls noch keinen Ring trägt, bekommt auch er einen – ebenso wie die drei nicht mehr ganz so kleinen Jungvögel. „Die sind locker schon 42 oder 43 Tage alt“, stellt Klaus fest. „Die müssten eigentlich schon ausgeflogen sein.“ Kurze Pause. „Vielleicht sind sie zu fett“, schiebt er hinterher. Behutsam setzt er einen der drei Vögel in eine kleine Schale auf der Waage. „40 Gramm sind ideal zum Abflug.“ Auf der Anzeige erscheint eine 42. Klaus erklärt, dass junge Mauersegler sich kurz vor dem Ausfliegen gewissermaßen selbst auf Diät setzen, wenn sie noch zu schwer sind. Sie verweigern das Futter, bis sie ihr ideales Abfluggewicht erreicht haben. Für die drei wird es also bald losgehen. Bereit für die große Reise Ich trage den Eimer mit allen vier Vögeln zurück zum Nistkasten. Gemeinsam mit einer anderen neuen Helferin setze ich die Mauersegler zurück in ihr vertrautes Heim. Als sie den Altvogel hineinsetzt, fliegt dieser sofort durch das kleine Loch hinaus in den Sommertag. Anschließend setzt sie die drei Jungvögel in den Kasten. Es rumpelt. Dann schaut sie mich erschrocken an. „Jetzt ist er weg“, stottert sie. Auch ich werfe einen Blick in den Kasten. Nur noch zwei Mauersegler sitzen darin. Gudrun kontrolliert ebenfalls. „Dann war er wohl so weit“, sagt sie. Einige Zeit und viele Ringe später sind wir fertig. Als wir vor das Schloss treten, blicke ich noch einmal in den Himmel, wo die Mauersegler kreischend vorbeifliegen. Ob der Ausflieger von vorhin wohl schon unter ihnen ist? Nun wird er ein bis zwei Jahre lang fast ununterbrochen in der Luft verbringen und im Herbst bis nach Afrika ziehen. Ob er eines Tages nach Roth zurückkehren wird? Ein bisschen hoffe ich es. FRANZISKA BACK Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: franziska.back@lbv.de LBV MAGAZIN 3|26 25
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=