Modernste Technik für den Weißstorch

Wie funktionieren die Satellitensender und was steckt dahinter?

Weißstorch im Flug. (F: M. Bosch)
Weißstorch im Flug. (F: M. Bosch)

Bei den Weißstorch-Sendern handelt es sich um hochmoderne Hightech-Geräte die in dieser Ausführung schon seit mehreren Jahren für Weißstörche benutzt werden. Sie ermöglichen es, sowohl hochauflösende, dreidimensionale GPS-Daten (Längen- und Breitengrad, sowie Flughöhe), als auch Bewegungsmuster der Störche aufzuzeichnen und zu analysieren.

Sender. (F: K. Brünner)
Sender. (F: K. Brünner)

Der Sender der deutschen Firma e-obs wiegt 57 Gramm und besteht aus mehreren Komponenten, die in einem wetterdichten, langlebigen Kunststoffgehäuse zusammengefügt sind. Genau wie ein herkömmliches Hand-GPS-Gerät, das auch Wanderer benutzen, zeichnet der Sender mit Hilfe von Satelliten die GPS-Daten des Storches auf. Dies kann je nach Batteriespannung und Speicherstatus sogar bis zu einmal pro Sekunde erfolgen und damit lückenlos den Flug des Storches aufzeigen.

Neben GPS Positionen kann dieser Sender aber auch dreidimensionale Bewegungsmuster der Störche erkennen und speichern. So erkennt man anhand von Linienmustern, ob der Storch aktiv ist, steht, oder liegt und wenn er mit den Flügeln schlägt oder in der Thermik gleitet.

Das Beste aber ist, dass die Batterie des Senders durch ein Solarmodul immer wieder aufgeladen wird. Damit hält der Sender theoretisch ein Storchenleben lang. Somit können wir, vorausgesetzt unsere Störche überleben die vielfältigen Gefahren, einen Jungstorch von seinen ersten Erkundungsflügen, über seinen Zugrouten nach Süden, den Überwinterungsgebieten in Afrika, seinen ersten Brutversuchen hier bei uns in Europa bis hin zu seinem Tod über viele Jahre live verfolgen.

Verwendung einer Handantenne zum Aufspüren von besenderten Tieren (F: C. Geidel)
Verwendung einer Handantenne zum Aufspüren von besenderten Tieren (F: C. Geidel)

Bisher wurden ähnliche Projekte mit Satelliten-Sendern immer dadurch erschwert, dass man zum Auslesen der Daten den Tieren folgen musste. Denn nur mit einem Handscanner und einer Antenne konnte man aus entsprechender Nähe zum Tier eine Verbindung zum Sender aufbauen und die Daten runterladen. Unsere Sender hingegen nutzen das heute weltweit verbreitete und gut ausgebaute Handynetz. Befindet sich der Storch in einer Gegend mit gutem Handynetz, so schickt er alle seine Daten einmal am Tag verschlüsselt an eine spezielle Internetseite, von wo aus wir vom LBV die Daten anschauen und weiter verarbeiten können. Auch Sie können dort besenderte Tiere weltweit live verfolgen: www.movebank.org

Sollte der Sender einmal kein gutes Netz haben, so schickt er eine SMS mit den letzten fünf GPS-Positionen an die Movebank, so dass man im Zweifelsfall dem Tier doch hinterherfahren und die Daten mit dem Handscanner auslesen kann. Der Datenspeicher ist aber so groß, dass Daten von bis zu einem Jahr gespeichert werden können, so dass auch nach der Überwinterung in Afrika keine Daten verloren gehen. Sobald der Sender wieder Handynetz-Empfang hat, sendet er alle gesammelten GPS-Positionen und Bewegungsprofile an die Movebank.

Storch Peter mit dem Sender auf dem Rücken. (F: H. Seefried)
Storch Peter mit dem Sender auf dem Rücken. (F: H. Seefried)

Der Sender wird an dem Weißstorch mit Hilfe eines Teflonbandes wie ein Rucksack befestigt. Das Material ist besonders hautfreundlich und witterungsbeständig, so dass es nicht scheuert und auch ein Storchenleben lang halten sollte. Bei einem ähnlichen Projekt mit lettischen Schwarzstörchen hat sich dieses System bereits bewährt. Zusammen mit dem Teflonband und den Metallcrimps, die sicherstellen, dass das Band sich nicht vom Sender löst, wiegt der ganze Rucksack etwas unter 70g. Das entspricht nur etwa zwei bis drei Prozent des Körpergewichtes des Storches.


Warum wir dieses Projekt brauchen:

Welche sozialen Faktoren beeinflussen das Zugverhalten? Um den relativen Einfluss von Genen und Kultur bestimmen zu können, ist ein besseres Verständnis darüber von höchster Bedeutung. Eine genauere Projektbeschreibung finden Sie hier auf der Internetseite des Max-Planck-Instituts für Ornithologie.


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