LBV MAGAZIN 3|23 19 FOTO: EVA SCHUBERT Bayerns Bächen geht es schlecht. Nur rund 19 Prozent der Fließgewässer sind aktuell in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand. Daher wird der Freistaat voraussichtlich die Zielvorgabe der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, bis 2027 alle Gewässer in einen guten Zustand zu bringen, krachend verfehlen. Aufgrund des zu erwartenden Verstoßes gegen EU-Recht ist ab 2027 mit einem teuren Vertragsverletzungsverfahren zu rechnen. Bayern muss daher ab sofort seine Bemühungen für die ökologische Qualität seiner Gewässer massiv ausweiten! Gerade unsere kleinen Bäche brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit der Politik. Der LBV fordert bis 2028 entlang von mindestens 10.000 Kilometern Bachlauf die Struktur der bayerischen Bäche und ihrer Auen zu verbessern. Dies würde die Biodiversität erhöhen sowie die Hochwasservorsorge und die Wasserspeicherung im Kampf gegen die zunehmende Trockenheit fördern. Schon kleine Schritte wie die geschickte Einbringung von Störsteinen oder Gehölzpflanzungen im Uferbereich tun Bayerns Bächen gut und wirken sich auch auf angrenzende Bereiche positiv aus. In der Klimakrise sind viele Bachtiere im Sommer auf Kühlung angewiesen. So kann bereits ein längerer, mindestens einseitiger Gehölzsaum die dringend nötige Beschattung bieten. Bei einer Breite von mindestens zehn Metern und sehr extensiver Nutzung leisten strukturreiche Gewässerrandstreifen auch zum Biotopverbund und zur Reinhaltung der Bäche einen wichtigen Beitrag: Zwischen den Pflanzen tummeln sich Insekten, Dünger und Pestizide werden besser zurückgehalten. In einem schnurgeraden Bach lenken ein wirksam platzierter Störstein oder eine Pfahlbuhne, das ist eine kurze, geschlossene Reihe von Holzpfählen, die Strömung zum gegenüberliegenden Ufer. Dadurch fließt das Wasser dort schneller und Uferanbrüche, Ausbuchtungen und sogar neue Bachkurven können entstehen. Je höher die Vielfalt der Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen in einem Bach ist, desto größer kann die Anzahl verschiedener Teillebensräume und daran angepasster Arten werden. Zu einer naturnahen Gewässerstruktur gehört immer auch die Aue. Wenn Bäche genug Platz haben, dann können sie bei Starkregen über die Ufer treten und das Hochwasser wird länger in der Fläche zurückgehalten. Siedlungen bachabwärts bleiben besser vor Schäden geschützt und mehr Wasser kann für die Grundwasserneubildung versickern. Ein erheblicher Handlungsbedarf besteht auch bei dem Schutz und Erhalt natürlicher Quellen und der ökologischen Optimierung beeinträchtigter Quellstandorte. Denn neben menschlicher Beeinflussung bringt die Niederschlagsarmut auch diese gefährdeten Biotope zunehmend in Bedrängnis. Der LBV ist seit fast 30 Jahren im Quellschutz aktiv, auf seine Initiative hin konnten mittlerweile weit über 100 Quellen renaturiert werden. In Bayern sind die Kommunen für die kleinen Bäche und Quellen verantwortlich, fühlen sich damit jedoch oft allein gelassen. Um die dringend nötige Unterstützung der Kommunen sicherzustellen, wird erheblich mehr Personal in den zuständigen Behörden benötigt. Außerdem ist eine Vereinfachung der Beantragung von Fördermitteln notwendig. Hilfe bietet eine Praxisbroschüre für Gemeindevertreter, die im LBV-Projekt „Lebendige Bäche in Bayern“ erstellt wurde. Sie erleichtert den Einstieg in die Renaturierung von Bächen und ist beim LBV gedruckt oder als PDF kostenfrei erhältlich unter: lbv.de/lebendige-baeche. Geben wir den Bächen ihre begleitenden Gehölze zurück – ein Segen in den heißen Monaten. MALVINA HOPPE Projektmanagerin AHP Feuersalamander in Bayern, Referat Landschaftspflege, Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein E-Mail: malvina.hoppe@lbv.de
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