VOGELSCHUTZ 2-21

VOGELSCHUTZ 2|21 11 FOTO: © KONSTIANTYN - STOCK.ADOBE.COM Vogel des Jahres 2021 Zum ersten Mal in der 50-jährigen Geschichte des Vogel des Jahres wurde der Titel nicht von einem Fachgremium aus LBV und NABU vergeben. Ganz Deutschland war aufgerufen, den Lieblingsvogel selbst zu wählen. Über 455.000 Menschen haben mitgemacht und einen wahren Sympathieträger und häufigen Gast in unseren heimischen Gärten gewählt: das Rotkehlchen. N och hat sich die Sonne nicht über den Horizont gewagt und über den Gärten liegt an diesem Maimorgen die Stille der Nacht, doch eine wohlbekannte Stimme ist bereits zu vernehmen. Der laute, aber dennoch melancholisch klingende Gesang kommt aus dem Blätterdach der Eberesche am Rand des Gartens. Hier hat das Rotkehlchen eine geeigne- te Singwarte gefunden, von der aus es bereits 50 Minuten vor Sonnenaufgang seine Strophen vor- trägt. Es ist das Männchen, das sich die Ruhe des Morgens zunutze macht, um allen menschlichen und tierischen Nachbarn zu zeigen, dass dieser Abschnitt des Gartens sein Revier ist. Die Eber- esche, die Hecke aus Liguster, Weißdorn und Ha- selnuss, die Wiese mit dem alten Apfelbaum, die von Efeu umwucherte Hauswand und der Winkel mit dem Komposthaufen – all das ist sein Revier, sein Reich. Gut versteckt in der Hecke, ganz nah am Bo- den, sitzt seine Auserwählte in einem Nest aus Gräsern, Moos und Tierhaaren und gibt keinen Laut von sich. An diesem kühlen Frühlingsmor- gen wärmt das Weibchen dort die erst wenige Tage alten Küken. Sogleich wird es sich auf die Suche nach Nahrung für die nimmersatte Brut machen. Im Laufe des Tages werden beide Eltern unzählige Insektenlarven, Spinnen und andere Kleintiere herbeischaffen, die in den Schnäbeln der Jungvögel verschwinden. In diesem Garten, in dem es noch wilde Ecken mit heimischen Pflanzen und viele Insekten gibt, fühlt sich das Rotkehlchen besonders wohl. Hier findet es alles, was es zum Leben braucht. So können auch wir das bunte Treiben der Gartenvögel im Frühjahr erleben und beobachten. Vom 13. bis 16. Mai können die Vögel im Garten wieder gezählt und dem LBV für die Stunde der Gartenvögel gemeldet werden. Mit jedem Tag betteln die Jungvögel nach mehr Futter. Auch wenn sie nach etwa 14 Tagen das heimische Nest verlassen, sind sie noch meh- rere Wochen auf die Versorgung durch ihre Eltern angewiesen. In dieser Zeit kann man die jungen Rotkehlchen allein oder mit ihren Geschwistern in einem Busch oder am Boden sitzen sehen. Obwohl die kleinen Vögel dann noch nicht flug - fähig sind und sie möglicherweise etwas einsam und verlassen wirken, gibt es für den Menschen keinen Grund einzugreifen. Die kleinen Kehlchen sind nicht aus dem Nest gefallen, sondern bege- ben sich eigenständig auf Wanderschaft und ver- stecken sich vor Feinden wie Katzen oder Raben- vögeln. Das Rotkehlchen

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