LBV MAGAZIN 2|23 41 FOTOS: PIXEL-SHOT - STOCK.ADOBE, FISCHER FOOD DESIGN - STOCK.ADOBE, RENI - STOCK.ADOBE, THOMAS STAAB | DIAGRAMM: NABU-FLÄCHENNUTZUNGSSTUDIE minister Cem Özdemir hat auf großen Druck hin die neue EU-Regelung, nur vier Prozent der Landwirtschaftsfläche als Brache für Biodiversität zur Verfügung zu stellen, 2023 ausgesetzt. Der Agrarökonom Prof. Sebastian Lakner zeigte auf, dass auf diesen Flächen maximal eine Million Tonnen Getreide erzeugt werden könnten: eine unbedeutende Menge im Verhältnis zu den 25 Millionen Tonnen Getreide, die in den Futtertrögen von Schweinen, Rindern und Geflügel landen. Fazit Ernähren wir uns in Deutschland gesund und ausgewogen, können sowohl die Ernährung gesichert als auch sämtliche Umweltschutzziele wie zehn Prozent Biodiversitätsflächen, Wiedervernässung von Moorflächen, 30 Prozent Ökolandbau und Halbierung des Pflanzenschutzeinsatzes verwirklicht werden. Der Schlüssel ist die Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten und ein verringerter Konsum von Fleisch, Eiern und Milch. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Landwirtschaft muss beim Umbau der Tierhaltung unterstützt und die Kosten müssen fair verteilt werden. VieleMenschen haben sich schon auf denWeg zur fleischarmen oder fleischlosen Ernährung gemacht. Nach dem Ernährungsreport 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft leben ein Prozent der Deutschen vegan, fünf Prozent vegetarisch und 55 Prozent flexitarisch. Die Bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung müssen die Rahmenbedingungen schaffen, dass Agrar- und Ernährungswende Hand in Hand gehen. Den Weg dazu hat der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft aufgezeigt. Eine wichtige Rolle spielen Ernährungsumgebungen, die biologische, regionale Lebensmittel gut erreichbar anbieten. In der Außerhausverpflegung sollten vegetarische und auch vegane Essensangebote selbstverständlich dazugehören. MATTHIAS LUY Diplom-Biologe Landwirtschaftsreferent des LBV E-Mail: matthias.luy@lbv.de 1) Hinweis zum Referenzjahr: CAPRI berechnet eine Projektion für das Jahr 2025 als Ist-Wert. 2) Ineffizienter Flächenverbrauch und fragwürdige Klimabilanz: Flächen für Anbaubiomasse potenziell frei für anderweitige Nutzungen. Grafik verändert aus NABU-Flächennutzungsstudie, S. 13. Aktuell1 Grüne Ernährung (Halbierung Fleischkonsum) Optimistisches Produktionsszenario Konservatives Produktionsszenario Flächennutzung in Mio. ha 18,5 17,3 16,8 2,7 3,2 2,7 0,4 2,1 2,1 davon im Ausland benötigt Biodiversitäts- und Klimaschutzflächen Direkte pflanzliche Ernährung 4,7 6,6 6,3 6,1 6,0 9,7 2,2 2,0 Futter zur Erzeugung von Fleisch, Milch, Eiern Bioenergie2 Industrielle Nutzung 2) 1) Hinweis zum Referenzjahr: CAPRI berechnet eine Projektion für das Jahr 2025 als Ist-Wert. Ein Hektar pflanzliche Nahrung ersetzt zwei Hektar Futteranbau frei würden, auf denen derzeit Getreide, Mais und Raps als Tierfutter angebaut werden. Darauf könnten stattdessen Getreide und Hülsenfrüchte für die menschliche Ernährung erzeugt werden. Die Flächeneffizienz – gemessen in Kalorien pro Hektar – von Rindern, Schweinen und Geflügel ist unterschiedlich. Im Schnitt ermittelte die Studie für Deutschland, dass pflanzenbetonte Ernährung doppelt so flächeneffizient ist wie tierische. Die Veränderungen gingen mit geringeren Tierbeständen einher. Es geht um weniger Fleisch, aber in besserer Qualität und naturverträglich. So verbindet das vom LBV initiierte Rotvieh-Projekt im oberpfälzischen Tännesberg hohe Fleischqualität der alten Haustierrasse mit großer Artenvielfalt auf den extensiven Weiden und höchstem Tierwohl. Es ist genügend Raum für die dringend notwendigen zehn Prozent Biodiversitätsflächen, um in der Agrarlandschaft die Artenvielfalt wiederherzustellen. BundeslandwirtschaftsPDF-Download der Flächennutzungsstudie Es geht: Wie wir unsere Ernährung sichern und gleichzeitig die Natur und das Klima schützen können NABU-Statement basierend auf einer CAPRI-Modellierungsstudie 1 Mehr Hülsenfrüchte, weniger Fleisch: gut für Gesundheit und Natur. Genug Platz für Biodiversitätsflächen und extensive Beweidung.
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=