VOGELSCHUTZ 4-21

VOGELSCHUTZ 4|21 11 Der Bartgeier ist zurück Zusammen mit dem Nationalpark Berchtesgaden und der Unterstützung des Tiergar- tens Nürnberg hat der LBV im Juni 2021 zum ersten Mal zwei junge Bartgeier ausgewil- dert – Wally und Bavaria. Über 100 Jahre nach seiner Ausrottung in Bayern soll dem größ- ten Greifvogel Mitteleuropas so auch die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht werden. VON TONI WEGSCHEIDER, DAVID SCHUHWERK UND MICHAEL KNOLLSEISEN Jahren bewährten Hacking-Methode üblich, im Alter von etwa 90 Tagen ausgewildert werden. Am 10. Juni 2021 war es dann endlich so weit: Die bei- den jungen Bartgeier, getauft auf die Namen Bavaria und Wally, wurden im Nationalpark Berchtesgaden ausgewil- dert. Wenige Tage zuvor hatten sie auf dem Landweg den Tiergarten Nürnberg erreicht und waren dort am Vortag noch mit gebleichten Federn als Flügelmarkierungen und GPS-Sendern ausgestattet worden. Trotz Corona-Pande- mie versammelten sich Geierfreunde aus halb Europa, um die beiden willkommen zu heißen. Die noch flugunfähigen Vögel verbrachten die ersten Wochen in einer gesicherten Felsnische im Klausbachtal im Nationalpark. Rund um die Uhr beobachtet und etwa alle vier Tage ohne direkten Kon- takt von den Betreuern mit Futter versorgt, entwickelten sie sich dort bis zu ihrem Erstflug im Alter von vier Monaten. Auch danach wurden sie noch bis in den Herbst hinein im unmittelbaren Umfeld der Auswilderungsnische mit Fut- ter versorgt, bis sie gelernt hatten, für sich selbst zu sor- gen. Im Regelfall dauert es nach dem Erstflug nur wenige Wochen, bis die jungen Bartgeier selbstständig das weitere Freilassungsgebiet erkunden und schließlich keine mensch- liche Hilfe mehr benötigen. Zur weiterhin möglichst durch- gehenden Kontrolle sind die Tiere beringt und tragen 80 FOTO: HANSRUEDI WEYRICH H erbst 2020 – der LBV erhält die Zusage, dass er für ein beantragtes Projekt bereits 2021 Jung- geier aus dem europäischen Zuchtprogramm er- halten soll. Dabei war ursprünglich die Auswilderung von drei Jungvögeln geplant, einer davon aus dem Tiergarten der Stadt Nürnberg. Dieser ist Teil des europäischen Bart- geier-Zuchtnetzwerks (EEP / Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands) und wird als Partner auch in den kommenden Jahren das Projekt von LBV und National- park Berchtesgaden unterstützen. Im März 2021 trafen dann jedoch schlechte Nachrichten ein. Das erste der zwei Bartgeier-Eier aus dem Tiergarten Nürnberg war zerbrochen und beim zweiten Ei der Embryo vor dem Schlupf abgestorben. Auch aus dem restlichen Zuchtprogramm erhielten wir keine allzu ermutigenden Statusberichte, da der Verlauf der Bruten in vielen ande- ren europäischen Zuchteinrichtungen ebenfalls Probleme bereitete. So musste das bayerische Projektteam bis Ende April bangen, als dann endlich die erlösende Nachricht vom Koordinator des Zuchtprogramms, Dr. Àlex Llopis Dell, ein- traf: Für Berchtesgaden waren zwei weibliche Vögel gefun- den, die von unterschiedlichen Eltern aus der Zuchtstation Guadalentín in Andalusien stammen. Sie waren am 11. bzw. 14. März geschlüpft und sollten, wie bei der seit den 1980er

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