VOGELSCHUTZ 4-23

LBV MAGAZIN 4|23 47 T E S T FOTOS: HERSTELLERFOTOS SWAROVSKI (3), KOWA Waren früher 85 mm Frontdurchmesser das übliche Maximum bei Spektiven, so rüsteten erst Zeiss und Swarovski Optik auf 95 mm auf, dann zog Kowa mit 99 mm nach und zuletzt legte Swarovski Optik mit 115 mm Frontlinse noch eins drauf. Damit wurden einerseits Beobachtungen bis weit in die Dämmerung möglich, andererseits das Equipment immer größer, schwerer und auch teurer: Zwei bis drei Kilogramm allein für die Optik plus nochmals drei bis fünf Kilo für den adäquaten Unterbau und 5.000 bis 7.000 Euro inklusive Stativ und Neiger wurden erreicht. Nicht für jedermann geeignet, um es vorsichtig auszudrücken. Kompakt und gut Das dachten sich wohl auch die Entwickler in Tirol, denn das neue Kompaktspektiv ATC 17-40x56 wiegt knapp ein Kilogramm, dazu passende Stative mit Neiger bekommt man unter zwei Kilo, insgesamt also eine Ausrüstung, die bequem im Rucksack oder auch länger in der Hand getragen werden kann. Wie von Swarovski Optik nicht anders zu erwarten, bekommt man ein bestens verarbeitetes Kleinod mit firmentypisch bequemem Einblick auch für Brillenträger. Das Sehfeld ist ebenso groß wie bei der bewährten ATX-Reihe, Zoom- und Schärfering laufen butterweich. Nachteile? Die Vergrößerung reicht nicht mehr bis 60fach bzw. 70fach, wie bei den ATX-Modellen, sondern erstreckt sich nur von 17fach bis 40fach. An hellen Tagen lässt sich dieser Bereich voll auskosten, an trüben Tagen und in der Dämmerung beschränkt man sich freiwillig auf maximal 30fach, denn sonst dunkelt das Bild beim Durchschauen merklich ab. Die optischen Gesetze lassen sich eben auch von Swarovski Optik nicht aushebeln. Abgesehen von dieser Einschränkung bietet das ATC 17-40x56 ein ebenso makellos kontrastreiches und farbneutrales Bild wie die großen Modelle! Beim Preis – 2.340 Euro (UVP) – gelang hier das Abspecken nicht so ganz. Braucht man ein Stativ dazu, dann ist man wieder bei etwa 3.000 Euro. Das soll keine Kritik sein, Präzisionsarbeit in Mitteleuropa kostet. Als Zubehör legt Swarovski Optik eine Schale zum Freihand-Beobachten bei, allerdings nur ein Notbehelf, denn so verschenkt man viel von der exzellenten optischen Qualität: Das Bild ist größer als durch ein Fernglas, durch das unvermeidliche Zittern ist der Informationsgewinn jedoch minimal. Ein Einbein-Stativ sollte es mindestens sein. Darf es noch weniger sein? Immer wieder erreichen den Autor Briefe mit der Bitte um weniger teure Alternativen. Deshalb sei auf das vermutlich in China produzierte Spektiv TSN-501 von Kowa verwiesen, das mit 319 Euro (UVP) auch für das schmalere Portemonnaie taugt. Die Vergrößerung reicht hier von 20fach bis 40fach, der Einblick mit Brille ist nicht ganz optimal, und bei Sehfeld, Kontrast, Randschärfe und Verarbeitung muss man ein paar Abstriche machen. Aber zum Einstieg oder auch als Zweitspektiv taugt es allemal. Und mit 400 Gramm ist es nochmal ein ganzes Stück leichter. OLIVER WITTIG ist gemeinsam mit seiner Frau seit vielen Jahren aktiv im Naturschutz tätig. Er interessiert sich darüber hinaus für Naturbeobachtung und -dokumentation. E-Mail: oliver.wittig@lbv.de Das günstigere Minispektiv von Kowa. Abgespeckt In den vergangenen Jahren wurden nicht nur die Autos immer größer und schwerer, auch die Spektive wuchsen. Swarovski Optik will nun wieder mehr Leichtigkeit und hat deshalb mit dem ATC ein MiniSpektiv entwickelt. Neues Mini-Spektiv von SWAROVSKI OPTIK Das neue ATC ist in zwei Farben erhältlich.

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