VOGELSCHUTZ 4-21
14 VOGELSCHUTZ 4|21 T H EMA FOTO: HANSRUEDI WEYRICH Nachfolgend stellte der LBV 2020 beim Bayerischen Um- weltministerium einen Förderantrag. Dank der Bewilligung erhält das Projekt insgesamt etwa 610.000 Euro aus dem Fördertopf für Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes, der Landschaftspflege sowie der naturverträglichen Er - holung in Naturparken (LNPR). Hinzu kommen Ausgaben, die sich bis zum Ende der ersten Projektlaufzeit auf rund 200.000 Euro belaufen. Insgesamt wird das Projekt voraus - sichtlich über zehn Jahre laufen, wobei jährlich zwei bis drei Jungvögel ausgewildert werden sollen. Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen Nach der alpenweiten Ausrottung des Bartgeiers begann 1986 mit der ersten Auswilderung von Jungvögeln aus Zoo- Nachzuchten in Österreich die Wiederansiedlung dieses charismatischen Greifvogels. Seither hat sich ein Bestand von circa 350 Individuen entwickelt, mit starkem Schwer- punkt auf den Westalpen. Jährlich gibt es einige Dutzend er- folgreiche Freilandbruten, aus denen in diesem Jahr mehr als 40 flügge Jungvögel hervorgingen. Die Ausbreitung be - sonders in den Ostalpen geht jedoch bislang aufgrund von Verlusten, vor allem durch Bleivergiftung mit bleihaltiger Jagdmunition und Abschuss, nur langsam voran. Seit we- nigen Jahren werfen zudem erste dokumentierte Fälle von Inzucht eine völlig neue Problematik auf. Die Auswilderung von Bartgeiern für den ostalpinen Raum mit von der bis- herigen Population abweichender Genetik im Nationalpark Berchtesgaden soll das verhindern. Projektziele Das Projekt in Berchtesgaden ist keine Neuansiedlung des Bartgeiers im Freistaat. Denn trotz unvollständiger Quellen- lage kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegan- gen werden, dass der Bartgeier einst Brutvogel in Bayern war. Vorrangiges Ziel ist momentan auch nicht die lokale Wiederansiedlung im Nationalpark, sondern das Projekt soll dabei helfen, durch regelmäßige Auswilderungen im Ostalpenraum Bestandslücken zwischen Teilpopulationen zu schließen. Nur so ist langfristig der äußerst wichtige ge- netische Austausch zwischen den Populationen Spaniens und Vorderasiens gesichert. Das Projekt ist damit ein wei- terer Teil eines zumindest in den Westalpen bereits erfolg- reichen internationalen Artenschutzprojekts. Allerdings wäre die Freude bei allen Beteiligten groß, wenn einige der in Berchtesgaden ausgewilderten Vögel nach Erreichen der Geschlechtsreife in der Region ein Re- vier gründen würden und dort Nachwuchs bekämen. Dies wäre die erste Wildbrut von Bartgeiern in den bayerischen Alpen seit deren Ausrottung vor über 100 Jahren. Die Fläche des Nationalparks und die Revieransprüche von Bartgeiern (bis zu 300 Quadratkilometer) werden aber kaum mehr als ein Paar im Schutzgebiet zulassen. Allerdings gibt es auch in der unmittelbaren Umgebung des Nationalparks geeig- Ganz im Südosten Bayerns erstreckt sich Deutsch- lands einziger Alpen-Nationalpark von den Tiefen des kristallklaren Königssees bis hinauf zum majes- tätischen Watzmann (2713 m) im Hochgebirge. 1978 gegründet bietet der Nationalpark Berchtesgaden mit seiner beeindruckenden Naturlandschaft auf rund 210 km² ein einzigartiges Schutzgebiet für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Der Tiergarten Nürnberg ist Teil des europäischen Bartgeier-Zuchtnetzwerks (EEP / Erhaltungszuchtpro- gramm des Europäischen Zooverbands) und damit ein wichtiger Teil des Bartgeierprojekts. Der Tiergar- ten züchtet seit Jahren regelmäßig Bartgeier für Aus- wilderungsprojekte und verfügt über eine langjährige Expertise in der Bartgeierhaltung. Im aktuellen Pro- jekt ist er die Zwischenstation für die Jungvögel vor der Auswilderung. Hier werden die Tiere markiert. Die Vulture Conservation Foundation (VCF) ist eine internationale NGO, die sich für die Erhaltung der vier europäischen Geierarten einsetzt. Die VCF star- tete mit anderen Partnern vor mehr als 40 Jahren mit dem Bartgeier Wiederansiedlungsprojekt, die ersten Jungvögel wurden 1986 ausgewildert. Die alpenweite Wiederansiedlung des einst heimischen Bartgeiers gilt als einzigartig im internationalen Naturschutz. Maximaler Medienrummel bevor Wally in die Transportkiste gesetzt wird.
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