VOGELSCHUTZ 4-23

32 LBV MAGAZIN 4|23 L B V A K T I V I M G E S P R Ä C H Nur bekannte Nistplätze können erhalten werden Wer sind die Menschen, die im LBV aktiv sind? In jeder Ausgabe lernen Sie einen von ihnen näher kennen und bekommen so spannende Einblicke in die vielfältige ehrenamtliche Naturschutzarbeit. LBV: Seit wann bist du im Naturschutz aktiv und wie kam es dazu? Eveline Schmidt: 2008 musste ich aufgrund eines Bandscheibenvorfalls lange das Bett hüten. Die Schwanzmeisen vor meinem Fenster waren nicht nur eine ausgezeichnete Unterhaltung, sondern auch der Beginn meiner Faszination für die Vogelwelt. Ich wollte dann im Vogelschutz aktiv werden und wurde in der LBV-Kreisgruppe Erlangen gut aufgenommen. Was ist der Schwerpunkt deines ehrenamtlichen Engagements beim LBV? Einige Kreisgruppen-Aktive hatten eine Datenbank für Gebäudebrüter in Erlangen entworfen und übergaben das Projekt an mich. Anfangs hatte ich keine Ahnung, das meiste habe ich mir autodidaktisch mit Unterstützung der Kreisgruppe beigebracht. Jahrelang kartierte ich die Mehlschwalben in Erlangen, mittlerweile hauptsächlich Mauersegler. Ich bin auch überregional unterwegs und tausche mich mit Aktiven im Gebäudebrüterschutz aus. Ein weiterer wichtiger Teil ist die Zusammenarbeit mit Bauämtern und der lokalen Politik. Was war dein prägendstes Erlebnis im Naturschutz? Zu Beginn von Sanierungsarbeiten eines Hauses, an dem Mauersegler brüteten, wendete ich mich an eine Mitarbeiterin beim Umweltamt. Diese hat sofort Kontakt mit dem Bauträger aufgenommen und das Gerüst musste zurückgebaut werden. Dieses Erfolgserlebnis hat gezeigt, wie wichtig die Kartierung ist: Nur bekannte Nistplätze können erhalten werden! Was fasziniert dich an Mauerseglern? Sie begeistern mit ihrer natürlichen Eleganz, sind wahre Flugkünstler und haben eine ausgezeichnete Ortskenntnis. Die meisten Hausbesitzenden wissen nicht, dass sie unterm Dach diese faszinierenden Geschöpfe beherbergen, denn ihre Nester sind schwer zu sehen. Was kann jeder von uns im Alltag für den Schutz von Gebäudebrütern tun? Es ist wichtig, dass wir Nistplätze kennen! Nur wenn sie kartiert sind, kann ihr Erhalt bei Sanierungen und Neubauten eingefordert werden. Jeder kann über die Online-Datenbank „Botschafter Spatz“ Brutplätze melden, möglichst mit genauem Hinweis, wo sich am Haus ein Nest befindet. Augen offenhalten – das geht auch auf dem Weg zur Arbeit oder bei einem Spaziergang. Welche Möglichkeiten siehst du, Menschen für Naturschutz zu begeistern? Wie gibst du dein Wissen weiter? Ich gebe in Nordbayern Führungen, um zu zeigen, wie man Nistplätze erkennen kann. Mauersegler sind sichtbare Natur in der Stadt, sie werden von vielen ausgeblendet. Wenn wir sie in den Fokus holen, lösen sie bei vielen Faszination aus. Was wünscht du dir für die kommenden Jahre für den Arten- und Naturschutz? Ich wünsche mir, dass bei Bauaktivitäten Brutmöglichkeiten von vornherein eingeplant werden. Es sollte eine Verpflichtung für Bauträger von größeren Gebäuden geben. Außerdem sollten öffentliche Gebäude mit mehr Nisthilfen ausgestattet werden. Was machst du am liebsten neben Naturschutz? Ich bin gerne in der Natur und seit Neuestem stolze Besitzerin eines Obstgartens. Außerdem koche ich für mein Leben gerne. Eveline Schmidt, LBV-Kreisgruppe Erlangen und Nürnberg FOTOS: JÜRGEN MAGES, FRANZISKA BLÖSSL INTERVIEW: FRANZISKA BLÖSSL Eveline Schmidt ist zur Kartierung von Gebäudebrütern in Nürnberg unterwegs.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=