Bartgeier in den deutschen Alpen gesichtet

Extrem seltene Greifvogelart lässt sich immer wieder in Bayern sehen

Der Bartgeier ist der farbenprächtigste europäische Greifvogel. (F: www.5erls-naturfotos.de)
Der Bartgeier ist der farbenprächtigste europäische Greifvogel. (F: www.5erls-naturfotos.de)

Während einer Führung des LBV wurde in den Allgäuer Alpen bereits Anfang 2015 ein extrem seltener Bartgeier gesichtet. Nachweise dieser Art kommen in Bayern nur in Ausnahmefällen vor, denn alpenweit gibt es derzeit nur knapp 200 Exemplare. Mit fast drei Metern Spannweite gehört der Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt und ist auch am Himmel eine wahrlich beeindruckende Erscheinung. „Wenn in den Allgäuer Alpen erhebliche Lawinengefahr herrscht, suchen Bartgeier gezielt Lawinenfelder nach verunglückten Tieren ab, um als Kadaverfresser mögliche Beute zu finden“, erklärt Gebietsbetreuer Henning Werth, der die Bartgeier entdeckt und fotografiert hat. 

Update März 2016

Der Bartgeier "Fortuna" ist eindeutig an der gebleichten individuellen Flügelmarkierung zu erkennen. (F: H. Werth)
Der Bartgeier "Fortuna" ist eindeutig an der gebleichten individuellen Flügelmarkierung zu erkennen. (F: H. Werth)

Bei einer Winterwanderung Mitte März 2016 fotografierte LBV-Gebietsbetreuer Henning Werth nur wenige Kilometer östlich von Oberstdorf im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen nun erneut einen Bartgeier. Da der Geier eine erkennbare Flügelmarkierung trug, konnte er diesmal auch eindeutig identifiziert werden. Es handelt sich um das erst zweijährige Bartgeier-Männchen "Fortuna", das 2015 in den Hohen Tauern freigelassen wurde. So wie "Fortuna" waren die meisten, der in den Alpen bislang beobachteten Junggeier, ausgewilderte Tiere. Eine individuelle Identifizierung nach Namen ist möglich, da einzelne Federn der Tiere vor der Freilassung gebleicht wurden. Solange diese weißen Federn nicht nachgemausert werden, kann jeder die Flügelfärbungen im Flug gut erkennen.

 

Ein zweites, unmarkiertes älteres Tier überflog dann am Montag das Trettachtal. Mit ihren knapp drei Metern Flügelspannweite suchen sie als Kadaverfresser derzeit gezielt Lawinenfelder nach verunglückten Tieren ab. Mit dem Temperaturanstieg in den nächsten Tagen und den damit verbundenen Lawinenabgängen erwarten wir in den Allgäuer Alpen weitere Suchflüge auch von anderen Bartgeiern. Der LBV bittet deshalb alle Wanderer und Skifahrer, Beobachtungen dieser faszinierenden Greifvögel umgehend den Naturschützern zu melden.

Der Bartgeier vom Wochenende - gerade noch erwischt! (F: H. Werth)
Der Bartgeier vom Wochenende - gerade noch erwischt! (F: H. Werth)

2015 waren auf dem Weg vom Giebelhaus zur Schwarzenberghütte neben dem Bartgeier auch die beiden jungen Steinadler aus dem Giebelrevier zu sehen, beide 2014 geboren. Nachdem dann auch 15 Kolkraben im Luftraum auftauchten, vermutete der Gebietsbetreuer, dass irgendwo ein Kadaver liegt, der vielleicht auch vom Bartgeier genutzt wurde. Da der Bartgeier in Bayern kein Brutvogel ist, haben Beobachtungen Seltenheitswert, und wir freuen uns über jeden einzelnen Vogel. Im Gegensatz zu Gänsegeiern, die oft in Gruppen auftauchen, streifen Bartgeier in freier Wildbahn meist alleine durch riesige Gebiete. Sollten Wanderer weitere Geier in den deutschen Alpen beobachten, bitten wir diese, die Greifvögel wenn möglich zu fotografieren und uns umgehend hier zu melden: www.lbv.de/alpenvoegel

Bartgeier. (F: www.5erls-naturfotos.de)
Bartgeier. (F: www.5erls-naturfotos.de)

Nach der Ausrottung des Bartgeiers in den Alpen wird seit 30 Jahren in einem internationalen Gemeinschaftsprojekt versucht, den farbenprächtigsten europäischen Greifvogel wiedereinzubürgern. Da die Vögel aber erst nach sechs Jahren geschlechtsreif sind und in freier Wildbahn nur einen Jungvogel großziehen, breiten sich die Bestände nur äußerst langsam aus. Da der gesichtete Vogel keine für das Nachzuchtprogramm typische Flügelmarkierung besaß und Mauserlücken hatte, ist davon auszugehen, dass es sich um einen 2013 geborenen Wildvogel handelte. Die meisten in den Alpen bislang beobachteten Jungvögel waren ausgewilderte Tiere. Die Sichtung eines Wild-Jungvogels, der also in freier Wildbahn produziert wurde, ist etwas ganz besonderes und ein Anzeichen dafür, dass sich diese Art in den Alpen langsam etablieren wird.

Bartgeier im Flug. (F: B. Barthem / VCF)
Bartgeier im Flug. (F: B. Barthem / VCF)

Die jungen Bartgeier können als Giganten der Lüfte gewaltige Strecken zurücklegen. Dabei sind sie in manchen Alpenteilen leider bis heute noch durch Abschüsse und direkte Vergiftungen bedroht. Außerdem sind sie auch durch die indirekte Bleivergiftung durch Jagdmunition gefährdet, was ebenso für Stein- und Seeadler gilt. Wir als LBV hatten auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen Herbst eine Resolution zur Abschaffung bleihaltiger Jagdmunition verabschiedet und darin die bayerische Staatsregierung zum Handeln aufgefordert.


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