Deutschlands Zugvögel auf großer Fahrt

Kurzstreckenzieher, Langstreckenzieher, Standvögel

Wissen genau wo's lang geht: Weißwangengänse auf der Durchreise (Foto: W. Lorenz)
Wissen genau wo's lang geht: Weißwangengänse auf der Durchreise (Foto: W. Lorenz)

Das ist ein Flattern, Schnattern, Tirilieren: Viele unserer heimischen Vögel sind im Frühjahr wieder sichtbar im Grünen unterwegs. Etwa 250 Vogelarten beginnen dann bei uns mit dem Brutgeschäft. Manche schlagen sich bei mildem Winterwetter erfolgreich durch, andere machen sich auf weite Wege zu ihren entfernten Winterquartieren. Ungefähr die Hälfte geht im Winter als Zugvogel "auf große Fahrt". Die andere Hälfte bleibt zuhause und ernährt sich als sogenannter Standvogel.

1000 Kilometer am Tag

Kiebitz, ein Kurzstreckenzieher (F: M. Bosch)
Kiebitz, ein Kurzstreckenzieher (F: M. Bosch)

Von den Zugvögeln sind zwei Drittel Langstreckenzieher und ein Drittel Kurzstreckenzieher. Kurzstreckenzieher sind z.B. Kranich, Kiebitz oder Star. Sie fliegen in Schwärmen und richten sich nach dem Klima. Ist der Winter mild, ziehen sie später los und kehren früher zurück. Zielgebiete sind Westeuropa und der Mittelmeerraum. Zu den Lang-streckenziehern gehören Kuckuck, Nachtigall oder Storch. Sie fliegen meist nachts. Oft sind sie alleine unterwegs, manchmal in losen Gruppen, selten in Schwärmen. Sie haben feste Flugzeiten, oft auf den Tag genau. Langstreckler ziehen schon im Spätsommer oder Frühherbst gen Süden und kommen spät im Frühjahr zurück. So ist der Kuckuck acht Monate im Jahr auf Reisen, von Mitte August bis Mitte April. Kleinere Singvögel erreichen eine Zuggeschwindigkeit von 50 km/h, Gänse fast das Doppelte. Manche Vogelarten, etwa Schwalben, können 1000 Kilometer und mehr am Tag zurücklegen.

Rund 60 Winterarten sind nur während der kalten Jahreszeit bei uns heimisch. Sie kommen aus Skandinavien, dem Baltikum oder Russland. Zu diesen gehören Tannenhäher und Seidenschwänze. Auch Standvögel wie die Kohlmeise, die Amsel oder der Grünspecht ziehen, trotz ihres Namens, während der kalten Jahreszeit in Deutschland und den Nachbarländern umher. Immer dorthin, wo es gerade wärmer ist oder mehr Futter gibt.

Windautobahn nach Süden

Kranich fliegt in V-Formation (F: H. Clausen)
Kranich fliegt in V-Formation (F: H. Clausen)

Fast unglaublich, dass Vögel viele tausend Kilometer zurücklegen und dabei Gewässer, Gebirge und die Sahara überfliegen. Viele ausgefeilte Tricks helfen dabei. Energiesparen ist auch bei den Vögeln das Zauberwort: Manche - wie Kraniche - fliegen in V-Formation mit den Schwächeren hinten im Windschatten. Der Flügelschlag der vorderen Vögel sorgt für kleine Aufwinde bei den nachfliegenden Tieren. Auch Störche und Greifvögel nutzen Aufwinde: Sie lassen sich hoch tragen, bewegen sich dann im Gleitflug fort und sparen so bis zu 90 Prozent der sonst benötigten Energie. Kleinere Vögel und solche, die aufgrund ihres Körperbaus nicht für den Gleitflug gebaut sind, finden Luftschichten, in denen auf ihrem Kurs Rückenwind herrscht: die "Windautobahnen". Ein weiterer Kniff: Energie wird im Fettspeicher gebunden. Die Vögel verkleinern ihre Organe und verbrennen unterwegs Eiweiß aus den Muskeln.

Ein Navigationsgerät brauchen Zugvögel nicht. Sie orientieren sich optisch, nach gut sichtbaren Anhaltspunkten wie Flüssen und Gebirgen. Sie nutzen Lichtquellen wie Mond und Sonne. Sie besitzen einen inneren Kompaß. Wo der sitzt, ist allerdings noch umstritten. Angeblich können Zugvögel auch die Krümmung des Ermagnetfeldes "sehen" und zur Orientierung nutzen. Ältere Vögel erinneren sich an Routen, auch der Geruchssinn soll beim Zurechtfinden helfen. Jüngere Vögel lernen von den Alten und schließen sich manchmal kleineren Reisetrupps an, auch über Artengrenzen hinweg.


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